Anzengruber: Gaspreisdeckel ist "typischer europäischer Kompromiss"

19. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Der ehemalige Verbund-Vorstand ist sich ob der Wirksamkeit des heute festgelegten EU-Gaspreisdeckels nicht so sicher. Er fordert im PULS 24 Interview außerdem mehr Einsatz für Energieeffizienz.

"Es ist ein typischer europäischer Kompromiss", sagt der ehemalige Verbund-Vorstand Wolfgang Anzengruber im PULS 24 Interview. Die zuständigen EU-Minister:innen habe sich am Montag auf einen Gaspreisdeckel geeinigt. Ab einem Preis von 180 Euro pro Megawattstunde kann der Deckel ausgelöst werden. 

Mehr dazu:

So sollen "extreme Spitzen" bei den Preisen verhindert werden, erklärt Anzengruber. "Ich sehe diese Wirksamkeit nicht wirklich sehr groß", sagt der ehemalige Verbund-Vorstand jedoch. Außerdem sei die Frage, ob die Konsequenzen für die Versorgungssicherheit nicht "bitter" sein könnten. 

Nächster Winter wird Herausforderung

Diesen Winter wäre das Problem bei der Versorgungssicherheit gar nicht so groß gewesen, weil China einen Wachstumsrückgang hatte. Wenn aber die südostasiatische Wirtschaft zu boomen beginnt, werde es ein "Wettrennen" um Flüssiggas geben, so Anzengruber. Die "Große Herausforderung" werde daher "der nächste Winter" sein. Die Befürchtung Deutschlands sowie der Niederlande und Österreichs blieb beim Gaspreisdeckel bis zuletzt, dass bei einem Deckel Flüssigerdgas nicht mehr nach Europa kommen könnte.

Laut dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) hat Österreich einige Jahre beim CO2-Ausstoß gespart - laut Prognose werde er aber ab 2024 wieder steigen. Daher müsse man bei der Energieeffizienz viel besser werden, so Anzengruber und dabei "alle Teile der Gesellschaft" mitnehmen. Es gehe natürlich auch darum, Energie einzusparen. 

"Raus aus Öl"

Die Genehmigungsverfahren bei erneuerbaren Energien müssen schneller gehen, fordert der ehemalige Verbund-Chef und "an raus aus Öl führt kein Weg vorbei". Letzteres betreffe auch Öl-Heizungen am Land.

Auf Versorgungsunsicherheit mit Fracking zu reagieren sei laut Anzengruber unsicher: Man müsse erst das Potenzial erheben, dann würde es "einige Jahre" dauern, bis überhaupt etwas gewonnen werden könne und zu guter Letzt könnte sich herausstellen, dass das überhaupt "die falsche Schiene" gewesen sein könnte.

Quelle: Redaktion / koa