IEA-Chef Birol: "Nächster Winter wird sehr schwierig"

19. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Faith Birol, Vorsitzender der Internationalen Energieagentur (IEA), meint im PULS 24 Interview, dass wir diesen Winter "aus dem Schneider" seien, der nächste jedoch "sehr schwierig" werden wird.

Wenn es keine "großen Überraschungen" mehr gibt wie ein "langer kalter Winter" oder die Explosion einer Pipeline, sollte Europa gut über den heurigen Winter kommen, glaubt Birol. Ganz anders wird es allerdings im nächsten Jahr aussehen. Nach seiner Einschätzung wird der Winter 2023/24 aus drei Gründen "sehr schwierig". Zum einen seien die europäischen Gasspeicher momentan voll, da man derzeit noch Gas aus Russland beziehe. Da man von dieser Abhängigkeit loskommen möchte, werde diese Ressource nicht mehr zur Verfügung stehen. 

China und Europa im Kampf um Flüssiggas

Außerdem werde Flüssiggas (LNG) nächstes Jahr sehr umkämpft werden und Europa werde so wenig "wie noch nie" davon bekommen. Die Kapazitäten seien gering, zudem werde China nächstes Jahr wieder mehr aufkaufen, wodurch für Europa nicht viel übrig bleibe, erklärt Birol. Er warnt außerdem davor, dass aufgrund der begrenzten Kapazitäten auch die Preise weiter nach oben gehen werden. Als dritten Grund nannte er den "besonders milden Winter " heuer. Sollte sich das im nächsten Jahr ändern und ein "normaler" Winter zieht über den Kontinent, seien das "schlechte Nachrichten", so der IEA-Chef.

Batruel: "Vorzeichen für den nächsten Winter sehen energietechnisch nicht rosig aus"

Lob für Österreich

Um nächstes Jahr gut über den Winter zu kommen, müsse man jetzt schon sowohl Privat als auch in der Industrie Maßnahmen setzen, um Energie zu sparen und Risiko zu reduzieren. Trotzdem äußert Birol ein Lob an Österreich. Im Interviewe mit PULS 24 Reporter Paul Batruel meinte er, dass "Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten eine gute Arbeit" bei der Erschließung von anderen Gasquellen als Russland leiste.

Fortschritte beim Umstieg auf erneuerbare Energie

Hinsichtlich dem Umstieg von fossiler auf erneuerbarer Energie, meint Birol, dass man durchaus Fortschritte mache. Allerdings blicke man auf jahrzehntelange Abhängigkeit von fossilen Stoffen aus Russland zurück, das könne man nicht über Nacht ändern. Das brauche Zeit und werde ein steiniger Weg, sagt der IEA-Chef. Allerdings gebe es Wege den Umstieg zu beschleunigen. Letzten Montag habe er sich mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen getroffen und diese Wege aufzuzeigen, erzählt er im Interview. Nun müsse man warten, welche Vorschläge erfolgreich sind.

In der globalen Verteilung der Ressourcen für erneuerbare Energie, sieht Birol ein "kritisches Problem". China und Russland beanspruchen einen großen Produktionsteil an Solarpanelen. Die USA und Indien haben ihre Industriepolitik geändert, um mehr Solarpanelen herstellen zu können. Man dürfe nicht darauf setzen, dass saubere Energie all unsere Probleme löse. Viel mehr sollte man sicherstellen, dass die Produktion der nötigen Teile gesichert sei. Außerdem sollte man international zusammenarbeitet, um zu verhindern, dass nur eine Nation die nötigen Materialien produziert und verbraucht.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz