APA/ROLAND SCHLAGER

Schwierige Vorzeichen beim Start der Kollektivverhandlungen im Handel

18. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Heute starten die Verhandlungen für den Kollektivvertrag der über 500.000 Beschäftigten im Handel, die Vorzeichen dafür sind schwierig.

Bei der bereits laufenden Metaller-Lohnrunde haben die Arbeitgeber gestern ein Einkommensplus von 4,1 Prozent und eine Erfolgsbeteiligung angeboten - während die Arbeitnehmervertreter ein Plus von 10,6 Prozent fordern. Basis der Sozialpartner-Verhandlungen ist traditionell die Inflation der vergangenen zwölf Monate, sie lag bei 6.3 Prozent.

Mehr dazu:

Die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaften PRO-GE und GPA reagierten auf das Angebot in der zweiten Metaller-Verhandlungsrunde empört, bereits zuvor hatten sie Betriebsversammlungen - also stundenweise Protestmaßnahmen in den Betrieben - für den Fall einer Nicht-Einigung angekündigt.

Noch keine Lohnforderung

Die Beschäftigtenvertreter im Handel hatten im Vorfeld der heutigen Verhandlungen ihre Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Metallindustrie betont, selbst aber noch keine Lohnforderung publik gemacht. Traditionell schließt die Metallindustrie deutlich über den Handelsangestellten ab - während der Mindestlohn bei den Metallern bei 2.090 Euro brutto monatlich liegt, beträgt er im Handel 1.800 Euro.

Wobei der Handel - im Gegensatz zur Metallindustrie mit ihren rund 1.200 Betrieben, vorwiegend Familienbetriebe - sehr unterschiedlich aufgestellt ist. Das Spektrum der Arbeitgeber reicht von den großen Konzernen Rewe und Spar bis zum kleinen Fachgeschäft für Nähzubehör.

Unter der Jahresinflation will die zuständige Gewerkschaft GPA jedenfalls nicht abschließen, sagte im Vorfeld GPA-Chefverhandler Martin Müllauer. Neben mehr Geld will die GPA auch einen Fixbetrag für Lehrlinge von 150 Euro und den leichteren Zugang zur 6. Urlaubswoche.

"Akt der gegenseitigen Wertschätzung"

Eine Einrechnung der Anti-Teuerungs-Pakete der Bundesregierung - wie von den Arbeitgebern der Metalltechnischen Industrie eingefordert - lehnt die GPA ab. Sie würden mit den Arbeitgebern, und nicht mit der Regierung verhandeln, so die Gewerkschaft. Müllauer hat jedenfalls schon klargestellt, dass sich die Arbeitnehmer auf schwierige Verhandlungen einstellen. Er habe sich im Dezember nicht freigenommen, sagte er vor Journalisten.

Wie hoch die Forderung des Handels ist, wollen die Arbeitnehmervertreter vorher ihren Arbeitgebern mitteilen, und erst dann an die Öffentlichkeit gehen. Schließlich sei dies ein Akt der gegenseitigen Wertschätzung, so die GPA-Vertreter.

Quelle: Agenturen / koa