APA/BARBARA GINDL

Österreichs Finanzströme weiterhin undurchsichtig

16. Mai 2022 · Lesedauer 2 min

Viel Zusammenarbeit, aber wenig Transparenz - Österreich liegt beim "Schattenfinanzindex" weiterhin im schlechtesten Drittel.

Österreich habe sich zwar während der Corona-Pandemie auf Platz 44 verbessert, sei aber immer noch ein attraktives Ziel für Steuerbetrug, sagen das Tax Justice Network und die NGO Attac. An der Spitze des Negativrankings standen erstmals die USA, gefolgt von der Schweiz und Singapur. Alle G7-Staaten waren unter den am schlechtesten bewerteten Ländern.

Zwar habe sich Österreich seit 2020 um 8 Plätze verbessert und sei weiterhin gut aufgestellt bei der internationalen Zusammenarbeit (automatischer Datenaustausch, Lockerung des Bankgeheimnisses). Dennoch orten die globalisierungskritische NGO Attac und das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) Mängel bei der Transparenz von Eigentum und Unternehmen.

Firmen- und Grundbuch seien öffentlich, aber nicht gratis. Auch Auskünfte über Eigentümer von Unternehmen, Stiftungen und bestimmten Treuhandschaften seien nicht kostenlos, was den Zugang erschwere. Das Nachbarland Slowenien gehe hier mit gutem Beispiel voran - Informationen über die wirtschaftlichen Eigentümer von Unternehmen und Jahresabschlüsse sind dort im Open-Data-Format gratis zugänglich.

Tadel in Anbetracht des Ukrainekrieges

Tadel erntete nicht nur Österreich, sondern vor allem die G7-Staaten in Anbetracht des Ukrainekrieges. "Jahrzehntelang haben Industriestaaten Milliardäre, Oligarchen und Konzerne mit Intransparenz angelockt und umworben - auf Kosten der Allgemeinheit und ärmerer Länder. Nun ist es ihnen selbst fast unmöglich, das Vermögen der von ihnen sanktionierten russischen Oligarchen im Ausland aufzuspüren. Auch Österreich gehört zu diesen Staaten", kritisieren Martina Neuwirth vom VIDC und David Walch von Attac Österreich. Die Caymans, die im vergangenen Ranking dominierten, verbesserten sich überraschend auf Platz 14.

141 Länder analysiert

Insgesamt wurden 141 Länder anhand ihres Geheimhaltungswerts sowie der Größe des Finanzplatzes analysiert. Österreich gilt dabei als kleiner Finanzplatz, was eine höhere Platzierung im Negativranking zur Folge hat. Der Schattenfinanzindex wird alle zwei Jahre gemeinsam von den Interessengemeinschaften Tax Justice Network, Attac und dem VIDC erstellt. Er setzt sich aus den vier Bereichen "Registrierung von Eigentum", "Transparenz von Unternehmensinformation", "Internationale Standards und Zusammenarbeit" sowie "Steuersystem und -verwaltung" zusammen.

Die Studienautoren fordern die Einrichtung eines international verknüpften Vermögensregisters, das allgemein zugänglich ist.

Quelle: Agenturen / ddj