Hühnerfleisch (Symbolbild)APA/dpa/Andreas Gebert

Nach Geflügel-Skandal: AMA will Kontrollen verbessern

29. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Mitte Dezember ist in einem steirischen Hühnermastbetrieb ein Fall von schwerer Tierquälerei publik geworden. Nun gelobt die AMA, bei Prüfungen nachzuschärfen.

Die AMA-Marketing will nach dem Bekanntwerden erschreckender Verhältnisse in einem steirischen AMA-Geflügelmastbetrieb ihre Kontrollmechanismen verstärken. "Für uns steht im Vordergrund, die Wirksamkeit laufend zu verbessern und aus jedem Anlassfall zu lernen", sagte der scheidende AMA-Marketing-Chef Michael Blass. Akzente sollen etwa bei unangekündigten Kontrollen gesetzt werden. Den Vorwurf, dass die Prüfungen zahnlos verliefen, weist man aber zurück.

Mitte Dezember war in besagtem Hühnermastbetrieb ein Fall von schwerer Tierquälerei publik geworden. Die AMA reagierte zwar mit einer Sperrung des Betriebs, Kritik wurde aber dennoch laut, vor allem am Kontrollsystem der AMA. Der Chef von Rewe in Österreich etwa, Marcel Haraszti, sah ein "klares Versagen" der Agrarmarkt Austria, die sich bei Kontrollen durchschwindle.

Mehr unangekündigte Kontrollen

Seitens der AMA-Marketing nehme man diese und ähnlich gelagerte Kritik sehr ernst, sagte die designierte Chefin, Christina Mutenthaler, die ab 1. Jänner 2023 das Zepter von Blass übernimmt. Für die Zukunft fasse die AMA daher weitere Maßnahmen zur Stärkung des Kontrollsystems ins Auge. Konkret wolle man beim Verhältnis von angekündigten versus unangekündigte Kontrollen nachschärfen. Verbesserungspotenzial gebe es auch im Bereich der Prävention, wo man weitere Beratungsmöglichkeiten lancieren will. Außerdem wolle man sich digital stärker mit anderen Kontrollstellen austauschen, etwa mit Amtsärzten. "Wir sehen einen großen Hebel in der Datenvernetzung", so Mutenthaler.

Schon jetzt aber verfüge man über "ein sehr engmaschiges Kontrollnetz". So führe die AMA jährlich rund 15.000 Kontrollen durch. Alleine heuer habe man rund 50 Betriebe im Zuge von Prüfungen aus den Gütesiegelprogrammen ausgeschlossen. Darüber hinaus müsse man sehen, dass 99 Prozent der Betriebe in Österreich sorgfältig arbeiten und eine ordnungsgemäße Tierhaltung wahrnehmen würden. Und: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht."

Mutenthaler verteidigt Landwirte

Gefragt, ob Gesetze zur Verbesserung des Tierwohls in Österreich zu langsam umgesetzt werden, verwies Mutenthaler auf den derzeit besonders hohen Kostendruck für Bäuerinnen und Bauern. Diese würden sich immer im internationalen Kontext bewegen und sich gegen die dortige Konkurrenz beweisen müssen. Die Umsetzung von Maßnahmen wie die Abschaffung der Vollspaltböden, die - in den Augen von Kritikern zu spät - im Jahr 2039 umgesetzt werden soll, bräuchten daher Zeit. Bei der AMA selbst, etwa bei Tierwohlmodulen wie dem "Masterplan Schwein", sei man diesen Fristen überdies weit voraus, betonte Mutenthaler.

Für mehr Transparenz in Gastronomie

Eine Möglichkeit zur Stärkung der heimischer Qualitätsproduktion sieht die AMA in der Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel. Bewegung gab es in diesem Kontext zuletzt mit einer Regelung für öffentlichen Küchen. Diese begrüße man, wünschenswert wären aus Sicht der AMA jedoch auch weitere Transparenzanstrengungen in Richtung der Gastronomie. Unter dem AMA-eigenen Qualitätssiegel für die Gastronomie firmieren laut Mutenthaler derzeit 1.600 Betriebe - mit viel Luft nach oben. "Wir haben ein Potenzial von 10.000 Betrieben, die in unserem Programm mitmachen könnten." Das könne aber nur freiwillig geschehen.

Österreicher kaufen weniger ein

Große Auswirkungen auf den heimischen Lebensmittelmarkt sieht Mutenthaler allgemein durch die hohen Lebensmittelpreise. So seien die Einkaufsmengen nach eigenen Erhebungen zuletzt um neun Prozent zurückgegangen und auch die Einkaufsfrequenz habe sich stark verringert. Vor allem beim preissensiblen Produkt Fleisch würden die Konsumentinnen und Konsumenten zusehends auf Billigprodukte und Rabatte zurückgreifen. Langfristig sei man aber optimistisch, dass die Leute bereit seien, einen angemessenen Preis für hochqualitative Lebensmittel zu zahlen. Der Trend hin zu mehr Verantwortung für die Art und Weise, wie produziert und gekauft wird, werde sich fortsetzen, glaubt Blass.

Ein Machtgefälle zwischen dem Handel und den agrarischen Betrieben, wie von Ex-Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) mehrfach kritisiert, sieht Blass nur bedingt. "Der österreichische Einzelhandel ist der wichtigste Partner der Landwirtschaft und er ist der wichtigste Partner der Verarbeiter." Allerdings bestehe im Handel seit vielen Jahren ein Oligopol.

Quelle: Agenturen / Redaktion / kap