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Nach Bahnstreik droht nun Handelsstreik

28. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Am Dienstag findet die fünfte Verhandlungsrunde bei den Angestellten des Handels statt, hier fällt die Entscheidung, ob am Freitag und Samstag gestreikt wird. Zu Mittag soll sich der Zugverkehr nach dem Streik der Bahn am Montag wieder vollständig normalisieren.

Im Handel drohen Streiks mitten in der Adventzeit

Nach dem Eisenbahner-Streik droht auch im Handel ein Arbeitskampf mitten in der Adventzeit. Die fünfte Verhandlungsrunde für einen neuen Kollektivvertrag entscheidet, ob es zu Warnstreiks kommt oder nicht. Ab 11 Uhr verhandeln die Sozialpartner in der Wirtschaftskammer. Vorsorglich hat sich die Gewerkschaft aber eine Streikfreigabe vom ÖGB geholt. Kommt es am Dienstag zu keiner Einigung, gehen die Handelsangestellten am Freitag und Samstag auf die Straße.

Der Handels-KV ist einer der größten Kollektivverträge in Österreich und betrifft rund 430.000 Angestellte und Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel. Die Gewerkschaft fordert ein Gehaltsplus von 8,5 Prozent mit einem Mindestbetrag in Höhe von 200 Euro. Die Arbeitgeber schlagen eine steuerfreie Prämie vor, die den Beschäftigen großteils noch heuer ausbezahlt werden soll und bieten 5 Prozent Erhöhung auf die kollektivvertraglichen Mindestgehälter. Die Gewerkschaft lehnt Einmalzahlungen ab und will angesichts der hohen Inflation ordentliche Gehaltssprünge sehen.

Buchmüller zu Handels-KV-Verhandlungen

Nach dem Streik am Montag sollen bei den Eisenbahn-Mitarbeitern die Kollektivvertragsverhandlungen wieder aufgenommen werden. 

Verhandlungen sollen wieder aufgenommen werden

Angesichts der Inflation von zuletzt 11 Prozent wollen die Eisenbahn-Mitarbeiter Lohnerhöhungen von durchschnittlich 12 Prozent, wobei eine Mindesterhöhung des KV- oder Ist-Lohnes um 400 Euro pro Monat gefordert wird. Da die Arbeitgebervertreter nur 8,4 Prozent bzw. eine Mindesterhöhung von 208 Euro pro Monat angeboten hatten, wurden die Verhandlungen am Wochenende vorerst ohne neuen Gesprächstermin abgebrochen. Allerdings sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, auch wenn derzeit noch kein Termin feststeht.

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Laut ÖBB sind in Österreich normalerweise täglich rund 8.000 Personen- und Güterzüge von verschiedenen Betreibern unterwegs. Etwa eine Million Passagiere werden jeden Tag befördert. Am Montag hingegen wurde der Streik eingehalten, wie sich Arbeitgeber-Chefverhandler Gerhard Tauchner am Wiener Standort Matzleinsdorferplatz überzeugen konnte. Aber auch in den anderen Bundesländern wurde der Streik - zum Leidwesen der Pendler und Autofahrer - durchgezogen.

Bis zu 120 Millionen Euro Schaden

Laut dem Ökonomen Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität in Linz bedeute der eintägige Bahnstreik "100 bis 120 Millionen Euro Schaden". Dazu zählen Zuspätkommen und Produktionsausfälle. Das berichtet der "Kurier".

Köppl-Turyna zu Bahnstreik: Arbeitgeber-Angebot federt Inflation bereits ab

Auch Monika Köppl-Turyna, Direktorin von Eco-Austria äußert sich im PULS 24 Interview zu den derzeitigen Lohnverhandlungen und Streiks.

Ist-Löhne im Metallgewerbe steigen um 7 Prozent

Erfolgreicher waren die Kollektivvertragsverhandlungen im Metallgewerbe. Diese wurden am Montag in der ersten Runde abgeschlossen. Die KV-Mindestlöhne werden am 1. Jänner 2023 um 8 Prozent angehoben, die Ist-Löhne steigen um 7,1 Prozent, Lehrlinge erhalten um bis zu 10,2 Prozent mehr Geld und das Klima-Ticket. Der Mindestlohn liegt künftig bei 2.234,52 Euro. Die Zulagen steigen um bis zu 8,3 Prozent. Das teilte die Gewerkschaft PRO-GE in einer Aussendung mit.

"Der sozialpartnerschaftlich verhandelte Abschluss im Metallgewerbe stärkt dauerhaft die Kaufkraft der ArbeiterInnen. Für die 18.000 Lehrlinge konnte zudem ein tolles Paket mit kräftigen Erhöhungen und einem Gratis-Klimaticket geschnürt werden", sagt PRO-GE-Bundesvorsitzender Rainer Wimmer. Betroffen sind rund 110.000 Arbeiterinnen und Arbeiter und 18.000 Lehrlinge. Der KV umfasst verschiedene Berufsgruppen, etwa Elektrotechnik, Metalltechnik, Mechatronik, Kfz-Mechanik und die Installateure. Basis für die Verhandlungen war die Inflation der 12 Monate von September 2021 bis August 2022 in Höhe von 6,3 Prozent.

Quelle: Agenturen / Redaktion / ddj