APA - Austria Presse Agentur

Managergehälter in der Corona-Krise im Schnitt um 4 Prozent gestiegen

05. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Gegenüber 2019 sind die Vorstandsgehälter um rund vier Prozent gestiegen, zeigt eine Analyse der Arbeiterkammer von 17 der 20 im Wiener Leitindex ATX vertretenen Unternehmen, die bereits ihre Geschäftsberichte für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht haben

In Krisenzeiten mit Hunderttausenden Arbeitslosen geraten Bonuszahlungen für Vorstände ins Visier. Obwohl die Fixgehälter im vergangenen Jahr konstant waren und die variablen Teile sich sogar reduziert haben, ließen hohe Beendigungs- und Einstiegszahlungen die Gagen der Vorstände ansteigen, kritisiert die Arbeiterkammer (AK). Im Schnitt verdiente ein ATX-Vorstand im Coronajahr 2020 1,9 Millionen Euro und damit das 57-fache eines mittleren Einkommens in Österreich.

"Die variable Vergütung in den 17 untersuchten Unternehmen ist zwar zurückgegangen (minus 20 Prozent), jedoch bei Weitem nicht so deutlich wie die Gewinne eingebrochen sind (minus 40 Prozent)", sagte Studienautorin und AK-Betriebswirtin Christina Wieser.

Gagenkaiser in dem aktuellen Ranking ist der ehemalige Vorstandschef des Karton- und Verpackungsherstellers Mayr-Melnhof, Wilhelm Hörmanseder, der mit 11,3 Millionen Euro aus dem Vorstand verabschiedet wurde. Zuzüglich Grundgehalt verdiente Hörmanseder im Vorjahr 11,8 Millionen Euro. Sein Nachfolger Peter Oswald belegt den dritten Platz im Vorstands-Ranking. Oswald erhielt eine Vergütung von 5,1 Millionen Euro. Darin enthalten sind laut Arbeiterkammer auch eine pauschale Abgeltung von 1,0 Millionen Euro anlässlich seines Wechsels in den Vorstand sowie eine einmalige Pensionsversicherungszahlung in Höhe von 400.000 Euro und eine pauschale Erfolgsbeteiligung von 2,75 Millionen Euro.

Satte Gagen trotz Gewinnrückgang und Personalabbau

Unter den Top Ten finden sich fünf der sechs Vorstände der BAWAG Group, wobei BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk im vergangenen Jahr mit 5,3 Millionen Euro am meisten bekam. "Dabei ist der Gewinn des Bankkonzerns im Corona-Krisenjahr um 38 Prozent gesunken, zudem wurde im Vormonat ein Personalabbau angekündigt", sagt Wieser.

Weitere Spitzenverdiener waren Noch-OMV-Chef Rainer Seele (4,3 Millionen Euro) und Andritz-Boss Wolfgang Leitner (3,3 Millionen Euro).

Auf Platz 10 der Liste findet sich mit Martin Grüll ein weiteres bereits ausgeschiedenes Vorstandsmitglied. Der vormalige RBI-Vorstand verdiente 2,5 Millionen Euro. Grülls Bezüge inkludieren eine Abfindungszahlung in Höhe von 1,9 Millionen Euro. Das Ranking der Auszahlungen an ehemalige, bereits vor 2020 ausgeschiedene Vorstände, führt mit großem Abstand der ehemalige Erste-Group-Chef Andreas Treichl. Ihm wurden 2020 insgesamt 5,2 Millionen Euro Abfertigung, Pensionskassenzahlungen, sonstige Bezüge und Entgelt für Beratertätigkeit ausbezahlt.

Arbeiterkammer fordert mehr Solidarität

Laut Studienautorin Wieser werden bei der Vergütungspolitik nach wie vor soziale und ökologische Ziele nicht ausreichend berücksichtigt. Kritik sei daher auch bei den Hauptversammlungen laut geworden: Mehr als ein Drittel der untersuchten Unternehmen wurde von den Aktionären und Aktionärinnen aufgefordert, die Ausgestaltung der Gagen ihrer Führungskräfte zu überprüfen. Der Aufsichtsrat sollte eine angemessene Relation zwischen Vorstandsvergütung und Belegschaft definieren, zudem bedürfe es einer Höchstgrenze, fordert die Arbeiterkammer. "Ein Verzicht auf Bonuszahlungen - gerade in Zeiten der Krise - wäre ein deutliches Zeichen der Solidarität", sagte Wieser.

Im Unterschied zur AK-Erhebung sind die Bezüge der ATX-Vorstandsvorsitzenden laut Unternehmensberatung hkp im Jahr 2020 um 16 Prozent zurückgegangen. "Die Ergebnisse unterscheiden sich dahingehend, dass die vorliegende AK-Studie sämtliche Vorstände (72 Köpfe) von 17 ATX-Unternehmen (Stand: Mai 2021) einbezieht, während die hkp-Auswertung eine nicht aktuelle ATX-Zusammensetzung (Telekom Group statt EVN, die seit März 2021 im ATX notiert) sowie ein kleineres Sample von CEOs (ohne BAWAG Group) heranzieht", erläutert die Arbeiterkammer.

Quelle: Agenturen / APA/hos