APA - Austria Presse Agentur

Hoteliervereinigung: "Jeder Cent wird gebraucht"

23. Nov 2020 · Lesedauer 3 min

Tirols Landeshauptmann kündigt bereits den Auftakt der Wintersaison an. Tatsächlich weiß aber niemand, wann es so weit sein wird und ob alle Betriebe wieder aufsperren können.  

"Tirol sperrt auf", verkündet Landeshauptmann Günther Platter am Montag mitten im Lockdown. Das sei ein wichtiges "Zeichen" für die Tourismusdestination Tirol. Mit Präventionskonzepten soll die Wintersaison sicher über die Bühne gehen, das habe bereits im Sommer gut funktioniert, sagt der Tiroler Landeshauptmann. Wann es so weit sein, wird lässt er offen. Das werde maßgeblich von den Infektionszahlen abhängen.

Neben der epidemiologischen, stellt sich aber eine weitere Frage. Lohnt sich das Aufsperren für die Betriebe überhaupt?

"Ob es sich rentiert, hängt mit den Reisewarnungen zusammen. Falls Deutschland und die Benelux-Länder zu bleiben, dann wird es sehr schwierig", sagt Angelika Falkner, Leiterin des Hotel Central im Tiroler Skiort Sölden. Derzeit liegt die Auslastung in dem Luxushotel bei 20 bis 45 Prozent. Zuletzt hätten viele Gäste storniert. "Normalerweise sind im Herbst die stärksten Monate, wo der Winterurlaub gebucht wird und heuer warten alle ab", sagt die Unternehmerin.

Auch Oliver Schenk, Sprecher der österreichischen Hoteliervereinigung, glaubt nicht, dass es sich für alle Betriebe auszahlt im Winter aufzusperren. "Es ist gerade eine schwierige Situation", sagt er im Gespräch mit PULS 24.

Im Oktober verzeichnete der Tiroler Tourismus 65,3 Prozent weniger Nächtigungen als im Vorjahr. Im November dürften es wegen des Lockdowns noch weniger werden. Schenk glaubt dennoch, dass die meisten Betriebe im Winter den Betrieb aufnehmen werden, denn "jeder Cent wird gebraucht", sagt er.  Wann es soweit sein wird, ist derzeit aber noch unklar. Die Regierung halte sich bedeckt, sagt Schenk. Für die Betriebe wären aber jetzt ein Zeitplan wichtig, um die Wiedereröffnung besser planen zu können.

Sommersaison besser als erwartet

Die Sommersaison ist in Tirol indes besser verlaufen, als viele erwartet haben. Zwar liegen die Nächtigungen um 30 Prozent unter dem Vorjahresschnitt, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer ist aber von 3,6 auf 4,1 Tage gestiegen. Unter den Umständen sei das ein "sehr gutes Ergebnis", heißt es vom Tourismusforschungsinstitut  Tirol Tourism Research, das die saisonalen Nächtigungszahlen erhebt. 

Auch Karin Seiler, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Innsbruck, zeigt sich zufrieden: "Aus der Schweiz und Deutschland konnten im gesamten Verbandsgebiet kurzfristig sogar mehr Gäste und Übernachtungen als im Vorjahr gezählt werden", sagt sie.

Bis der Tourismus sich wieder gänzlich erholt, wird es wohl noch dauern. "Generell werden die Auswirkungen der Corona-Krise noch länger zu spüren sein", sagt Seiler. Viele Faktoren, wie die Entwicklung eines Impfstoffes, Quarantäneregeln und Reisebeschränkungen würden hier eine Rolle spielen.

Soraya PechtlQuelle: Redaktion / spe