Gas für Winter gesichert? Energieexperte Rose sagt: "Fix ist nix"

21. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Nach der Wartung der Pipeline Nord Stream 1 fließt wieder Gas. Der Vorstand der E-Control Wolfgang Urbantschitsch ist optimistisch, dass Österreich die 80 Prozent Gasspeicherung für den Winter schafft. Energieexperte Karl Rose ist noch skeptisch.

Die Pipeline Nord Stream 1 hat derzeit wieder eine 40-prozentige Auslastung beim Gasfluss. Anfängliche Sorgen, dass es zu keiner Gaslieferung mehr kommt, sind damit fürs Erste beruhigt.

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Österreich ist weniger von diesem Zugang abhängig als Deutschland, sagt E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch im PULS 24 Interview. Die österreichische Hauptversorgung laufe nämlich über die Ukraine. Urbantschitsch zeigt über die derzeitigen Entwicklung im Gasbereich erfreut: "Der Speicherstand ist definitiv über 50 Prozent". Durch die neuen Gasquellen aus Norwegen, Rotterdam und Italien seien die 80 Prozent Gasspeicherung für den Winter ein erreichbares Ziel. 

Zudrehen im Herbst oder Winter schmerzhafter

Weniger überzeugt ist Energieexperte Karl Rose. Die Grundlage, um 80 Prozent Speicherfüllstand zu erreichen, seien vorhanden. Österreich werde dann dank der großen Speicherkapazitäten "mit einem blauen Auge davonkommen" - anders als der Rest Europas. Denn ist sei ungewiss wie Putin bei der Gaslieferung weiter vorgehen wird: "Fix ist nix in diesem Umfeld". Rose nimmt an, dass der russische Machthaber die Gashähne vor dem Herbst bzw. Winter nicht zudrehen werde: "Das Zumachen wäre jetzt viel weniger schmerzhaft."

Trotz Zuversicht für den Winter meint auch E-Control-Chef Urbantschitsch, dass die Situation permanent beobachtet werden müsse. Die Abhängigkeit von russischem Gas habe sich reduziert - trotz Berichten über einen Anstieg von 80 auf 87 Prozent. Diese Zahlen seien aus der Handelsstatistik mit starkem Zeitverzug, die "das grobe Ganze" abbilden. 

Ob sich Österreichs Politik in falscher Sicherheit wiege, will Energieexperte Rose nicht beurteilen. Wichtige Dinge seien jedoch bereits geschehen: Bilaterale Abkommen wurden geschlossen, die EU hat sich beim Gaseinkauf und der Verteilung solidarisch erklärt und zusätzliche Pipeline-Kapazitäten wurden gesichert. Rose fehlt jedoch ein Notfallplan, der vorgibt was in einer Krise zuerst abgeschaltet wird. 

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz