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Erzeugerpreise steigen - Was das für die Verbraucher heißt

21. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Die deutschen Hersteller haben ihre Erzeugerpreise infolge des Ukraine-Kriegs im Mai abermals in Rekordtempo erhöht. Sie legten um durchschnittlich 33,6 Prozent zu. Doch was bedeutet das für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Die deutschen Erzeugerpreise sind im Mai um ein gutes Drittel angestiegen. "Dies war der höchste Anstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949", teilte das Statistische Bundesamt in Deutschland am Montag mit. "Damit verzeichneten die gewerblichen Erzeugerpreise seit Dezember 2021 jeden Monat neue Rekordanstiege." Befragte Ökonomen waren von einem unveränderten Wert von 33,5 Prozent ausgegangen. Allein von April auf Mai ging es bei den Produzentenpreisen um 1,6 Prozent nach oben.

Was bedeutet das für die Verbraucher?

Für die Verbraucher verheißt die Entwicklung nichts Gutes, zumal die Erzeugerpreise als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Verbraucherpreise gelten. Aktuell ist die Inflationsrate mit 7,9 Prozent bereits so hoch wie seit dem Winter 1973/74 nicht mehr. "Den massiven Anstieg der Erzeugerpreise haben die Unternehmen bisher wohl nur teilweise an die Endverbraucher weitergegeben", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

"Darum dürfte auch bei Verbraucherpreisen die unterliegende Dynamik zumindest sehr hoch bleiben, unter Umständen sogar noch etwas zulegen." Das sieht auch Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der LBBW so: "Vor allem für die Energiepreise scheint so schnell keine Trendwende in Sicht, zumal angesichts der Nachrichten über die Drosselung der russischen Erdgaslieferungen."

Nahrungsmittel um 19,2 Prozent teurer

Hohe Preissteigerungen gab es auch bei Vorleistungsgütern, vor allem bei Metallen, Dünge- und Futtermitteln sowie Industriegasen und Verpackungsmitteln aus Holz. Nahrungsmittel verteuerten sich um 19,2 Prozent. Besonders stark stiegen hier die Preise für Butter (+80,2 Prozent), nicht behandelte pflanzliche Öle (+68,4 Prozent), Rindfleisch (+42,9 Prozent), Kaffee (+33,6 Prozent) sowie Milch und Milcherzeugnisse (+24,1 Prozent). "Für Verbraucher bedenklich sind die inzwischen erreichten hohen Teuerungsraten für Verbrauchsgüter", sagte LBBW-Ökonom Niklasch dazu.

Wie sieht es in Österreich aus?

Auch in Österreich stiegen die Erzeugerpreise, sagt WIFO-Ökonom Josef Baumgartner im Gespräch mit PULS 24. "Diese Zahlen, die sich in der Gegend von 20 Prozent bewegen, die haben auch die Energiepreise drinnen",  erklärt Baumgartner. Wie viel von den erhöhten Erzeugerpreisen dann schließlich für die Konsumenten bemerkbar ist, zeige sich erst nach einigen Monaten. 

"Mit circa sechs Monaten Verzögerung findet sich das dann in den Verbraucherpreisen. Insofern hat das eine vorauseilende Indikatoreigenschaft. Das zeigt uns noch an, dass wir für die nächsten Monate Preissteigerungen bei den Konsumgütern zu erwarten haben", so der Ökonom.

In den letzten Jahren seien die Konsumwarenpreise im Durchschnitt um 1,2 Prozent pro Jahr gestiegen. "Aktuell gehen wir davon aus, dass sie im heurigen Jahr um etwas über sechs Prozent steigen werden. Das ist eine massive Teuerung und das wird sich noch ein bisschen ins nächste Jahr hineinziehen", so Baumgartner.

So hart trifft die Teuerung die Österreicher

Keine großen Preissenkungen erwartet

Es sei zu erwarten, dass es in nächster Zeit keine großen Preissenkungen geben werde. Die Energiepreise würden stark von den Entwicklungen des Ukraine-Kriegs abhängig sein. Russland sei der größte Gasexporteur am Weltmarkt, der zweitgrößte Öl-Exporteur und der drittgrößte Kohle-Exporteur. In nächster Zeit sei nicht absehbar, dass die westlichen Länder in Russland einkaufen werden. Eine Unabhängigkeit von russischer Energie sei "nur zu einem deutlich höheren Preis zu haben". Daher sei auch auf diesem Gebiet nicht zu erwarten, dass die Preise demnächst wieder zurückgehen.

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Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj