Kemfert: "Wir müssen uns leider Gedanken über ein Blackout machen"

19. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

In Bezug auf die Gasversorgung sei die Lage in Europa "ernst, aber nicht ausweglos", so Claudia Kemfert, Wirtschaftswissenschaftlerin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Man müsse sich jedoch darauf vorbereiten, dass "Russland jederzeit den Gashahn abdrehen könnte".

"Wir wissen schlechtweg nicht, was Russland tut. Wir haben ja nun schon viele Überraschungen erlebt", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert im PULS 24 Newsroom LIVE. Der Brief der Gazprom an den deutschen Energiekonzern "Uniper" bezüglich den Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream 1 besage, "selbst wenn man die Turbinenlieferung aus Kanada bekommen würde, sie nicht ausreichen würde, um ausreichend Gas liefern zu lassen".

"Russland kann jederzeit den Gashahn abdrehen"

Der Brief deute darauf hin, dass vermutlich "nicht die volle Menge Gas oder vielleicht sogar gar kein Gas" mehr geliefert werde. Auf diesen Fall müsse man sich vorbereiten und darauf einstellen. Russland könne "jederzeit den Gashahn abdrehen".

Neue Gas-Abnehmer für Russland

Russland versuche, neue Abnehmer für seinen Gas-Absatz zu finden. Man werde versuchen, "preiswert alle möglichen Kunden an sich zu binden", so Kemfert. Der Iran sei ein beliebter Kandidat, aber auch Länder in Afrika und Südostasien seien eine Option dafür. Da Europa als "gut zahlender Kunde" früher oder später wegfällt, werde es für Russland jedoch "nicht leicht".

Wird zu viel Panik gemacht?

Es sei eine Gradwanderung, sensibel zu vermitteln, dass "wir in einer ernsten Energiekrise und in einer ernsten Lage" sind, aber nicht in Panik zu verfallen. Mithilfe von wissenschaftlichen Fakten müsse man die Menschen beruhigen: Man könne weiterhin noch Gas aus anderen Ländern kaufen, die Gas-Speicher werden gefüllt und auch erneuerbare Energien ausgebaut. Man müsse aber "mehr tun, um zu sparen". Die Lage sei "ernst, aber nicht ausweglos", so die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Blackout möglich?

In Bezug auf die Atomkraftwerke in Frankreich, die aufgrund des Wassermangels vom Netz genommen wurden, sei die Möglichkeit eines Blackouts sehr wohl gegeben. "Wir müssen uns leider Gedanken über ein Blackout machen, weil das Kühlwasser fehlt und die Atomkraftwerke stark betroffen sind", so Kemfert.

In Frankreich seien "die Hälfte der Kraftwerke nicht mehr am Netz. Die Schweiz sind die nächsten und andere folgen", erklärt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Man müsse den Zubau erneuerbarer Energien schneller forcieren aber auch Speichermöglichkeiten schaffen.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj