Baumgartner: Preisdeckel nicht nur bei Strom, sondern auch bei Gas nötig

11. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Josef Baumgartner, Ökonom beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) erzählt im Newsroom LIVE, dass in den nächsten Monaten mit weiteren preislichen Anstiegen im Strom- sowie Gasbereich gerechnet werden muss. Auch die Konjunktur wird weiter fallen.

Der Ökonom Josef Baumgartner vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) erwartet, dass den Österreicher:innen weitere Anstiege bevorstehen: "Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht". Die stagnierende Inflation in den USA, könne man mit der europäischen nicht vergleichen. Der "Beitrag der Energiepreise" in Österreich bzw. Europa sei bei uns deutlich stärker als in den USA. Das dortige System sei deutlich breiter aufgestellt und die Nachfrage habe eine größere Auswirkung.

Inflation durch steigende Energiepreise

Mindestens dreiviertel der Inflation sind ausgelöst durch die steigenden Energiepreise. Der Ökonom erwartet jedoch, dass es im Herbst oder nächstes Jahr nochmal zu einem "deutlichen Preisanstiegen" kommen werde. Man erwarte eine Inflationsrate von mindestens acht Prozent im Jahresdurchschnitt.

Schwächelnde Konjunktur

Die österreichische Wirtschaft stehe derzeit noch in einer "günstigen Position". In den kommenden Monaten rechne er jedoch mit einer "Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik", die bis zum nächsten Jahr anhalten werde. Es gebe laut Baumgartner auch ein "Risiko nach unten". Die aktuellen Daten sowie Unternehmens- und Haushaltsbefragungen zeigen eine abgeschwächte Lage der Konjunktion. Die Kaufkraft sei aufgrund der hohen Preise gesunken. Auch die Einkommen gehen zurück, denn es gäbe einen deutlichen Reallohnverlust. Die heimischen Unternehmen erwarten in kommenden Monaten eine "deutlich schwächere wirtschaftliche Aktivität".

Strompreisdeckel nicht ausreichend

Laut des Ökonomen reiche die geplante Strompreisbremse nicht aus. Man müsse auch bei den "leitungsgebundenen Energieträgern" - wie Gas und Wärme - ähnliche Modelle anwenden. Richtig gemacht, hätte dies auch einen "inflationsdämpfenden Effekt".

Prognosen schwerer zu erstellen

Seit der Pandemie bräuchte man immer öfters und in kürzeren Abständen wirtschaftliche Einschätzungen, "um der Politik Richtungen zu zeigen". Prognosen sind jedoch schwieriger geworden, da Zusammenhänge aus der Vergangenheit nicht mehr gelten würden. Aufgrund von Geschehnissen wie der Pandemie, Corona-Mutationen oder dem Kriegsausbruch in der Ukraine müsse man Prognosen immer wieder revidieren.

Anfang des Jahres kam es zu Preisanpassungen durch die Energieversorger. Baumgartner hatte allerdings erwartet, dass diese die Verträge ein Jahr laufen würden. Aufgrund der Verhaltensänderungen von den Energieversorgern sei es jetzt schwer einzuschätzen, wohin der Trend gehe.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz