Ab September: Wien Energie und EVN erhöhen Strom- und Gaspreise

03. Aug. 2022 · Lesedauer 6 min

Die Energieallianz Austria (EAA) erhöht per 1.9. die Preise für Strom und Gas in Wien und Niederösterreich. Die Indexanpassung in den Standardtarifen der Wien Energie und der EVN als Teil der EAA wird aufgrund der Marktsituation von 1.1. 2023 vorgezogen.

Die "dramatischen Preisanstiege" erforderten das Vorziehen der Anpassung, so die EAA am Mittwoch. Wien Energie und EVN wollen die Steigerungen mit Aktionen abfedern. Indexanpassungen gibt es künftig zwei Mal jährlich.

Was bedeutet das? 

Für einen Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch - je nach Haushaltsgröße - von 3.500 Kilowattstunden (kWh) beziehungsweise von 2.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von etwa 57 Euro beziehungsweise 36 Euro (jeweils inkl. USt.). Für Haushaltskunden mit einem jährlichen Gasverbrauch - je nach Haushaltsgröße - von 15.000 kWh beziehungsweise 8.000 kWh bedeutet die Preisanpassung monatliche Mehrkosten von etwa 108 Euro beziehungsweise 60 Euro (jeweils inkl. USt.).

Starke Steigerungen

Der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) sei binnen eines Jahres um 247 Prozent gestiegen und der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) um 323 Prozent, argumentiert die EAA. Basis der Preisanpassungen seien Lieferbedingungen, die dem steigenden Verlauf dieser Indizes folgen. Die vorgezogene indexgebundene Preisanpassung per 1. September 2022 gilt für Produkte der regionalen Energievertriebsgesellschaften der EAA in Wien und Niederösterreich, die im Preisblatt keine detaillierten Preisanpassungsklauseln haben: EVN Energievertrieb GmbH & Co KG und Wien Energie Vertrieb GmbH & Co KG.

Im Burgenland wird die indexgebundene Preisanpassung im Bereich Strom und Gas nicht vorgezogen. Neben Wien Energie und EVN ist auch die Burgenland Energie (BE) Teil der gemeinsamen Vertriebsschiene EAA. Für Kunden der BE Vertrieb GmbH & Co KG bleibt die bisherige Systematik der bestehenden Lieferbedingungen bestehen.

Jährliche Anpassungen kommen

Die Preise werden künftig zweimal pro Jahr zum 1. April und zum 1. Oktober angepasst, so die EVN. Selbiges gilt auch für die Wien Energie. Die Burgenland Energie wird dabei noch folgen, sagten Kenner der APA. "Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass ein Jahr ein sehr langer Zeitraum sein kann. Durch eine zweite Anpassung im Jahr können wir rascher reagieren und auch allfällige Senkungen schneller an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben", so Zach.

Wien Energie: Versuchen abzufedern

Die Wien Energie teilte gesondert mit, dass sie die Preisanpassung für ihre Kundinnen und Kunden abfedere. Mit zusätzlichen Bindungs- und Treueaktionen könnten die Verbraucher die Steigerung reduzieren. Das bedeutet für einen durchschnittlichen Wiener Haushalt monatliche Mehrkosten von rund 10 Euro (statt 36 Euro) bei Strom bzw. rund 31 Euro (statt 60 Euro) bei Gas. Dazu gebe es eine Preisgarantie für zwölf Monate.

Alle betroffenen Wien-Energie-Kunden werden noch im August per Schreiben über ihr persönliches Angebot informiert. Nicht betroffen sind Kunden, die einen Tarif mit Preisgarantie oder einen Float-Tarif haben. Ebenfalls angepasst werden die Tarife für Elektromobilität. Hier erhöhen sich die sogenannten Tanke-Tarife im Schnitt um 55 Prozent.

EVN verweist auf Rabatte 

Auch die EVN verwies eigens darauf, dass bis zu 17 Prozent Rabatt auf die Stromrechnung möglich seien - zusätzlich zum NÖ Strompreisrabatt des Landes Niederösterreich. Die Preisanpassung per 1. September 2022 gilt für rund 50 Prozent der EVN Haushaltskunden: "Rund die Hälfte unserer Kundinnen und Kunden haben einen klassischen Tarif. Alle anderen haben einen Floating-Tarif, der monatlich an die Energiepreisentwicklung angepasst wird oder haben einen Tarif mit Preisgarantie gewählt", erläuterte EVN-Sprecher Stefan Zach in einer Aussendung.

Zahlreiche Begleitmaßnahmen sollen demnach der Preissteigerung entgegenwirken. "Seitens der öffentlichen Hand wirken etwa der NÖ Strompreisrabatt, der Energiekostenzuschuss oder der Klimabonus dämpfend. Aber auch von der EVN können sich die betroffenen Kunden bis zu 17 Prozent der gesamten Stromkosten zurückholen", sagt Zach.

Was EVN rät 

Entscheidet sich der Kunde etwa aktiv für eine Registrierung im Kundenportal, für eine E-Mail-Rechnung oder für einen Bankeinzug, helfe er der EVN die operativen Kosten zu reduzieren. "Diese Ersparnis geben wir unseren Kundinnen und Kunden in den betroffenen klassischen Tarifen gerne direkt weiter", so Zach. Was genau zu tun ist, erfahren betroffene Kunden mittels eines persönlichen Info-Schreibens im August.

Als Beispiel nannte die EVN etwa eine vierköpfige Familie mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.725 kWh und einem Gasverbrauch von 20.000 kWh. Mit dem EVN-Rabatt, den NÖ-Strompreisrabatt, sowie dem Energiepaket laut Finanzministerium (Steuerentlastung, regionaler Klimabonus und Energiekostenausgleich), verblieben der Familie noch Mehrkosten in Höhe von 18 Euro pro Monat.

Die Preise werden künftig zweimal pro Jahr zum 1. April und zum 1. Oktober angepasst, so die EVN. "Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass ein Jahr ein sehr langer Zeitraum sein kann. Durch eine zweite Anpassung im Jahr können wir rascher reagieren und auch allfällige Senkungen schneller an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben", so Zach.

Hanke: "Keine Energiemangellage, dafür massive Teuerungslage"

Der Wiener Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) pochte auf eine "rasche bundesweit einheitliche Lösung zur Entlastung der Bevölkerung, denn bei den kriegsbedingten Energiepreisen sind wir nur Passagier". Eine österreichweite Regelung habe er auch beim kürzlichen Energiegipfel im Bundeskanzleramt verlangt. Es gebe derzeit "keine Energiemangellage, dafür aber eine massive Teuerungslage".

Vom burgenländischen Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ) hieß es, die Burgenland Energie könne die Preiskapriolen abfedern. Somit blieben Haushalte im östlichsten Bundesland im Herbst von der aktuellen Preiserhöhung bei der Energieallianz verschont. Zudem erneuerte der Politiker seinen Ruf nach einem Energiepreis-Deckel im Bund.

Niederösterreich: SPÖ, FPÖ und Grüne kritisieren Preiserhöhungen

In Niederösterreich wiederum herrschte die größte Aufregung. SPÖ, FPÖ und Grüne kritisierten die Preiserhöhungen. Landeshauptfrau-Stellvertreter und SPÖ-Niederösterreich-Landesparteichef Franz Schnabl forderte erneut eine sofortige Umstellung auf das Schweizer Modell. Das Merit-Order-Prinzip, wonach das jeweils letzte - in der Regel teuerste - (Gas-)Kraftwerk das Preisniveau bestimmt, müsse ausgesetzt werden. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) müsse als Vertreterin des Mehrheitseigentümers - die börsennotierte EVN gehört zu 51 Prozent dem Land - die "Preisexplosion" bei Strom und Gas stoppen. "Sollte sich die EVN gegen faire Preise sträuben, muss das Land das Unternehmen wieder übernehmen", verlangte Schnabl.

Die niederösterreichischen Freiheitlichen teilten in einer Aussendung mit, die ÖVP lasse die Landsleute bei den EVN-Preiserhöhungen im Stich. Der in der Vorwoche im Landtag beschlossene Zuschuss von elf Cent pro Kilowattstunde verpuffe, so FPÖ-Landesparteiobmann Udo Landbauer. Der NÖ Strompreisrabatt ist mit 80 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsverbrauchs gedeckelt. Die Freiheitlichen pochten weiters darauf, die Übergewinne der EVN "in vollem Umfang direkt an alle Kunden zurückzuzahlen".

Die Grüne Landessprecherin in Niederösterreich, Helga Krismer, nannte den Strompreisrabatt in ihrem Bundesland eine "reine PR-Show" von Mikl-Leitner. Der Zuschuss werde kaum Wirkung zeigen, so die Grüne. Sie forderte die Landesregierung auf, die "Strompreislawine" zu verhindern.

Die ÖVP Niederösterreich verwies in einer Aussendung auf den einstimmigen Landtagsbeschluss in der Vorwoche. Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner betonte: "Niederösterreich hat als einziges Bundesland rasch und spürbar Maßnahmen für einen Teuerungsausgleich auf den Weg gebracht." Wichtig sei, dass auf Bundesebene angekündigte weitere Entlastungsschritte "schnellstmöglich beschlossen werden".

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj