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Andere Energieversorger: "Solche Geschäfte wie Wien Energie betreiben wir nicht"

29. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Wien Energie AG benötigt laut Finanzminister Brunner (ÖVP) von der Regierung "dringend Unterstützung". PULS 24 hat sich bei den anderen Energieversorgern in Österreich umgehört, wie deren finanzielle Situation aussieht.

Die Wien Energie AG, hat die Regierung um eine Finanzspritze gebeten. Das hat Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) am Sonntagabend in der "ZIB2" verkündet. Andere Landesenergieversorger sind laut dem Finanzminister derzeit nicht in finanziellen Schwierigkeiten.

PULS 24 hat sich bei den anderen großen Energieversorgern im Land erkundigt, ob diese aktuell genug Sicherheiten für Handel an der Energiebörse haben, um langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten. 

Worum geht es eigentlich?

Wenn man von dem Begriff "Future" bzw. "Future Trade" spricht, sind damit Verträge gemeint, in denen Preise für zukünftige Geschäfte festgelegt werden. Man einigt sich also im Jetzt darauf, welcher Preis für eine Ware - in diesem Fall die Lieferung von Strom - zu einem zukünftigen Zeitpunkt bezahlt wird. Für dieses zukünftige Geschäft müssen dann Sicherheitsleistungen hinterlegt werden, bis es zustande kommt, sozusagen als Kaution. Diese Sicherheitsleistungen stehen in Verhältnis zum Preis, der beim Gas - das in Wien vor allem zum Heizen verwendet wird - aktuell stark ansteigt. Dabei steigen allerdings die Sicherheitsleistungen für den Verkäufer, nicht für den Käufer. Diese können Wien Energie und die Stadt Wien aktuell nicht mehr selbst finanziell abdecken.

Mehr dazu:

Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (KELAG): 

Von einem Sprecher der KELAG hieß es zu PULS 24: "Solche Geschäfte, wie die Wien Energie, betreiben wir nicht." Die Liquidität des Unternehmens sei gesichert. Da sie nicht an der Börse seien, müssten sie sich nicht mit Futures auseinandersetzen und seien nicht von den nötigen Sicherheiten betroffen. Das Unternehmen arbeite, wie die vkw mit bilateralen Handelsverträgen.  

EVN:

Auf Anfrage von PULS 24 hieß es von Seiten der EVN: "Offiziell sagen wir nichts". Laut Sprecher des Unternehmens sei nur die Wien Energie AG von der derzeitigen finanziellen Unterstützung betroffen. 

Vorarlberger Kraftwerke (vkw): 

Das Vorarlberger Unternehmen sei laut Unternehmenssprecher "liquide". Sie wären nur auf dem Spot-Markt vertreten und würden nur in kleinen Summen einkaufen. Die vkw arbeite mit einer anderen Handelsstrategie als Wien Energie und setze viel mehr auf bilaterale Verträge mit 50 bis 60 direkt ausgewählten Handelspartnern.

Burgendland Energie: 

Vor eineinhalb Jahren habe Burgenland Energie eine neue "strategische Ausrichtung" als Unternehmen eingeschlagen. Sie seien damit in der Krise solide aufgestellt. Das Energieunternehmen sei auch in herausfordernder Zeit auf einem stabilen Kurs und würden keine zusätzlichen Sicherheiten benötigen, hieß es gegenüber PULS 24. Aktuell geht man im Unternehmen davon aus, dass sie trotz dieser Marktturbulenzen ihr Budget halten können.

Es brauche einen temporären Eingriff in den europäischen Energiemarkt. Es gelte die Preise zu begrenzen, um die Inflation zu dämpfen und die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Energie AG Oberösterreich: 

Die Energie AG Oberösterreich sehe derzeit keine Notwendigkeit, Staatshilfen zu beantragen. Die extreme Marktsituation würde von der Energie AG laufend überwacht werden. Die Situation im energiewirtschaftlichen Gesamtsystem sei jedoch sehr angespannt.

Der Staat könnte durch Begebung von Sicherheitsgarantien oder ähnlichen Instrumenten zur Beruhigung der Lage beitragen, teilt das Unternehmen mit.

Salzburg AG: 

Die Salzburg AG hat ihren Stromeinkauf anders strukturiert und setzt dabei vermehrt auf Handelspartner und weniger auf Börsengeschäfte. Die Salzburg AG habe Strom für ihre Haushalts- und Gewerbekunden für 2023 schon großteils eingekauft. Diese Geschäfte seien bereits abgeschlossen – die Liquidität sei stets gegeben gewesen.

Energie Steiermark: 

Die Energie Steiermark meldet sie würden über eine solide Finanzstruktur verfügen. Derzeit habe das Unternehmen keine Liquiditätsprobleme. Laut Konzernsprecher Urs Harnik besitze Energie Steiermark eine "herausragende" Bonität und sei gut für "dramatische Entwicklungen gerüstet".  Das Unternehmen habe sich mit "hinreichender Liquidität bei nationalen und internationalen Banken eingedeckt" – ohne Garantie der Eigentümer.

Wie auch Burgenland Energie ist auch der steirische Energiekonzern für eine europäische Lösung für den Energiemarkt, um die " angespannte Situation zu entschärfen".

Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG): 

Der TIWAG-Konzern sei aktuell auch nicht mit Liquiditätsengpässen konfrontiert, sagt Pressereferent Christof Mergl. Das Unternehmen beschaffe die Energie, die für die sichere Versorgung ihre Kund:innen notwendig sei, mittelfristig im Vorhin an den Energiebörsen.

Verbund: 

PULS 24 hat dem Unternehmen eine Anfrage gesendet, aber keine Antwort erhalten.

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz