Kopf: Einbruch am Arbeitsmarkt "sehe ich noch nicht"

21. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

AMS-Vorstand Johannes Kopf spricht bei PULS 24 über die Situation am Arbeitsmarkt, die Auswirkungen des Schengen-Vetos, den Gender-Pay-Gap und über seinen Wunsch, Ukrainer am Arbeitsmarkt zu integrieren.

Die Lenzing AG baut 200 Jobs ab, ein Parketthersteller aus der Steiermark reduziert sein Personal um rund ein Drittel. Dennoch sieht AMS-Chef Johannes Kopf noch keinen Einbruch am Arbeitsmarkt. 

Er wolle "nicht zynisch" wirken - für die Betroffenen sei die Situation natürlich schlimm, sagt er. Aber: Bei der Lenzing AG werden 70 Personen abgebaut - der Rest wird über Arbeitszeitmaßnahmen oder über Pensionierungen geregelt, so Kopf. Für den oberösterreichischen Arbeitsmarkt sei das "harmlos". In der Region "habe ich Jobs", sagt der AMS-Vorstand. Beim Parketthersteller gehe es um 45 Personen - auch das sei bei rund 140.000 Einmeldungen im Arbeitsmarktfrühwarnsystem im Jahr noch kein Einbruch.

Generell glaubt Kopf, "dass es noch immer besser läuft, als wir glauben". Auch Ende Dezember werde man bessere Arbeitsmarktdaten haben als erwartet. Im Tourismus sei die Buchungslage "hervorragend", das Weihnachtsgeschäft laufe gut.

Lob für die Regierung 

Trotz der hohen Inflation, trotz der hohen Energiepreise sei der Konsum nicht eingebrochen - das sei auch den Hilfen der Regierung zu verdanken. Die Kurzarbeit in den letzten Jahren habe Jobs gesichert, die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt seien stabilisiert worden.

Krisenjahr 2022: Hat die Regierung geliefert?

Was in Österreich hingegen nach wie vor nicht funktioniert ist die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen. Im Schnitt verdienen Männer um 55 Prozent mehr, bei Arbeiter:innen sind es sogar über 100 Prozent. "Das Thema ist wirklich schon retro", zeigt sich Kopf verärgert. "Da muss wirklich was geschehen". 

Kinderbetreuung

Wichtig wäre der Ausbau der Kinderbetreuung, sagt er. Ein Rechtsanspruch darauf sei "der Hammer, der die Drohung sein soll für die Politik, die Kinderbetreuung zu verbessern". Außerdem würden etwa "Frauenberufe" schlechter bewertet werden: "Wir bezahlen Pflegerinnen zu wenig Geld" und es gehe auch um die Berufswahl, so Kopf. Jeder sollte sich die Frage stellen, "Welche Fehler mache ich bei der Erziehung meiner Kinder?", spielt Kopf auf anerzogene Geschlechterrollen an. 

Dass Österreichs Schengen-Veto gegen Bulgarien und Rumänien "massive Auswirkungen" auf den Arbeitsmarkt haben werde, glaubt der AMS-Chef nicht. Es gehe aber sehr wohl um eine "Symbol-Frage". Die meisten Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft, die hier arbeiten, kommen aus Deutschland, Ungarn und dann Rumänien. Das seien "dringend benötigte" Arbeitskräfte, für die es eine Rolle spielt, wie lange sie an der Grenze im Stau stehen, so Kopf. 

Ukrainer am Arbeitsmarkt

Bei seinem Vorschlag Ukraine-Vertriebenen Zugang zum Arbeitsmarkt zu geben sei er "noch in guter Hoffnung", auch wenn von Seiten der Regierung noch nicht viel passiert ist. 

Quelle: Redaktion / koa