APA - Austria Presse Agentur

"A halbe G'schicht": Wiener Wirte von Schanigarten-Öffnung enttäuscht

02. März 2021 · Lesedauer 3 min

Die Regierung will Gastgärten schrittweise öffnen lassen - macht sich damit aber in der Branche keine Freunde. Der WKÖ-Branchenobmann Mario Pulker hat bereits mehrfach deponiert, dass Gastgärten alleine nicht ausreichen, um ein Lokal betriebswirtschaftlich zu führen.

Die Gastgarten-Öffnung, die mit Ende März geplant ist, ist nicht für alle eine Hilfe, denn viele Lokale haben überhaupt keinen Gastgarten, wie WKÖ-Branchenobmann Pulker ausführte. Der Wiener Gastroobmann Peter Dobcak fürchtet dass "die Wiener Gastlichkeit vor dem Aus" steht. Viele Details seien offen, nur wenige könnten die Lockerung nutzen.

Öffnung noch nicht sicher

Über dem gemütlichen Besuch im Wirts- oder Kaffeehaus stehen noch viele Fragezeichen. Das beginnt damit, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montag mehrfach hervorgehoben hat, es sei "das Ziel", in Vorarlberg ab 15. März und sonst vor den Osterferien, also ab 27. März, die Gastgärten zu öffnen. Ob es tatsächlich außerhalb Vorarlbergs zur Öffnung kommt, wird also auch von der nächsten Lagebewertung am 15. März abhängen.

Offene Fragen: Gehsteig verschmälern? Was tun bei Regen?

Aber auch die konkrete Umsetzung lässt noch viele Fragen offen. So hat der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) angekündigt, er wolle öffentlichen Raum für Gastgärten öffnen. Dobcak will klären, was das heißen kann. Es gehe um Fragen wie die Entfernung eines Gastgartens zum Lokal, eine eventuelle Reduktion der für Fußgänger übrig bleibenden Gehsteigbreite von derzeit 2 Meter auf 1,5 oder 1 Meter, um die Nutzung von Sanitäranlagen im Lokal, oder auch um die Reaktion, wenn plötzlich Regen einsetzt. Es gehe aber auch darum, ob die Stadt Wien die Parks für Food-Trucks öffnet, die angesichts ausgebliebener Veranstaltungen kaum mehr Umsatz machen.

Kleine Gastgärten könnten Abstandsregeln nicht einhalten

Rund 3.500 Gastgärten gibt es in Wien und rund 9.000 Gastronomiebetriebe, die beiden Zahlen dürfe man aber nicht einfach gegenüberstellen, so Dobcak. Denn unter den 9.000 seien auch Imbissstuben und Nachtlokale. Andererseits seien manche Gastgärten so klein, dass sie keine Öffnung rechtfertigen würden - "vor allem wenn jetzt noch Abstandsregeln dazukommen".

Schanigarten "a halbe G'schicht"

Bei aller Kritik sagt Dobcak: "Wir nehmen, was wir kriegen können". Aber der überwiegende Teil der Fachverbandsmitglieder habe sich wesentlich mehr erwartet, "weil von uns auch der Eindruck vermittelt wurde, mit dem großen Öffnungskonferenz der Wirtschaftskammer Österreich, dass wir sehr wohl am 15. aufsperren können. Und das mit dem Schanigarten, das ist 'a halbe G'schicht'". Wobei Dobcak betont, dass die Branche die virologischen Notwendigkeiten verstehe - aber wirtschaftlich gehe es um die Existenz. Daher werden auch im Falle der Schanigarten-Öffnungen weiter Coronahilfen nötig sein.

Quelle: Agenturen / lam