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Worum es im WM-Streit zwischen FIFA und UEFA geht

20. Okt 2021 · Lesedauer 4 min

Vor einigen Wochen ließ der Fußballweltverband FIFA mit Reformplänen, die Weltmeisterschaften künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus auszutragen, aufhorchen. Eine Idee, die von der UEFA heftig kritisiert wird. Seitdem tobt ein Streit zwischen den Verbänden.

Mitte Mai tauchten erstmals Pläne auf, in denen die FIFA mit der Idee liebäugelte, Weltmeisterschaften alle zwei statt wie bisher alle vier Jahre auszurichten. Anfang September nahm das Thema dann so richtig Fahrt auf. Ex-Trainer Arsene Wenger, mittlerweile FIFA-Direktor, schlägt auf einer Pressekonferenz offiziell die Ausrichtung der Weltmeisterschafen alle zwei Jahre vor.

Bereits nach der WM 2026 in Mexiko und den USA sollen die Pläne in die Tat umgesetzt werden, 2028 soll also bereits ein Turnier gespielt werden. Die Turniere der Konföderationen, unter anderem also die Europameisterschaften, sollen ebenfalls im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden.

Herbe Kritik an FIFA-Plänen

Der europäische Verband UEFA kritisiert die Pläne seitdem heftig. UEFA-Präsident Alexander Ceferin meint, dass diese Maßnahme "den Fußball töten würde." Kritik kommt außerdem von den Landesverbänden, unter anderem auch vom ÖFB, und von diversen Spielern und Funktionären.

Wenger rechtfertigt Pläne

Die FIFA sieht das naturgemäß anders und rechtfertigt die "Neuordnung der Turniere", wie es Arsene Wenger bezeichnete. Der 71-Jährige betont, dass durch die Reform mehr Länder die Möglichkeit hätten, sich für eine Endrunde zu qualifizieren bzw. ein Turnier auszurichten. In der FIFA-Beratergruppe, die für die Reformpläne zuständig ist, sitzen neben Wenger noch zahlreiche Ex-Profis wie Lothar Matthäus oder Ronaldo Nazário.

APA - Austria Presse Agentur

Ex-Arsenal-Coach Arsene Wenger präsentierte die FIFA-Pläne vor einigen Monaten in einer Pressekonferenz

Wenger verspricht zudem, dass sich die Anzahl der Spiele nicht erhöhen werde. Angedacht ist, die Qualifikationsspiele für die Endrunden in einer oder zwei längeren Perioden im Oktober und November zu spielen und nicht wie bisher die Saison mehrfach zu unterbrechen. Der Brasilianer Ronaldo zog einen Vergleich zum Tennissport, in welchem "die großen Turniere ebenfalls jedes Jahr stattfinden und die Qualität darunter nicht leidet."

Bereits im Mai gab die FIFA eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, auf die sich Wenger und Co. berufen. Zudem sei eine Befragung unter Fußball-Fans positiv ausgefallen.

FIFA macht Milliardengewinne in WM-Jahren

Kritiker meinen, der FIFA gehe es hauptsächlich um den finanziellen Aspekt. Tatsächlich würde der Verband finanziell gesehen enorm von den Reformplänen profitieren. Nimmt man die Jahresbilanzen her, fällt auf, dass der Weltverband im Jahr 2018, als die letzte WM in Russland stattfand, knapp 4,6 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete. In den Jahren 2015 bis 2017, als kein Turnier ausgerichtet wurde, waren es insgesamt nur knapp 1,8 Milliarden Dollar. Während man in diesen Jahren ein sattes Minus schrieb, durfte sich der Verband 2018 über einen Gewinn von 1,75 Milliarden Dollar freuen.

Kritik an vollem Terminkalender

Spieler und Funktionäre sprechen sich zudem wegen des ohnehin schon vollen Terminkalenders durch die nationalen Wettbewerbe gegen die Reformpläne aus. Real Madrids Luka Modric sieht "keinen Sinn" in den Neuerungen: "Eine WM ist gerade deshalb etwas Besonderes, weil sie nur alle vier Jahre stattfindet", meint der Kroate.

Für Spaniens Ligapräsident Javier Tebas hätte eine Umsetzung des Zwei-Jahres-Rhythmus für EM und WM fatale Folgen für nationale Ligen, wie er in einem Interview mit der "Sport Bild" betont: "Eine WM alle zwei Jahre würde das komplette Ökosystem des Fußballs zerstören, vor allem in Europa." Tebas fügt an, dass Ligen möglicherweise verkleinert werden würden, der Wert der TV-Rechte sinkt und die Spieler weniger verdienen. "So machen wir Fußball zu einem Sport der Eliten. Das ist ein großer Fehler."

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La Liga-Präsident Javier Tebas ist gegen eine Ausrichtung von Weltmeisterschaften im Zwei-Jahres-Rhythmus.

Afrikanischer und asiatischer Verband auf FIFA-Linie

Während die Pläne vom südamerikanischen Verband ebenfalls abgelehnt werden, begrüßen der afrikanische (CAF) und der asiatische Verband (AFC) die Pläne. "Die AFC hat die klare Ambition, dass die asiatischen Teams und Spieler durch Weltklasse-Wettbewerbe auf den größten Bühnen der Welt glänzen können", begründet der asiatische Verband seine Zustimmung in einer Stellungnahme.

Der afrikanische Verband bekundete bereits im Juli seine Unterstützung für das Projekt. Bei einer möglichen Abstimmung hätte Afrikas Votum großes Gewicht. Mit 56 Nationalverbänden hat der CAF rund ein Viertel aller Stimmen der 211 Mitgliedsverbände inne. Europa und Südamerika kämen bei einer möglichen Abstimmung nur auf 65 Stimmen.

Entscheidung wohl kurz vor Weihnachten

Zu einer finalen Abstimmung in der Causa könnte es am 20. Dezember kommen. Laut "Sport Bild"-Informationen plant die FIFA an diesem Tag einen außerordentlichen Kongress, um die Verbände über eine Änderung des Spielkalenders abstimmen zu lassen.

Eine Änderung des WM-Rhythmus wäre jedenfalls revolutionär. Seit 1930 findet das prestigeträchtigste Fußball-Turnier der Welt im Vier-Jahres-Rhythmus statt. Fix ist indes bereits eine andere Neuerung: Ab 2026 nehmen 48 statt wie bisher 32 Teams an den FIFA-Endrunden teil.

Maximilian PatakQuelle: Redaktion / mpa