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Warum sich Marco Schwarz seinen Bart blau färben muss

24. Jan. 2023 · Lesedauer 5 min

Nach seinem Abfahrts-Debüt in Wengen erlebte Marco Schwarz ein "blaues Wunder". Auf den ÖSV-Allrounder wartet ein echtes Mammut-Programm.

Kein anderer Athlet in der österreichischen Mannschaft ist so breit aufgestellt wie Marco Schwarz. Neben seinen Kerndisziplinen Slalom und Riesentorlauf findet der Kärntner auch an den Speed-Rennen immer mehr Gefallen. Nach regelmäßigen Einsätzen im Super-G feierte der 27-Jährige in Wengen sein Abfahrts-Debüt im Weltcup und überraschte dabei mit einem sechsten Platz.

Schwarz: "Wettschulden sind Ehrenschulden"

Nach diesem starken Auftritt am Lauberhorn erlebte Schwarz ein "blaues Wunder". Er muss sich nämlich nach einer Wette mit ÖSV-Abfahrts-Kollege Stefan Babinsky den Bart blau färben. "Wir sind am Lift gesessen und ich hatte meinen blauen Helm und die blaue Brille auf und er hat gesagt, jetzt fehlt noch der blaue Bart. Dann habe ich gesagt, wenn ich unter die Top Ten fahre, mache ich es. Ich habe ehrlich gesagt nicht daran geglaubt, dass ich da unter die Zehn fahre", nimmt es Schwarz mit Humor. Wann wir ihn mit blauem Bart sehen, steht noch nicht fest. "Das müssen wir uns noch ausmachen. Irgendwann werde ich es aber sicher mal machen. Wettschulden sind Ehrenschulden."

Pfeifer: "Er kann in vier Disziplinen in die Top Ten fahren"

Neben einem blauen Bart beschert Schwarz seine Leistung wohl auch künftig Einsätze in der schnellsten aller Disziplinen. Der 27-Jährige ist zweifelsfrei jener Athlet im ÖSV-Team, der in Zukunft für den Gesamtweltcup am ehesten ein Thema werden könnte. Vier Disziplinen unter einen Hut oder besser gesagt einen Ski-Helm zu bringen, ist allerdings eine Herausforderung. "Er kann in vier Disziplinen in die Top Ten fahren", ist sich ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer sicher. "Man braucht einen guten Einsatzplan. Wenn er einen Lauf bekommt wie vor zwei Jahren, dann kann er konstant abliefern."

Nach einem schwierigen Jahr ist der "Flow" zurück

Der Fokus liegt aktuell noch ganz klar auf den technischen Disziplinen. Als Schwarz 2014 in den Weltcup kam, gab es vor allem im Slalom freie Plätze. Als der Kärntner dann in seiner zweiten Saison gleich aufs Stockerl fuhr, stellte sich die Frage nach den Disziplinen nicht mehr. In der Saison 2020/21 war Schwarz der beste Slalom-Läufer im Weltcup, holte die kleine Kristallkugel.

Im vergangenen Winter hatte er mit den Folgen einer Knöchelverletzung zu kämpfen und fuhr seinen Erwartungen hinterher. "Letztes Jahr war es mit der Verletzung schwierig. Da habe ich mich nirgends richtig wohl gefühlt. Vielleicht habe ich mir da auch zu viel Druck gemacht", meint Schwarz rückblickend. Er habe daraus aber einiges gelernt. "Ich habe mich heuer in einige Sachen nicht mehr so reingesteigert, so geht's dann wieder um einiges leichter." In der aktuellen Saison hat er "den Flow wieder ein bisschen gefunden", sagt der Kärntner. Auch wenn es bis dato noch nicht für einen Podestplatz gereicht hat. Gleiches gilt für den Riesentorlauf, wo beim WM-Bronzenen von 2021 im Sommer "ein guter Schritt nach vorne" gegangen ist.

Kein "Parade-Abfahrer"? "Odi ist auch nicht der Vollhenker"

Das Speed-Fahren hat Schwarz schon immer gereizt. Der 27-Jährige tastet sich in Super-G und Abfahrt immer mehr heran. "Aber das ist ein Prozess über mehrere Jahre. Es geht jetzt darum, alle Strecken kennenzulernen und mich heranzutasten. Man braucht im Speed die Kilometer, da war die Amerika-Tournee sehr entscheidend", sagt Schwarz.  Zwar hat er über den Sommer in Hinblick auf seine Speed-Ambitionen kilomäßig etwas draufgepackt, der "Parade-Abfahrer" ist Schwarz dennoch nicht. Das müsse er aber auch nicht sein.

"Odi ist auch nicht der Vollhenker", sagt Schwarz über Marco Odermatt. "Es sind ganz unterschiedliche Leute schnell, da gibt es kein Standard-Ding. Ich glaube, ich kann den Ski ganz gut laufen lassen in gewissen Passagen. Natürlich habe ich Respekt, aber keine Angst. Ich glaube, dass man im Speed auch sehr technisch fahren muss", erklärt der Kärntner und nennt als Beispiel ÖSV-Kollege Vincent Kriechmayr.

Schwarz bereit für Mammut-Programm bei WM

Als einziger echter Allrounder im ÖSV-Team bestreitet Schwarz aktuell ein Mammut-Programm. Nach den Rennen in Wengen, Kitzbühel und dem Nacht-Doppel in Schladming stehen noch zwei Super-G in Cortina d'Ampezzo und am 4. Februar der Slalom in Chamonix auf dem Programm. Dann geht es direkt zur WM nach Courchevel/Meribel (6.-19.2.), wo sogar ein Start in der Abfahrt ist möglich ist.  "Wenn ich aufgestellt werde, bestreite ich sie", sagt Schwarz, der in der Kombination als Titelverteidiger, im Slalom und Riesentorlauf gesetzt ist.

Dazu kommt mit dem Super-G zumindest eine Speed-Disziplin. Los geht es für Schwarz in Frankreich am 7. Februar mit der Kombi. Es folgen der Super-G am 9., Trainingsläufe und zum Abschluss der ersten Woche die Abfahrt am 12.

Pfeifer traut Schwarz bei WM vieles zu

"Die Chancen in der Abfahrt sehe ich 50:50, dass er da um eine Medaille fährt. Das wäre schon die Über-Sensation, da muss man ehrlich sein. Schauen wir mal. Wenn du davor schon eine Medaille mitnehmen kannst, einen Lauf hast, geht oft vieles leichter", meint ÖSV-Cheftrainer Pfeifer. Da Schwarz die Parallelrennen auslässt, hat er bis zum 17. Februar Zeit, sich auf den Riesentorlauf vorzubereiten, am 19. folgt zum Abschluss noch der Slalom. "Wenn einer so ein hartes Programm schafft, dann ist das er. Er drückt die vierzehn Tage durch. Er ist robust gebaut, hat viel Fitness", so Pfeifer.

Schwarz bescheinigt sich selbst einen topfitten Zustand, dafür habe er den ganzen Sommer trainiert. "Ich war mir bewusst, dass ich mehrere Disziplinen fahre." Fünf Starts bei der WM traut er sich zu. "Ich muss halt schauen, wie es mir von Tag zu Tag geht. Wenn ich die erste Woche als Speedwoche sehe und dann den Schalter umlege, dann nehme ich ein, zwei Tage raus und bereite mich auf die Technischen vor. Es ist schon schaffbar", sagt Marco Schwarz, der Vielfahrer im ÖSV-Team.

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst auf laola1.at erschienen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / tgo