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VAR-Patzer und Ärger bei turbulentem Rapid-Sieg

27. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Rapid sicherte sich mit einer Rumpftruppe im Europacup-Playoff-Hinspiel in Tirol mit einem 2:1-Sieg eine gute Ausgangsposition. Die Hütteldorfer hadern dennoch mit einer Schiedsrichterentscheidung und dem nächsten verletzungsbedingten Ausfall.

Nach dem ersten Teil des Showdowns um den letzten Europacup-Startplatz in der Fußball-Bundesliga war Rapids Trainer Ferdinand Feldhofer zwar stolz, aber auch ein wenig bedrückt. "Ja, wir hätten 3:0 in Führung gehen müssen, ja, wir hätten auch einen Elfmeter bekommen müssen und ja, wir haben wieder einen Verletzten mehr. Es passt einfach zu unserem Frühjahr", sagt Feldhofer nach dem 2:1-Sieg bei der WSG Tirol im Hinspiel des Europacup-Play-offs am Donnerstag bei Sky.

Besonders die schwere Verletzung von Rapid-Kapitän Maximilian Hofmann überschattete das erste Duell um einen Platz in der zweiten Runde der Conference-League-Qualifikation. In der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte prallte der Innenverteidiger unglücklich mit dem Knie des herausstürmenden SCR-Goalies Paul Gartler zusammen und zog sich dabei einen Jochbein-, Kiefer- und Augenhöhlenbruch zu. Die Saison ist für den 28-Jährigen beendet, auch eine Operation wird nötig sein.

Feldhofer: "Verstärkte Rapid-II-Mannschaft auf dem Platz" 

Die sowieso schon ersatzgeschwächte Feldhofer-Truppe muss damit für das Rückspiel am Sonntag (17.00 Uhr/Sky) in Hütteldorf einen weiteren bitteren Ausfall verkraften. In Tirol sei zum Schluss laut Feldhofer fast "eine verstärkte Rapid-II-Mannschaft" auf dem Feld gestanden. Diese brachte ein 2:1 nach Hause, nachdem Marco Grüll (10.) und Jonas Auer (13.) früh für einen komfortablen Vorsprung gesorgt hatten. "Ich bin richtig stolz, wie wir die Situation gemeistert haben", betont Feldhofer.

Die Situation hätte für die Grün-Weißen noch angenehmer sein können, wenn Schiedsrichter Sebastian Gishamer nach einer halben Stunde auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte. WSG-Tormann Ferdinand Oswald hatte Grüll offensichtlich strafbar von den Beinen geholt, doch die Pfeife blieb stumm, genauso wie VAR Alan Kijas. Ein Fehler, wie die VAR-Instruktoren in der Nachbetrachtung einräumten. Sie hätten "ein Eingreifen als gerechtfertigt und wünschenswert erachtet", twitterten sie am Donnerstagabend.

Ärger um nicht gegebenen Elfmeter

Die Analyse der Szene habe ergeben, dass es sich regeltechnisch um einen Strafstoß gehandelt habe. "Der VAR hat die Entscheidung des Schiedsrichters 'kein Strafstoß' jedoch als nicht klar und offensichtlich falsch eingestuft und deshalb nicht eingegriffen", heißt es in der Erklärung. Für Feldhofer gab es keine zwei Meinungen: "Das muss einfach der Schiri am Spielfeld entscheiden", sagt er: "Da brauchen wir auch nicht über den VAR reden."

Gishamer gestand nach Schlusspfiff seinen Fehler ein. "Jeder ist im Nachhinein, wenn man die Bilder sieht, klüger und in dem Fall würde ich auch sagen, dass es eine Fehlentscheidung war. Man hätte wohl auf Strafstoß entscheiden müssen", sagt er. Seine Wahrnehmung sei am Spielfeld eine andere gewesen, er sah Oswald als "eher statisch" an. Der VAR habe seiner Argumentation folgen können. Eine mögliche Abseitsposition im Vorfeld wurde ebenfalls gecheckt. Glück hatten die Rapidler unterdessen, dass Hofmann nach einem Foul etwas später nicht mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde.

Auswärtstorregel in der Bundesliga noch in Kraft 

Feldhofer freute sich jedenfalls über die "tolle Ausgangssituation", die aufgrund der Auswärtstorregel "natürlich noch etwas besser" sei. Die Auswärtstorregel, im Europacup und andernorts längst aufgehoben, kommt in der laufenden Bundesligasaison noch zur Anwendung. "Das ist auch einmalig bei uns hier, in jedem anderen Wettbewerb wurde sie abgeschafft", bemerkt Oswald. Die Wattener brauchen in Wien deshalb mindestens zwei Tore, um den Traum von Europa am Leben zu halten.

"Natürlich ist es ein schwieriges Unterfangen", sagt WSG-Trainer Thomas Silberberger. Rapid habe verdient gewonnen, "weil sie uns in den ersten 20 Minuten den Stecker gezogen haben". Dann hielt Torjäger Giacomo Vrioni die Tiroler mit seinem 19. Saisontor im Spiel. Da die Treffer im Play-off für die Torschützenliste gewertet werden, zieht der 23-Jährige mit Salzburgs Karim Adeyemi gleich und könnte sich am Sonntag nach drei Bonusspielen noch die Torjägerkrone sichern.

Das Motto der Wattener für die nächsten Tage? "Clever regenerieren und dann schauen, dass wir in Wien das Unmögliche möglich machen", sagt Silberberger: "Noch sind wir nicht raus. Es haben schon viele Spiele in der Relegation gezeigt, da gibt es fast nur Auswärtssiege." Und Vrioni kündigte an: "Wir fahren nach Wien, um das Wunder zu verwirklichen."

Quelle: Agenturen / mpa