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Austria hofft auf 3 Punkte gegen "sehr bissiges" Lech Posen

15. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Fünf Pflichtspiele ungeschlagen und dadurch mit viel Selbstvertrauen ausgestattet: Die Wiener Austria ist am Mittwochnachmittag mit einem positiven Gefühl ins Flugzeug in Richtung Polen gestiegen. Nach dem torlosen Remis gegen Hapoel Be'er Sheva soll bei Lech Posen am Donnerstag (21.00 Uhr) im zweiten Anlauf in der Gruppe C der Europa-Conference-League der erste Sieg eingefahren werden. Der wäre wichtig, da ja auch noch der große Favorit Villarreal wartet.

"Wir haben zum Start gepunktet und ein sehr gutes Spiel gemacht, aber leider nicht gewonnen. Deshalb sind wir jetzt gefordert, Punkte zu machen. Ich glaube aber, dass mit einem Punkt auch noch nichts verloren wäre, mit einem Punkt in Polen kann man nicht unzufrieden sein", sagt Austria-Trainer Manfred Schmid. Das auch, da der polnische Meister laut www.transfermarkt.at mit 34,50 Millionen Euro einen klar wertvolleren Kader besitzt als die Favoritner (19,03 Mio.).

Schmid: "Sie sind Favorit" 

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"Geld schießt doch Tore, wenn du einen Qualitätsstürmer holen kannst. Da sind wir natürlich im Hintertreffen, aber wir haben auch in der Liga nicht das höchste Budget. Das sagt aber noch lange nichts über eine Chance im Spiel aus", verlautet der 51-Jährige. Die Rollen sind allerdings verteilt. "Uns erwartet ein ganz starker Gegner. Sie sind natürlich Favorit, aber ich glaube schon, dass mit dem Selbstbewusstsein, wie wir im Moment auftreten was möglich ist", blickt Schmid optimistisch nach vorne.

Der Ex-ÖFB-Teamspieler nahm fünf Lech-Partien, darunter der starke Auftritt beim knappen 3:4 bei Villarreal, genau unter die Lupe, zudem holte er sich auch bei ehemaligen Weggefährten und Freunden Informationen über den Gegner. "Sie sind brutal zweikampfstark, sehr bissig und haben vorne drinnen mit Ishak einen Stürmer, der körperlich unglaublich präsent ist, mit links und rechts abschließt. Auch haben sie sehr viel Schnelligkeit über die Außen", analysiert der Wiener.

Doch auch Schwächen wurden beim Tabellenelften der Ekstraklasa ausgemacht. "Wenn man es schafft, die erste Pressinglinie zu überspielen oder ballsicher Fußball zu spielen, sie laufen lasst, dann bieten sie auch Räume an im Umschaltspiel. Das wollen wir natürlich nutzen", so Schmid. Lech-Coach John van den Brom sah eine ausgeglichene Ausgangslage. "Jedes Team in der Conference League kann uns schlagen, aber das gilt auch umgekehrt", meint der Niederländer. "Wir haben gegen Villarreal gut gespielt, jeder hat uns gratuliert. Aber wir haben verloren. Wenn wir in der Conference League etwas erreichen wollen, müssen wir morgen ein gutes Ergebnis holen", so Van den Brom. Er rätselte noch darüber, wie die Austria ins Spiel gehen werde.

Viele Ausfälle in Austria-Defensive

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Keine Rolle bei den Wienern kann Pechvogel Ziad El Sheiwi nach seinem neuerlichen Kreuzbandriss spielen. "Wir geben ihm persönliche Unterstützung wo es geht und wollen ihm mit einem positiven Ergebnis bei Lech Posen ein bisschen eine Freude bereiten", so Schmid. Ihm fehlt auch Johannes Handl. Sein Hämatom am Oberschenkel hat sich verhärtet. "Das passiert einmal in 1.000 Fällen, er wird länger ausfallen", befürchtet der Austria-Coach. Fraglich ist der Einsatz des am Knie angeschlagenen Innenverteidigers Galvao, bei dem man "kein Risiko" eingehen werde.

Rotation ist noch kein großes Thema, da bisher "keine Verschleißerscheinungen" bei seinen Kickern erkennbar seien. Am Sonntag geht es bereits in der Liga gegen Ried weiter. "Die Partie in Posen hat eine Riesen-Wertigkeit für uns, aber Ried wird mindestens genauso wichtig", betont Schmid.

Austria erwartet "Hexenkessel"

Das Abschlusstraining vor dem Posen-Spiel wurde am Mittwoch mit dem im Europacup-Herbst nicht einsatzberechtigten Neo-Offensivspieler Nikola Dovedan in Wien absolviert. Die Mannschaft machte trotzdem nach der Ankunft in Polen Bekanntschaft mit dem mehr als 40.000 Zuschauer fassenden Stadion. "Von der Planung war es besser hier zu trainieren. Trotzdem ist es wichtig, ins Stadion zu fahren, damit der Aha-Effekt am Spieltag wegfällt", erläuterte Schmid.

Am Donnerstag wird die Stimmung aber eine ganz andere sein, auch wenn die Arena nicht ausverkauft sein wird. "Uns erwartet ein Hexenkessel. Da brennt das halbe Stadion mit Bengalen, mit Fackeln, wenn da gute Stimmung ist. Das ist schon ein Riesenheimvorteil", weiß Schmid. Die Wiener traten bisher einmal bei Lech Posen an und zogen in der 1. UEFA-Cup-Runde 2008 mit 2:4 nach Verlängerung den Kürzeren, nachdem es zuvor einen 2:1-Heimsieg gegeben hatte. Sonst machte von ÖFB-Clubs nur Salzburg mit Posen Bekanntschaft und verlor dabei in der Europa League 2010 mit 0:2 (auswärts) und 0:1 (heim).

Quelle: Agenturen / mpa