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ÖSV bestätigt Abgang von Sportdirektor Giger

13. Apr. 2022 · Lesedauer 5 min

Der österreichische Skiverband (ÖSV) ist mit dem Abgang seines Sportdirektors konfrontiert. Der 59-jährige Salzburger Anton Giger legte laut einem Bericht der Online-Ausgabe der "Tiroler Tageszeitung" vom späten Mittwochabend in einer Sitzung mit der Verbandsführung seine Funktion zurück. Dies wurde am Donnerstag vom Verband offiziell bestätigt.

Die neue ÖSV-Päsidentin Roswitha Stadlober dankte Giger. Dieser habe sich "außerordentliche Verdienste" um den heimischen Skisport erworben, hieß es in der ÖSV-Mitteilung. Der Salzburger war 33 Jahre lang in diversen Funktionen im ÖSV tätig gewesen, in den vergangenen drei Jahren als Sport-Verantwortlicher für alle Sparten.

Giger erklärte gegenüber der APA - Austria Presse Agentur, er habe in der aktuellen Umbruchphase im ÖSV nachgedacht, wie er sich in den kommenden Jahren sehe. "Warum nicht eine berufliche Veränderung", habe er sich gefragt. Die Entscheidung zu treffen, sei ihm nicht leichtgefallen, aber sie sei richtig. Am Dienstag teilte er ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer seinen Rücktritt mit. Dieser sei nicht unmittelbar angenommen worden, man habe sich aber schließlich auf eine einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses mit Ende April geeinigt, sagte der 59-Jährige, der in elf Jahren als Herren-Rennsportleiter von 1999 bis 2010 zum erfolgreichsten ÖSV-Coach avancierte.

Über drei Jahrzehnte im ÖSV 

Begonnen hatte Giger nach dem Mathematik- und Sport-Studium als Konditionstrainer der Europacup-Abfahrer. "Ich habe damals meiner Frau gesagt, ich mache das zwei Jahre lang und dann etwas Gescheites", schilderte der Vater von zwei erwachsenen Kindern und Großvater der APA. Aus dem gedachten Kurzzeit-Job wurden mehr als drei Jahrzehnte im Skiverband. "33 Jahre lang seinen Traumjob machen zu dürfen, in einem professionellen Sport-Umfeld wie dem ÖSV: Wie viele Menschen haben in ihrem Berufsleben dieses Glück?", betonte Giger.

In Gigers Ära als Herren-Rennsportleiter eroberten ÖSV-Läufer sechs Olympiasiege und zwölf WM-Titel, es gelangen sechs Gesamtweltcupsiege und 26 Gesamtsiege in diversen Disziplinen. Über seine weiteren Pläne oder mögliche Tätigkeiten wollte sich Giger nicht konkret äußern. "Angebote hat man in der Sportwelt immer. Schauen wir, wo die Reise hingeht. Da will ich mich nicht einschränken oder festlegen", erklärte der Erfolgscoach.

Drei Spitzenpositionen frei

Vor Gigers Abgang hatte der ÖSV nach dem Olympiawinter bereits drei Spitzenpositionen im Alpinbereich neu besetzt bzw. besetzen müssen. Herbert Mandl wurde zum Alpinchef bestellt, wenig später verkündete Patrick Riml seinen Rücktritt als Leiter des Hochleistungssports Alpin. Zu neuen Rennsportleitern bei Männern und Frauen als Nachfolger von Andreas Puelacher und Christian Mitter rückten Marko Pfeifer und Thomas Trinker auf.

Die Nachfolge ist offen, der ÖSV will in Ruhe einen neuen Sportdirektor suchen. "Wir werden uns in Hinblick auf die kommenden Aufgaben, im Besonderen auch auf die Ski-WM 2025 in Saalbach, die notwendige Zeit nehmen, um eine gute Lösung zu finden", erklärte ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober. "Die Führungsstruktur ist jedenfalls so aufgesetzt, dass der Betrieb in der Übergangszeit reibungslos weiterläuft."

Giger kündigte an, er werde mit den Sportlichen Leitern eine gute Übergabe durchführen. Als Chef der 2010 neu geschaffenen Abteilung für Entwicklung, Forschung und Innovation, die er bis zuletzt leitete, hatte Giger viel bewegt und auch das Kompetenzzentrum auf den Weg gebracht.

Sentimentaler Giger

Der Rückzug vom ÖSV ist für ihn ein großer Einschnitt. "Natürlich ist man sentimental", gab Giger Einblick. "Das Schwierigste und Emotionalste sind immer Situationen, wenn sich Sportler oder Mitarbeiter verletzen. Aber die Zeit heilt Wunden, Gott sei Dank überwiegen die schönen Erlebnisse." Besonders hervorheben wollte er keinen der zahlreichen Erfolge unter seiner Führung. "Bei so vielen tollen Athleten und Mitarbeitern wäre es nicht fair, etwas hervorzuheben. Es war, ist und bleibt mir eine Ehre, dass ich mit ihnen arbeiten durfte." Auch künftig werde er sich über jeden Erfolg der Aktiven genauso mitfreuen wie in seinen 33 Jahren im ÖSV.

Stadlober dankt 

Die neue ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober dankte Giger. Dieser habe sich "außerordentliche Verdienste" um den heimischen Skisport erworben, hieß es in der ÖSV-Mitteilung. "Mit Toni Giger verlässt eine der erfolgreichsten Trainer- und Führungspersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte den Österreichischen Skiverband. Er hatte maßgeblichen Anteil an den herausragenden Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten, sowohl als Rennsportleiter, Leiter der Abteilung für Entwicklung, Forschung und Innovation wie auch als Sportdirektor", betonte Stadlober. Man verliere einen besonderen Kenner und Insider der Ski-Rennsport-Welt, könne anderseits aber weiterhin auf viele seiner Erkenntnisse und Innovationen zurückgreifen.

Patrick Ortlieb, der neue Finanzreferent im ÖSV, sprach von einem "besonderen Fußabdruck", den Giger mit seinem Team hinterlasse. "Es sind aber nicht nur die Siege, die seine Ära auszeichnen, sondern auch die zahlreichen Sportlergrößen - von Hermann Maier bis Marcel Hirscher - die es auch dank seiner Unterstützung an die absolute Weltspitze geschafft haben." Giger habe mit seiner Akribie und seinem Arbeitseinsatz perfekte Bedingungen für die Aktiven geschaffen und auch das System stets weiter optimiert.

Quelle: Agenturen / mpa