Österreichs Tischtennis-Verbandschef Gotschke tritt zurück
Gotschke, dessen Nachfolger noch nicht feststeht, erklärte danach im ORF-Interview: "Es muss ein Neuanfang gemacht werden, und aus meiner Sicht ist es besser, wenn eine neue Gruppe kommt." Salzburgs Landeschef Walter Windischbauer begrüßte die Entscheidung: "Dieser Schritt war überfällig, der Druck war zuletzt auch von allen Seiten enorm."
Dass Miller im Amt blieb, verwunderte Windischbauer. "Vielleicht hat das arbeitsrechtliche Gründe. Aber von sich aus wollte er nicht zurücktreten, obwohl er auch im Zentrum der Diskussion gestanden ist", sagte der Salzburger dem ORF. In dem Verein, den Miller führt, war jener Nachwuchstrainer angestellt, gegen den sich die Missbrauchsvorwürfe richten.
Gotschke veröffentlichte am Samstagnachmittag ein Abschiedsstatement, in dem er schrieb, "die im Raum stehenden Vorwürfe wiegen schwer und verlangen eine lückenlose Aufklärung und Aufarbeitung". Deshalb sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und ein Care & Compliance-Ausschuss gegründet worden. "Eine Maßnahme, die längst zu treffen gewesen wäre. Das unbedingte Bekenntnis zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ist alternativlos und hätte bereits in der Vergangenheit klarer und lauter ausfallen müssen. Hier nehme ich mich auch nicht aus der Verantwortung", schrieb Gotschke.
Gotschke beklagt "Intrigen und Machtspiele"
Außerdem berichtete der 62-Jährige, die vergangenen Wochen hätten "sehr tiefe Spuren hinterlassen. Ich hätte mir ein lösungsorientiertes, faires Verhalten erwartet, Intrigen und Machtspiele helfen da wenig weiter."
Der Wiener hatte den Tischtennisverband 2021 übernommen, davor wie danach gab es immer wieder interne Querelen. Er sei damals als "Brückenbauer" angetreten, so Gotschke. "Rückblickend muss ich mir eingestehen, dass bei einigen maßgeblichen Personen nie ein wirkliches Interesse für ein konstruktives Miteinander bestanden hat. Es waren in der Regel persönliche Befindlichkeiten und untergriffige, haltlose Attacken, die diesen Prozess von Beginn an gezielt gestört haben."
Aufgrund der mangelhaften Aufarbeitung der Missbrauchsvorfälle hatte das Sportministerium bereits vor knapp zwei Wochen die Förderungen an den ÖTTV gestoppt. Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt sagte in einer Aussendung des Ministeriums am Samstagvormittag zum bevorstehenden Gotschke-Abgang: "Am wichtigsten ist es, Spieler:innenschutz und Gewaltprävention im Tischtennis zu verbessern. Die dafür notwendigen Schritte müssen jetzt gesetzt werden. Dann kann - unabhängig von Einzelpersonen - auch der Förderstopp zurückgenommen werden. Im Allgemeinen zeigt sich, dass wir weitere Schritte im Bereich der Integrität im Sport setzen müssen, auch um die Vereine und Verbände bei der sorgfältigen Aufarbeitung von Vorwürfen zu unterstützen."
Zusammenfassung
- Wolfgang Gotschke ist am Samstag als Präsident des Österreichischen Tischtennis-Verbands zurückgetreten, nachdem zuletzt massive Kritik wegen des Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Nachwuchstrainer laut wurde.
- Neben Gotschke trat auch Bundesliga-Vorsitzender Günther Renner zurück, während Vizepräsident Conrad Miller trotz seiner Verwicklung im Zentrum der Diskussion im Amt bleibt.
- Das Sportministerium hat bereits vor knapp zwei Wochen die Förderungen an den ÖTTV gestoppt und fordert nun verstärkte Maßnahmen für Spieler:innenschutz und Gewaltprävention, bevor der Förderstopp aufgehoben wird.
