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Nadal nach Paris-Coup auf halbem Weg zum Kalender-Grand-Slam

06. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

14 Mal ein und dasselbe Tennis-Major zu gewinnen ist einzigartig und auch für Rafael Nadal keine Routine. Anders aber als mit seinem erneuten Paris-Triumph am Sonntag durch ein überzeugendes 6:36:3,6:0 gegen den Norweger Casper Ruud hat der 36-Jährige heuer erstmals in einem Jahr die beiden ersten Grand-Slam-Turniere des Jahres gewonnen. Damit sieht sich Nadal vor den Events in Wimbledon und New York einer der wenigen von ihm noch nicht erreichten Herausforderungen gegenüber.

"Ich hoffe, du kannst dich jetzt ein bisschen erholen, auf halbem Weg zum Kalender-Grand-Slam", twitterte Rod Laver in Richtung Nadal. Der 83-jährige Australier hatte es 1962 und 1969 geschafft, alle vier Grand-Slam-Turniere in einem Jahr zu gewinnen. Sonst war das 1938 dem US-Amerikaner Donald Budge gelungen. Im Vorjahr war Novak Djokovic nur einen Matchsieg von diesem Coup entfernt, doch der Russe Daniil Medwedew vereitelte das im Finale der US Open.

War während des Roland-Garros-Events und noch während des Endspiels in Frankreichs Hauptstadt spekuliert worden, dass Nadal ob seiner chronischen Schmerzen im deformierten Mittelfußknochen links (Müller-Weiss-Syndrom) nach verwertetem Matchball sein Karriereende bekanntgeben könnte, beeilte sich der 22-fache Major-Gewinner danach festzustellen, dass er in Wimbledon spielen will: "Ich werde dort sein, wenn mein Körper dafür bereit ist."

Wimbledon sei ein Turnier, dass er nicht verpassen wolle, erklärte der Rekord-Grand-Slam-Sieger bei den Männern. Da spielt es für ihn offenbar auch keine Rolle, dass beim London-Klassiker wegen des Teilnahme-Verbots für Aktive aus Russland und Weißrussland diesmal keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. Ein Major-Titel ist es allemal. Und genau diesen hat Nadal schon zweimal gewonnen, 2008 und 2010. Drei weitere Male war er unterlegener Finalist.

Dass er einen Grand-Slam-Titel schon mehr als ein Jahrzehnt nicht gewonnen hat, hält Nadal nicht davon ab, dort erneut zuzuschlagen. Bewiesen erst heuer bei den Australian Open, bei denen der Mallorquiner nicht erwartet nach 13 Jahren Pause seinen insgesamt zweiten Melbourne-Titel geholt hat. Nach der Australien-Premiere, 2009, kassierte Nadal im Achtelfinale gegen den Schweden Robin Söderling seine erste von bisher nur drei Niederlagen auf Paris-Sand.

Im Jahr seines zweiten Triumphs "down under" zog es Nadal diesmal aber auch an der Seine durch. Insgesamt knapp zwölf Stunden in den drei Matches davor auf dem Platz gestanden, trotzdem im Finale nur sechs Games abgegeben - das macht Nadal so schnell keiner nach. Es ist nach wie vor die wohl schwierigste Aufgabe im Tennis, auf dem Court Philippe Chartrier gegen Nadal zu gewinnen - ganz speziell in Endspielen, was 14 Siege in 14 Anläufen verdeutlichen.

Der 23-jährige Ruud hat es im ersten Duell mit dem Routinier versucht, ging aber ebenso als Verlierer vom Platz wie zuvor Roger Federer (4-mal), Djokovic (3), Dominic Thiem (2) sowie Mariano Puerta (ARG), Söderling (SWE), David Ferrer (ESP), Stan Wawrinka (SUI) und Stefanos Tsitsipas (GRE/je 1). Klarer als Ruud hat nur Federer 2008 verloren. Dabei wusste der Norsker das Rezept: "Wenn du gegen Rafa auf Sand zu defensiv bist, isst er dich bei lebendigem Leib."

Ob des Rasens von Wimbledon ist es dort natürlich eine ganz andere Geschichte. Gleich bleibt die Frage, ob Nadals Körper weiter mitspielt. "Ich kann meinem Doktor nicht genug danken", ließ er wissen. Vor jedem seiner Spiele ließ sich Nadal Spritzen gegen seine chronischen Beschwerden im Fuß verpassen. "Ich habe mit einem betäubten Fuß gespielt, die Nerven wurden blockiert." Zudem habe er während des Turniers entzündungshemmende Mittel genommen.

Dauerlösung soll das aber keine sein, auch keine Option für das Wimbledon-Turnier, das am 27. Juni beginnt. "Roland Garros ist Roland Garros. Jeder weiß, was mir dieses Turnier bedeutet", sagte Nadal. Von nun an müsse es aber eine andere Lösung für seine chronischen Fußbeschwerden geben. "Ich respektiere Wimbledon sehr, es ist immer ein wichtiges Ziel im Jahr. Aber nein, ich werde so etwas für Wimbledon nicht wieder machen." Dieses Fragezeichen steht also noch über Nadals Wimbledon-Antreten.

Er setzt freilich darauf, dass sein Arzt eine andere, dauerhafte Lösung findet. "Es ist offensichtlich, dass ich so nicht weitermachen kann und will." Wichtig werde sein, erneut die für die Schmerzen verantwortlichen beiden Nerven zu betäuben. "Das ist es, was wir versuchen, in der kommenden Woche dauerhaft hinzubekommen." Radiofrequenz-Injektionen sollen ihm dafür verpasst werden. Damit Nadal für den nächsten Durchmarsch bereit ist.

Quelle: Agenturen