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Kraft auf seiner Weltrekord-Schanze um WM-Medaille

09. März 2022 · Lesedauer 4 min

Als dritter Saison-Höhepunkt nach Vierschanzen-Tournee und Olympische Winterspiele geht es für die Skispringer am Donnerstag in die Skiflug-Weltmeisterschaften. In Vikersund wird auf dem Bakken geflogen, auf dem Stefan Kraft vor fast exakt fünf Jahren mit 253,5 m den noch aktuellen Weltrekord aufgestellt hat. Der Salzburger ist Teil des sechsköpfigen österreichischen Aufgebots, in zwei Trainingssprüngen wird am Donnerstag das Quartett für das Wochenende ermittelt.

Den einzigen Fixplatz in Norwegen in der ÖSV-Equipe hat Kraft, nicht nur aufgrund seines Weltrekord-Status. "Der Krafti ist schon in einer Position, in der wir nicht viel diskutieren müssen", bezog sich ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur auch auf die jüngsten Leistungen des 28-Jährigen, auf dessen Haube die Weltrekordmarke verewigt ist. "Er ist in letzter Zeit einfach extrem gut gesprungen, hat die Raw Air gewonnen."

Sonst wolle er sich aber erst vor Ort ein Bild machen, meinte Widhölzl. Skifliegen sei doch etwas Neues, zumindest in dieser Saison. "Es hat jeder seine Stärken in gewissen Bereichen." Skifliegen an sich ist sicher eine der Stärken von Michael Hayböck. Der in dieser Saison nach einer Bandscheibenoperation zurückgekommene Oberösterreicher ist Teil der rot-weiß-roten Mannschaft. Bei der vergangenen WM im Dezember 2020 in Planica war er aus der Corona-Quarantäne heraus Vierter geworden.

Für die die Saison abschließenden Skiflug-Bewerbe im Weltcup in Oberstdorf und Planica hat Hayböck seinen Fixplatz, da er diesen über den Continental-Cup erarbeitet hat. Zumindest mal in Vikersund dabei ist Ulrich Wohlgenannt. "Mit ihm habe ich einen 'Jolly Joker' hinten, der einfach super fliegen kann", erklärte Widhölzl. Sonst stellen sich noch Daniel Huber, Manuel Fettner und Jan Hörl um die drei weiteren WM-Plätze für die Einzel- (Freitag, Samstag) und Team-Konkurrenz (Sonntag, jeweils 16.30 Uhr, live ORF 1) an.

Einzig bei Hörl sei sich Widhölzl nicht ganz sicher, wie es fliegerisch klappen werde. "Sein Stil ist vielleicht ein bisschen mehr auf die kleineren Schanzen aufgebaut. Aber er kann auch gut fliegen." Grundsätzlich schwierig sei es jedenfalls für die beiden nach dem Donnerstag nicht zum Zug kommenden Aktiven. Widhölzl: "Wenn alles normal läuft, werden die dann (in Vikersund, Anm.) nicht mehr viel zum Fliegen kommen."

Es werde aber Rückschlüsse für die beiden Folge-Wochen geben, für die auch der dreifache Junioren-Weltmeister Daniel Tschofenig und Clemens Aigner Kandidaten seien und bestmöglich aufgestellt werden müsse. "Wir fighten noch um den Nationencup, für den jeder Punkt zählt. Da ist es eng beieinander", wusste der Chefcoach. Diese Woche gehe es aber klar um WM-Medaillen. "Dadurch, dass die Tournee als erstes Highlight für uns nicht so gut gelaufen ist, möchten wir da schon gut abschneiden."

Freilich werde es nicht einfach werden, weil viele Nationen gut fliegen. "Es wird sicher ein großer Fight werden um die Medaillen", sagte der 45-Jährige. Die Ausgangsposition für die Seinen sei jedenfalls besser als vor 15 Monaten in Planica. "Da sind wir gerade aus der Quarantäne rausgekommen und es sind viele Leute ausgefallen." Kraft war da wegen seiner damaligen Rückenschmerzen nicht dabei gewesen. "Da haben wir jetzt schon eine bessere Ausgangsposition."

Einen neuen Weltrekord hält Widhölzl durchaus für möglich: "Wir werden sicher weite Sprünge an die 250 m sehen, es ist alles möglich." Ob es über die Kraft-Marke gehen wird, hänge naturgemäß auch von den Verhältnissen ab. Normal gebe es vormittags und mittags mehr Aufwind als zur den Wettkampfzeiten am Nachmittag. "Man braucht unten einen guten Wind, damit man das steht. Du brauchst Athleten, die nicht so die extrem hohe Flugkurve haben, damit sie das auch stehen können."

Einzel-Titelverteidiger ist Karl Geiger, der Deutsche gewann die vergangene WM-Auflage vor dem Norweger Halvor Egner Granerud und seinem Landsmann Markus Eisenbichler. Der Team-Titel war an Norwegen gegangen, vor Deutschland und Polen. Für Österreichs ersatzgeschwächtes Team reicht es nur zu Rang sechs.

Quelle: Agenturen