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Berger über Aus für Red-Bull-Porsche: "Besser vor Hochzeit"

Dass es doch nicht zu einer Formel-1-Traumehe zwischen Red Bull und Porsche kommt, ist für Gerhard Berger nachvollziehbar. "Diese Entscheidung sollte man besser vor der Hochzeit treffen", sagte Österreichs bisher letzter Grand-Prix-Sieger in der Königsklasse.

Derzeit habe Red Bull das beste Paket, nächstes Jahr werde die Konkurrenz aber härter sein. Bei Ferrari müsse sich allerdings punkto Führung etwas ändern. Berger: "Binotto wird einen Schritt zurück machen müssen."

Dass für Max Verstappen der zweite WM-Titel in Folge vor dem Großen Preis von Singapur am Wochenende quasi abholbereit ist, kommt für Berger nicht unbedingt überraschend. "Red Bull hat ein hervorragendes Paket: Sie haben den schnellsten Fahrer, das beste technische Paket und sie sind es gewohnt, um Weltmeisterschaften zu kämpfen", erklärte er im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Zudem sei das Team auch hinsichtlich der Führungsstruktur am besten aufgestellt, um in der heutigen Formel 1 alle Herausforderungen angehen zu können.

"Man braucht mehrere Schultern, auf denen die Themen verteilt sind - so wie Red Bull Helmut Marko, Christian Horner, Adrian Newey. Bei Mercedes ist das genauso", sagte Berger. Bei Ferrari sei die Last der Verantwortung in der erfolgreichsten Ära ab Anfang der 2000er-Jahre auf Jean Todt, Rory Byrne, Ross Brawn und Michael Schumacher aufgeteilt gewesen. Das Modell, das die Italiener im Moment leben, halte er aber "für nicht so glücklich" - denn alle Fäden liefen bei Teamchef Mattia Binotto zusammen.

Ferrari "steht sich selbst im Weg"

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"Sie stehen sich selbst im Weg", urteilte Berger über die Scuderia. Wobei er der Diagnose, dass Binotto gehen sollte, nicht zustimmen würde. "Binotto hat einen hervorragenden Job gemacht. Er hat das Auto, das eigentlich nicht konkurrenzfähig war und das Team zu einem superschnellen, konkurrenzfähigen Team gemacht", meinte der Tiroler. "Er ist ein guter Leader, aber er wird ein paar Themen abgeben müssen an gute Leute." Bei Mercedes ist laut Berger "ein hervorragendes Team" am Werk. Er gehe davon aus, dass die Mannschaft von Toto Wolff "nächstes Jahr wieder voll dabei ist im Kampf um die Meisterschaft".

Das Aus der Gespräche zwischen Red Bull und Hersteller Porsche wegen einer Zusammenarbeit ab der Saison 2026 kann Berger verstehen. "Es ist immer besser, bevor man heiratet, einen Schritt zurück zu machen, weil es nachher in der Regel viel komplizierter ist", sagte der DTM-Boss, der einen guten Kontakt zu Red Bull pflegt. "Es ist wie im Leben: Man lernt eine Freundin kennen, geht ein paar Mal mit ihr aus. Dass es danach nichts fürs Leben ist, kann schon vorkommen."

"Formel 1 ist kurzlebig"

Berger zufolge hat Red Bull wohl erkannt, dass die Konkurrenzfähigkeit mit einem Partner wie Porsche leiden würde. "Ich glaube, dass Red Bull schon gesehen hat, dass es aufgrund ihrer kurzen Entscheidungswege, ihrer direkten Zugänge zu den Themen ungleich komplexer werden würde, wenn der Tisch, an dem die Entscheidungen getroffen werden, viel größer wird und noch eine Partei dabei ist", betonte er.

Zehn Jahre in dem Geschäft vorauszudenken - etwa für die Zeit nach Dietrich Mateschitz - bringe auch nichts. "Die Formel 1 ist kurzlebig. Man muss kurze Wege haben, schnell reagieren können und die besten Leute haben - und das hat Red Bull", sagte Berger, der auch zuversichtlich ist, dass ein eigener Motor von Red Bull Powertrains Erfolg bringen könnte. "Sie haben immer noch bewiesen: Das, was sie angehen, können sie und machen sie gescheit."

ribbon Zusammenfassung
  • Dass es doch nicht zu einer Formel-1-Traumehe zwischen Red Bull und Porsche kommt, ist für Gerhard Berger nachvollziehbar.
  • "Diese Entscheidung sollte man besser vor der Hochzeit treffen", sagte Österreichs bisher letzter Grand-Prix-Sieger in der Königsklasse.
  • Derzeit habe Red Bull das beste Paket, nächstes Jahr werde die Konkurrenz aber härter sein. Bei Ferrari müsse sich allerdings punkto Führung etwas ändern. Berger: "Binotto wird einen Schritt zurück machen müssen."