APA - Austria Presse Agentur

EURO 2020: UEFA lehnt Verlegung von Spielen aus Großbritannien ab

22. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Der europäische Fußball-Verband sieht keine Veranlassung, Großbritannien wegen der raschen Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Mutante als Austragungsort der Europameisterschaft zu streichen. Es gebe keine Pläne, die beiden Halbfinalspiele und das Finale vom Londoner Wembley-Stadion zu verlegen.

Im Vorfeld der K.O.-Runden-Spiele der Fußball-EM wurden Bedenken gegen Großbritannien als Veranstaltungsort laut. Zu groß sei die Gefahr durch die gerade in Großbritannien auf dem Vormarsch befindliche Delta-Variante. Die UEFA gab nun aber bekannt, dass es keine Pläne gebe, den Veranstaltungsort für die Halbfinal-Spiele sowie das EM-Finale zu ändern. Alle sollen wie geplant im Londoner Wembley-Stadion stattfinden.

Wegen der zuerst in Indien festgestellten Delta-Mutante des Coronavirus steigt die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien trotz einer relativ hohen Impfquote derzeit wieder deutlich an. Nach dem Heimspiel der Engländer am (heutigen) Dienstagabend gegen Tschechien ist das nächste Spiel im Wembley-Stadion das Achtelfinale zwischen Österreich und Italien am Samstagabend. Wegen der Ein- und Ausreisebestimmungen in Großbritannien können Fans aus Österreich wie auch Italien für einen Stadionbesuch nicht anreisen.

Zuletzt hatte auch der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery sich gegen eine Reise der von Fußball-Fans nach Großbritannien ausgesprochen. "Wer nach Großbritannien fährt, läuft Gefahr, sich mit der Delta-Variante zu infizieren. Wir können davon ausgehen, dass 95 Prozent aller Covid-Erkrankungen in Großbritannien auf die Delta-Variante zurückgehen", sagte Montgomery und meinte: "Ich halte es sogar für Geimpfte für verantwortungslos, in dieser Lage nach London zu reisen."

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Auch Draghi gegen Finale in London

Auch Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hatte bereits am Montagabend bei einem Besuch in Berlin gesagt: "Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Endspiel nicht in einem Land stattfindet, in dem die Ansteckungsgefahr sehr groß ist." In Großbritannien wurden am Montag über 10.000 neue Infektionsfälle mit dem Coronavirus vermeldet.

Draghi brachte Rom ins Spiel. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat bereits angeboten, das Spiel von London nach München zu verlegen. Auch Ungarn macht sich mit Budapest Hoffnungen auf das Finale. Die UEFA soll laut englischen Medienberichten die Puskas-Arena als Notfallplan in Betracht ziehen.

Auch der Gesundheitsexperte im Europäischen Parlament, Peter Liese, stellt die Austragung des Finales im Wembley infrage. "Die Ausbreitung der Delta-Variante macht es unmöglich, dass in London 40.000 Zuschauer beim Endspiel ins Stadion kommen", schrieb der gesundheitspolitische Sprecher der konservativen EVP-Fraktion in einem offenen Brief an die UEFA. "Vielleicht ist eine Verlegung sogar unausweichlich." Die Alternativspielorte sollten danach ausgewählt werden, welches Stadion oder welche Stadt das beste Hygienekonzept habe und der Gesundheitsschutz am besten gewährleistet sei.

Kanzler Kurz beruhigt

Bei seiner Deutschland-Reise wird Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auch den deutschen Virologen Christian Drosten treffen. Im Vorfeld des Treffens meinte er: "Die Delta Variante müssen wir nun ernstnehmen und genau beobachten, aber es besteht kein Grund zur Panik." Die Zahlen aus Großbritannien würden zeigen, dass die Impfung gut gegen die Mutante helfe.

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Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos/APA