Ein moderner Torhüter-Riese: Wiegeles Chance im ÖFB-Team
Im Flankenspiel und bei Standards ist die Größe ein erheblicher Vorteil. Wiegele machte im Teamcamp in Marbella aber auch mit dem Fuß einen sicheren Eindruck. "Schwächen kann man überall finden, deshalb trainiert man ja", sagte der Grazer. "Mit dem Fuß hoffe ich aber, dass ich jetzt nicht so verkehrt bin." Einziger Nachteil von groß gewachsenen Goalies sei, dass sie bei flachen Bällen länger brauchen, um unten zu sein. "Aber man tut alles, um explosivkräftig zu sein."
Wiegele ist Torhüter, seit er sechs Jahre alt ist. Der große Wachstumsschub setzte aber erst mit 16 bis 18 ein, als er in der Jugend bei Sturm Graz aktiv war. "In der Zeit war ich viel verletzt, habe drei Haarrisse im Knöchel gehabt, mit denen ich dann insgesamt zwei Jahre quasi nicht spielfähig war", erzählte der Hüne. "Ich habe mir mit der Zeit erst die ganzen Bewegungsabläufe wieder neu erarbeiten müssen."
In der Landesliga bei Lebring und in der Regionalliga bei Gleisdorf tastete sich Wiegele an den Profifußball heran, in den er es 2023 mit 22 Jahren beim DSV Leoben schaffte. Von dort ging es im Sommer 2024 nach Pilsen. Sein Vertrag beim tschechischen Vizemeister, der ihn im Frühjahr 2025 an den GAK verliehen hatte und im November zum Stammtorhüter gemacht hat, läuft bis 2027. In der Europa League war für Pilsen zuletzt erst in der Zwischenrunde gegen Panathinaikos Athen Endstation.
Die tschechische Liga stellt Wiegele aktuell über die österreichische. "Da ist einfach mehr Tempo drin, es sind mehr Zweikämpfe, es ist einfach härter." Es sei zwar kein Riesenunterschied. "Wenn man schaut, wie die Teams international abschneiden, finde ich aber schon, dass die tschechische jetzt vorne ist." Meister Slavia Prag spielte in der Champions League, Sparta Prag schaffte es in der Conference League bis ins Achtelfinale.
Mit Rugbyschuhen zur WM?
Wiegeles Leistungen sind dem ÖFB nicht verborgen geblieben. Tormanntrainer Michael Gspurning hätte sich im Vorjahr erstmals bei ihm gemeldet. Der Ex-Goalie unterrichtete ihn vor eineinhalb Wochen auch von seiner erstmaligen Einberufung. Nun will Wiegele, der als sein Vorbild den deutschen Ex-Weltmeister Manuel Neuer nennt, um seine WM-Chance kämpfen. "Generell im Nationalteam zu sein, ist schon einmal ein Riesending, aber bei einer WM dabei zu sein noch einmal mehr." Als Österreicher habe man diese Gelegenheit nicht so oft. "Wir sind nicht alle vier Jahre dabei. Vielleicht ist es eine einmalige Chance."
Das ÖFB-Team sei ein "extrem eingeschworener Haufen", das habe er in Marbella bereits gemerkt. "Aber mit neuen Spielern sind sie sehr offen." Mit Romano Schmid hatte Wiegele in der Sturm-Jugend zusammengespielt. Der Werder-Bremen-Spielmacher ist als derzeit kleinster Kicker im ÖFB-Kader mit 1,68 m ganze 37 Zentimeter kleiner als der Goalie mit Schuhgröße 51. Wiegele spielt laut eigenen Angaben mit Rugbyschuhen, weil es Fußballschuhe in dieser Größe nicht gibt.
Mit einem Einsatz in den WM-Tests in Wien am Freitag (18.00 Uhr) gegen Ghana oder am Dienstag (20.45 Uhr) gegen Südkorea würde er zum am größten gewachsenen österreichischen Fußball-Nationalspieler der Geschichte avancieren. Bisher hat diesen Status Ex-Stürmer Stefan Maierhofer mit 2,02 m inne. Es scheint vorstellbar, dass Rangnick den vier einberufenen Goalies - neben Wiegele auch Stammtorhüter Alexander Schlager, Patrick Pentz und Tobias Lawal - je eine Hälfte Spielzeit gibt.
Zusammenfassung
- Florian Wiegele, 2,05 Meter groß und 25 Jahre alt, ist der neue Torhüter-Kandidat im ÖFB-Nationalteam und könnte mit einem Einsatz in den WM-Tests zum größten Nationalspieler der österreichischen Geschichte werden.
- Nach seiner Entwicklung über die Landes- und Regionalliga spielt Wiegele seit Sommer 2024 bei Viktoria Pilsen, sein Vertrag dort läuft bis 2027 und aktuell ist er an den GAK verliehen.
- Seine Leistungen und sein "spannendes Profil" überzeugten das ÖFB-Team, das ihn nun als einen von vier Goalies für die WM-Tests gegen Ghana und Südkorea nominiert hat.
