Bergretter: "Wir wurden vor unvollendete Tatsachen gestellt"

08. Juni 2022 · Lesedauer 2 min

99 Schülerinnen und Schüler sowie acht Lehrer aus Deutschland sind am späten Dienstagnachmittag in der Vorarlberger Region Kleinwalsertal mit Hubschraubern aus Bergnot gerettet worden. Klaus Drexel von der Bergrettung Vorarlberg spricht von einem ungewöhnlichen Fall.

Die Lehrerschaft hatte aus dem Internet eine Wanderroute ausgewählt, die weder der Bekleidung und dem Schuhwerk der Jugendgruppe, noch ihrer Bergerfahrung entsprach.

Dunkelheit und Wetter erschwerten Einsatz

Die Bergrettung Kleinwalsertal habe um 18:11 Uhr die Alarmierung erhalten, dass zwei Personen abgerutscht seien. Es habe sich dann herausgestellt, dass sehr viele Menschen in Bergnot geraten waren. "Wir wurden vor unvollendete Tatsachen gestellt",  so Drexler. So große Einsätze kenne er nur aus Evakuierungen von lawinengefährdeten Gebieten, wo großflächig evakuiert werden muss. "An so einen Einsatz kann ich mich in der Geschichte der letzten Jahre nicht erinnern. Da waren alle gefordert“, so der Vorarlberger Bergretter. Die einsetzende Dunkelheit und das regnerische Wetter hätten zudem den Einsatz zusätzlich erschwert.

Vorarlberg: 99 Kinder aus Bergnot gerettet

Evakuierung mittels Hubschrauber

"Aufgrund der Größe der Menschenmenge und des Geländes wurde dann entschieden, die Evakuierung mittels Hubschrauber durchzuführen. Ein Hubschrauber allein hätte das nicht bewältigen können. Gott sei Dank standen beide Maschinen zur Verfügung", erklärt Drexel.

Von Internet-Beschreibungen ist abzuraten

Drexel riet dringend davon ab - so wie es die Lehrpersonen im Kleinwalsertal getan hatten -, Routen aufgrund von Beschreibungen im Internet zu planen. "Das ist sehr, sehr kritisch zu sehen. Dort werden auch alte, ungewartete Wege beschrieben, die mittlerweile zugewachsen sind", stellte Drexel fest. So könne man leicht in eine "ungute Situation" geraten.

Um Bergtouren seriös zu planen, verwies der Bergretter auf den "PEAK Bergcheck" - P für Planung, E für Einschätzung, A für Ausrüstung und K für Kontrolle. Dabei geht es um die Klärung von Fragen wie "Was habe ich vor?", "Ist diese Wanderung für mich geeignet?", aber auch um Ausrüstungsfragen und darum, wie man sich während der Wanderung fühlt. Wenn man sich bezüglich einer Tour unsicher sei, könne man sich jederzeit beim Tourismus- oder Alpenverein oder der Bergrettung erkundigen. Das schaffe Sicherheit, empfahl Drexel diese Vorgangsweise.

 

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj