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Bekommt Kapfenberg ein Pelé-Stadion?

04. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Kapfenbergs Stadion ist nach Franz Fekete, einem Mann mit SS-Vergangenheit, benannt. Die FIFA sucht Verbände, die Sportstätten nach der kürzlich verstorbenen Fußball-Legende Pelé taufen. Nutzt Kapfenberg die Möglichkeit?

Seit 2001 ist das Kapfenberger Fußball-Stadion nach dem ehemaligen SPÖ-Bürgermeister Franz Fekete benannt, der in der steirischen Industriestadt von 1963 bis 1987 den Ton angab. Fekete starb vor 13 Jahren - doch noch zu Lebzeiten wurde das ehemalige Alpen-Stadion nach dem beliebten Bürgermeister benannt. Das Stadion ist Heimstätte des Kapfenberger SV, der in der zweiten Liga spielt. 

Es bietet sich eine Möglichkeit

Wie unter anderem der "Standard" thematisierte, war Fekete aber nicht nur der einst so beliebte Bürgermeister. Er war Mitglied in der SS gewesen, also jener Organisation, die untrennbar mit der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden verbunden ist. Fekete war in einer Einheit, die Konzentrationslager bewachte und an Kriegsverbrechen beteiligt war. Die Bundesliga verwendet den Namen Fekete daher seit November nicht mehr - man nennt die Sportstätte nur noch "Stadion Kapfenberg".

Nun sucht die FIFA nach Stadien, die nach der brasilianischen Fußball-Legende Pelé benannt werden - es bietet sich eine Möglichkeit. Pelé ist am 29. Dezember nach langer Krankheit verstorben.

Hochdekorierter SS-Mann

Fekete war zunächst im KZ Buchenwald bei der SS-Wache. Zahlreiche Menschen - auch aus Österreich - wurden dort gefangen gehalten und brutal ermordet. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen und dem damit verbundenen Ausbruch des Zweiten Weltkriegs änderten sich die Aufgaben seiner SS-Einheit. Fekete wurde in die SS-Division "Totenkopf" verlegt, die ab Mai 1940 an der Besetzung Frankreichs beteiligt und für viele Kriegsverbrechen verantwortlich war. In den letzten zwei Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde die Einheit unter anderem für Niederschlagung des Warschauer Aufstands 1944 eingesetzt.

Anhaltspunkte oder Beweise für Gräueltaten, in die Fekete direkt involviert war, liegen zwar nicht vor. Aus den Unterlagen des Berliner Bundesarchivs geht aber hervor, dass Fekete mehrmals verwundet und mit Orden überhäuft wurde, wie der "Standard" berichtete. 

Historikerkommission prüft

Der Stadt Kapfenberg war die Vergangenheit ihres ehemaligen Bürgermeisters bekannt, als sie das Stadion nach ihm benannte. Der Gemeinderat habe das aber "ausschließlich anhand seiner Verdienste als Bürgermeister der Stadt Kapfenberg sowie anhand seiner Leistung als Verfechter des europäischen Gedankens und seines Einsatzes für Frieden und Menschenwürde" getan. Bis September soll nun eine Historikerkommission überprüfen, "ob man Fekete etwas nachsagen kann, ihn mit Verbrechen in Verbindung bringen kann", sagte der nunmehrige Bürgermeister Fritz Kratzer (SPÖ) zum "Kurier". 

Er sei offen dafür, das Stadion wieder Alpenstadion zu nennen, er habe aber auch nichts gegen eine Neubenennung. Es solle nur "keine Schnellschüsse" geben.

Am Rande der Trauerfeierlichkeiten für den kürzlich verstorbenen Pelé, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino, dass er sich wünsche, dass alle 211 nationalen Fußballverbände der Welt zumindest ein Stadion nach Pelé benennen. Er werde alle Verbände kontaktieren.

Es wäre eine nicht ganz unrealistische Möglichkeit für die steirische Stadt, auch wenn Pelé wohl keinerlei Verbindung zur Obersteiermark gehabt haben dürfte. 

Quelle: Redaktion / koa