Spionage-Skandale: Zufälle gibt es "sehr selten"

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Innerhalb weniger Wochen erschütterten zwei mutmaßliche Spionage-Skandale den deutschsprachigen Raum. Zeithistoriker Dieter Bacher erklärt im PULS 24 Interview den zeitlichen Zusammenhang.

In Bayern sollen zwei mutmaßliche Spione im Auftrag Russlands US-Stützpunkte ausspioniert und Anschläge auf militärische Transportwege geplant haben. Ziel sei unter anderem gewesen, die deutsche Unterstützung für die Ukraine zu behindern.

In Österreich macht seit Ende März die mutmaßliche Spionage-Causa rund um Egisto Ott Schlagzeilen. Der Ex-BVT-Mitarbeiter und sein Vorgesetzter, der ehemalige BVT-Abteilungsleiter Martin Weiss, sollen den russischen Geheimdienst mit streng vertraulichen Erkenntnissen aus dem Verfassungsschutz und personenbezogenen Daten aus Polizeidatenbanken versorgt haben.

Zufälle "sehr selten"

Dieter Bacher, Zeithistoriker am Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung, erklärt im Interview mit PULS 24 Anchor Daniel Retschitzegger den zeitlichen Zusammenhang der Fälle.

"Als Zeithistoriker muss ich dazu sagen: Zufälle gibt es eigentlich sehr selten", so Bacher. Seit Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine hätten Nachrichtendienste im Westen beziehungsweise in Zentraleuropa ihre Sicherheitsmaßnahmen weiter verstärkt.

Die Bedrohungslage sei gestiegen, die Spionageabwehr und Verteidigungsmaßnahmen dementsprechend ebenso.

Video: Thomas Mohr erklärt den Spionage-Skandal

Wohl "sehr konkrete Verdachtsmomente"

Aktuell wisse man noch relativ wenig über die beiden Männer, die in Bayern als Spione für Russland aktiv gewesen sein sollen.

Laut Einschätzung von Bacher müsse es jedenfalls "sehr konkrete Verdachtsmomente gegeben" haben, wenn sich die deutschen Behörden entschließen, den Fall in dieser Form publik zu machen.

Es gäbe verschiedene Möglichkeiten, wie man auf die Männer aufmerksam geworden ist. Zum einen durch die Kommunikation, die Spionageabwehr und Sicherheitsdienste bei den Militärstützpunkten selbst, zum anderen durch Informationen von anderen Geheimdiensten.

In Österreich war es zuletzt der britischer Geheimdienst, der die entscheidenden Informationen für eine Festnahme von Egisto Ott lieferte.

ribbon Zusammenfassung
  • Innerhalb weniger Wochen erschütterten zwei mutmaßliche Spionage-Skandale den deutschsprachigen Raum.
  • In Bayern sollen zwei mutmaßliche Spione im Auftrag Russlands US-Stützpunkte ausspioniert und Anschläge auf militärische Transportwege geplant haben.
  • In Österreich steht Ex-BVT-Mitarbeiter Egisto Ott im Zentrum von Ermittlungen zu mutmaßlicher Spionage.
  • Zeithistoriker Dieter Bacher erklärt im PULS 24 Interview den zeitlichen Zusammenhang.

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