WU-Professor Kummer: Chance, dass Lobautunnel doch kommt "ist sehr hoch"

01. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

WU-Professor Sebastian Kummer glaubt, dass das Aus für den Lobautunnel die falsche Entscheidung ist und er noch kommen könnte. Gewessler vergesse, dass schon jetzt Engpässe beim Bahnverkehr bestehen und ihre Alternativvorschläge für große Umwege beim Personenverkehr sorgen. Wechselt der Minister, wird das Projekt wahrscheinlich wieder genehmigt.

Am Mittwoch verkündete Umweltministerin Leonore Gewessler das Aus für den Bau des Lobautunnels in Wien. "Wir brauchen eine sechste (Donau-)Querung" unter anderem, um die Gebiete nördlich der Donau besser zu erschließen, aber auch für den Güterverkehr, widerspricht Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der WU Wien. "Ich glaube es gibt viele Gründe, warum man heute den Tunnel mehr braucht als vor zehn Jahren", verteidigt Kummer das Bauprojekt. Er glaubt, dass Umweltministerin Gewessler und ihre Berater sich zu stark auf den Personenverkehr fokussieren, obwohl selbst der stark boome, und auf den Güterverkehr vergessen.

Wenn Minister wechselt, wird Projekt genehmigt

SPÖ, FPÖ und ÖVP seien sich weitgehend einig beim Lobautunnel gewesen. Komme in zwei Jahren ein Minister mit anderer Parteizugehörigkeit, würde das Projekt wahrscheinlich wieder genehmigt werden. "Die Chance, dass das Projekt nicht begraben ist, ist sehr hoch", dadurch verliere man aber Zeit. Die Grünen hätten eine Idee von reduzierter Mobilität, die der WU-Professor schlecht findet. Stattdessen bauche das Land und die Stadt Wien Prosperität.

"Am aller absurdesten", sei laut dem Experten, dass die Ministerin eine Alternative für den Nordabschnitt der S1 ankündigte. Denn dann "würden die Anwohner erst Richtung Osten fahren, dann Richtung Norden und dann Richtung Süden in die Stadt hinein". Man unterschätze da die "Umwegverkehre". Es habe einen Grund, warum man eine Querung brauche. "Es geht darum, einen Ring um Wien zu machen und das letzte Stück, das fehlt, baut man nicht." Das sei aus ökonomischer Sicht schlecht, Engpässe würden nicht beseitigt.

"LKWs fahren ja nicht, weil sie gerne fahren"

Dass Staus durch den Lobautunnel nicht weniger, sondern mehr werden, sieht Kummer nicht so. "Das gleiche Argument hat man auch bei der S1 gebracht", aber stattdessen habe der Straßenabschnitt im Süden eine Entlastung gebracht und der Stau sei verschwunden. "Der Verkehr wird nicht geringer werden, die LKWs fahren ja nicht, weil sie gerne fahren oder weil da eine Straße ist", sondern weil die Menschen im Norden, die immer mehr werden, versorgt werden müssten.

Schon jetzt Engpässe beim Bahnverkehr

Es sei nicht abzustreiten, dass die neue Straße LKW-Verkehr attraktiver machen würde als Bahnverkehr und auch mehr Verkehr generiere, aber im Vergleich zur Gesamtwirkung sei das ein kleiner Nachteil. Man dürfe, so Kummer, auch nicht vergessen, dass es schon jetzt Engpässe beim Bahnverkehr gebe. Beide Bahn-Knotenpunkte, der Alberner Hafen und der Inzersdorfer Terminal lägen im Süden Wiens.

Milliardenprojekt Lobautunnel kommt nicht

Bis Tunnel eröffnet wird, keine Diesel-LKWs mehr

Stattdessen müsse man dafür sorgen, dass LKWs dekarbonisiert werden. Bis der Tunnel eröffnet werde, werde man wahrscheinlich gar nicht mehr mit Dieselfahrzeugen durchfahren.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam