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"Fakten sind das andere": Aufregung um Karner-Aussage

26. Aug. 2022 · Lesedauer 2 min

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) verteidigt im Interview mit dem "Standard" die Kampagne, die Flüchtlinge davon abhalten soll, nach Europa zu kommen. Er stellt dabei Wissenschaft und Fakten gegenüber.

"Drastische Sujets" sollen im Rahmen einer neuen Kampagne des österreichischen Innenministeriums in den Herkunftsländern potenzieller Asylwerber, Menschen davon abhalten, auszuwandern. Man wolle damit "eine Gegenerzählung zu den Erzählungen der Schlepperbanden" liefern, erklärt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) im "Standard". Die Sujets sollen in Ländern wie Indien, Marokko, Tunesien oder Pakistan geschalten werden. 

In Ländern, aus denen eine hohe Chance auf Asyl oder subsidiären Schutz besteht - wie Syrien oder Afghanistan, sollen die Sujets nicht geschalten werden. In Afghanistan hat es aber 2016 schon eine ähnliche Kampagne gegeben. Die Journalisten des "Standard" konfrontieren den Innenminister damit, dass danach nicht weniger Menschen aus Afghanistan gekommen seien. 

"Die Fakten sind das andere"

"Die Empirie, die Wissenschaft ist das eine, die Fakten sind das andere", antwortet Gerhard Karner darauf. "Faktum ist, aus welchen Gründen auch immer, dass nach 2016 die Zahl der Asylwerber deutlich zurückgegangen ist", so Karner. Bei Afghanistan war das aber eben nicht der Fall, wie der "Standard" berichtet. Deswegen habe man die Kampagne nun "adaptiert" und schalte in Afghanistan keine Sujets, erklärt Karner daraufhin. 

Für seine Aussage, in der er Wissenschaft und Fakten gegenüberstellt, erntet Karner nun heftige Kritik: "In der Wissenschaft beweist man mit Fakten, das Annahmen stimmen", erklärt ein User dem Minister. "Offensichtlich hat Herr Karner noch immer nicht mitbekommen, dass Wissenschaft auf Fakten basiert", kritisiert eine andere Userin.

"Das ganze Interview ist eine einzige Niederlage", kommentiert Flüchtlingsbetreuerin Jutta Lang. 

"Wir haben eine BReg, die einerseits erstaunt darüber ist, dass 'Wissenschaftsfeindlichkeit & massive Ablehnung von Fakten jetzt generell so ausbrechen' & andererseits Sätze raushaut wie 'Wissenschaft ist das eine, Fakten das andere', um menschenfeindliche Politik zu rechtfertigen", merkt der Kommunikationswissenschaftler Jakob-Moritz Eberl an.

Quelle: Redaktion / koa