APA/APA/AFP/ATTA KENARE

Wiener Moschee soll Tod für Religion predigen - Ermittlungen laufen

08. Dez. 2022 · Lesedauer 3 min

Laut einer Studie der Dokumentationsstelle politischer Islam sollen in einer Wiener Moschee im zweiten Bezirk die Hamas und Muslimbrüder befürwortet werden, Antisemitismus auf der Tagesordnung stehen und das Martyrium verherrlicht werden. Kultusministerin Raab hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und kündigt ein Ermittlungsverfahren an.

Die Dokumentationsstelle politischer Islam nahm Inhalte von Predigten, Social Media Posts und Büchern der Bibliothek einer Moschee des Vereins "Islamische Vereinigung in Österreich" (IVÖ) unter die Lupe (hier finden Sie die Studie). Die Meinungsäußerungen von IVÖ-Funktionären seien von antisemitischen Stereotypen durchsetzt und der Imam einer vom IVÖ betriebenen Moschee im 2. Wiener Gemeindebezirk nenne in Predigen die Terrororganisation Hamas als vorbildhaft, heißt es in dem Bericht. 

Kultusministerin Susanne Raab (ÖVP) kündigte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens an und nahm auch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) in die Pflicht.

Imam gleichzeitig IVÖ-Präsident? 

Die Islamische Vereinigung in Österreich (IVÖ) betreibt als Verein eine der größten Moscheen des Landes. Diese ist Teil einer Kultusgemeinde innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Die Dokumentationsstelle politischer Islam vermutet, dass es sich bei dem amtierenden Präsidenten der IVÖ auch um den Imam besagter Moschee handelt. Bereits dessen Vorgänger in der IVÖ sei bekennender Anhänger der Muslimbrüder gewesen.

Tod für die Religion verherrlicht

In einer Studie analysierte die Dokumentationsstelle politischer Islam sowohl Predigten und Social Media Postings als auch Inhalte der Moscheebibliothek, und kommt zu dem Schluss: "Alle drei Bereiche lassen eine Befürwortung der Ideologie der Muslimbruderschaft und der palästinensischen Terrororganisation Hamas erkennen". So werde etwa das Martyrium und der Tod im Einsatz für die Religion verherrlicht.

Junge Männer als Zielgruppe

Eine wichtige Zielgruppe seien insbesondere Jugendliche. In Zusammenhang mit diesem Ideal werde auch die (gewaltbereite) Verteidigung islamischer Länder genannt. Immer wieder sei in Predigten von der Tugend der "Mannhaftigkeit" die Rede. Erhebungen der Dokustelle zufolge setze sich die Zuhörerschaft des Imams vorrangig aus jungen Männern zusammen. "Die Vermittlung eines solchen Weltbildes an eine überwiegend junge männliche Zuhörerschaft in der Moscheegemeinde ist bedenklich und kann dazu beitragen, dass radikales Gedankengut leichter verbreitet werden kann", so Lisa Fellhofer, Direktorin der Dokumentationsstelle Politischer Islam.

Vernichtung Israels

In den Büchern der moscheeeigenen Bibliothek sowie in Meinungsäußerungen von IVÖ-Funktionären werde zudem offen zur Vernichtung Israels aufgerufen und antisemitische Stereotype geteilt. Der zuständige Imam verfolge nach eigenen Aussagen das Ziel, eine neue Generation zu prägen, die zu einer treibenden Kraft eines im Sinne der Ideologie der Muslimbruderschaft angestrebten Wandels werden soll, so die Dokustelle.

Die Botschaften und Inhalte seien seit vielen Jahren unverändert und würden sich insbesondere an die Gemeinde der zur IVÖ gehörenden Wiener Moschee richten, über Online-Medien jedoch auch auf eine breitere Öffentlichkeit abzielen, wobei eine Diskrepanz zwischen einer moderaten Rhetorik nach außen und einer radikalen nach innen bestehe.

Kultusministerin Raab erklärte dazu schriftlich gegenüber der APA: "Das Kultusamt wurde am Montag über diese neuen Erkenntnisse der Dokumentationsstelle informiert. Ich habe das Kultusamt deshalb umgehend beauftragt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Vor allem muss aber auch die IGGÖ ihrer Verantwortung nachkommen."

Quelle: Agenturen