Wiener Maßnahmen ab 1.10.: FFP2-Maskenpflicht für alle, 2-G für Events

20. Sept 2021 · Lesedauer 5 min

In Wien treten mit 1. Oktober neue Maßnahmen in Kraft. Im Handel herrscht FFP2-Maskenpflicht, Antigentests werden in der Gastro durch PCR-Tests ersetzt, für Nachtgastro und Events gilt die 2-G-Regel.

Mit Freitag, dem 1. Oktober treten für vorläufig einen Monat neue Maßnahmen in Kraft: 

  • 2-G (geimpft, genesen) für die Nachtgastronomie und Barbetriebe für Kunden, für Mitarbeiter gilt eine 2,5-G-Regel (geimpft, genesen, PCR-getestet)
  • 2-G bei Zusammenkünften und Veranstaltungen über 500 Personen, indoor und outdoor und unabhängig davon, ob Sitzplätze zugewiesen sind. 
  • 2,5-G (geimpft, genesen, PCR-getestet) bei Zusammenkünften ab 25 Personen
  • Handel: FFP2-Maskenpflicht in allen Geschäften, sowohl in Supermärkten als auch in anderen wie zum Beispiel Modegeschäfte - Mitarbeiter dürfen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
  • 2,5-G  (geimpft, genesen, PCR-getestet) in der Gastronomie

Ludwig besprach am Vormittag mit rund einem Dutzend Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege oder auch Prognostik, um sich über die aktuelle Corona-Lage bzw. mögliche Entwicklungen zu informieren. 

"Wir befinden uns nach wie vor in der Pandemie, es gibt eine vierte Welle, die auf uns zurollt", stellte Ludwig nach der Beratung klar. Das merke man auch, wenn Operationen - wie zurzeit in Wien - verschoben werden müssen. Man wolle die Impfquote in Wien weiter erhöhen. Die Sieben-Tages-Inzidenz und die Belegung in den Spitälern steige, auch an den Intensivstationen, so der Bürgermeister.

In den Intensivstationen liege das Durchschnittalter inzwischen bei 48 Jahren, die Patienten werden jünger. Betroffen seien vor allem Ungeimpfte, das Krankenhauspersonal könne schön langsam nicht mehr, warnte der Bürgermeister. 

Der medizinische Direktor des Wiener Gesundheitsverbunds, Michael Binder, berichtete, dass neun von zehn Intensivpatienten nicht geimpft seien. Die - vergleichsweise wenigen - geimpften Personen mit schweren Verläufen hätten meist Vorerkrankungen. In den Spitälern hat das Infektionsgeschehen auch bereits wieder Auswirkungen auf andere Patienten. Es werden erneut planbare Eingriffe verschoben, erzählte Binder.

Ludwig erwartet, dass der Gipfel der Welle Ende Oktober oder Anfang November erreicht wird. Er erwartet für die kommenden Wochen keine Entspannung.

Die Beratungen fanden vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen statt, die inzwischen auch in den Spitälern wieder mit Sorge betrachtet werden. Die Zunahme bei den Hospitalisierungen führt in Wien bereits dazu, dass wieder planbare Operationen verschoben werden.

In Wien galten schon zuvor strengere Regeln als in den anderen Bundesländern. So war etwa in allen Geschäften eine Maske Vorschrift, allerdings reichte für Geimpfte und Genesene ein einfacher Mund-Nasen-Schutz. Die selben Regeln galten in Museen, Bibliotheken und Büchereien. PCR-Tests sind in Wien zudem inzwischen nur mehr 48 und nicht mehr 72 Stunden gültig.

Ludwig für 3-G-Regel am Arbeitsplatz

Ludwig sprach sich heute auch für restriktivere Regeln am Arbeitsplatz aus, also etwa die Einführung eines 3G-Nachweises. "Noch besser wäre eine zweieinhalb G-Lösung", fügte er hinzu. Dies müsse jedoch vom Bund umgesetzt werden, sagte Ludwig - der empfahl, hier die Sozialpartner einzubinden.

Kritik kam postwendend vom Handelsverband. Man nehme die neuen Corona-Maßnahmen für die Bundeshauptstadt mit "großer Verwunderung" zur Kenntnis, hieß es in einer Aussendung. Die Wiener Regelungen würden auch zu einer Verschärfung für Geimpfte führen, obwohl der Bund wiederum anderes signalisiert und selbst Bürgermeister Ludwig eine Erhöhung der Impfquote als oberste Prämisse ausgegeben habe, beklagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Stellungnahme.

Analysen hätten gezeigt, dass der Handel kein Corona-Hotspot sei, versicherte er: "Ungeachtet der wissenschaftlichen Fakten müssen sich die Wiener Geschäfte nun erneut auf eine Verschärfung der Maskenpflicht einstellen, die keinerlei Auswirkung auf das Infektionsgeschehen haben wird." In der Gastronomie treibe wiederum "2,5G" die Komplexität der Corona-Regeln in luftige Höhen. Österreich werde zum Europameister der Komplexität in der Corona-Bekämpfung.

Kritik und Lob zu Maßnahmen

Die FPÖ wetterte gegen eine "Impfpflicht durch die Hintertür". Wien habe die schärfsten Corona-Maßnahmen und trotzdem die höchsten Zahlen, wunderte sich Wiens FP-Chef Dominik Nepp. "Diese Unsinnigkeiten nun weiter zu verschärfen wird nicht zum Ziel, die Impfquote zu erhöhen, führen." Auch nun davor zu warnen, dass das Personal in den Spitälern ausgebrannt sei, sei eine "Frotzelei" dieser Berufsgruppen. Denn dort leide man seit Jahren unter massivem Personalmangel.

Zustimmung zur neuen Corona-Regelung kam hingegen von den Bundestheatern, die mit dem Burgtheater, der Staatsoper und der Volksoper jeweils Kapazitäten von über 500 Besuchern haben. "Wie in der Vorwoche klargestellt, befürworten die Geschäftsführungen der Österreichischen Bundestheater geschlossen die 2G-Regelung", sagte Holding-Chef Christian Kircher auf APA-Anfrage.

"Es sind strenge, aber notwendige Maßnahmen, unser Ziel ist und bleibt die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs." Eigene Erhebungen würden zeigen, dass die Impfquote der Besucherinnen und Besucher der Bundestheater bereits bei ca. 90 Prozent liege. "Dennoch ist es für eine Einschätzung über die wirtschaftlichen Auswirkungen derzeit noch zu früh", räumte Kircher ein.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam