APA - Austria Presse Agentur

Kollateralschäden in Spitälern wegen schlechter Impfquote

21. Sept 2021 · Lesedauer 3 min

Aus Krankenhäusern in mehreren Bundesländern gibt es wegen der Corona-Pandemie wieder Berichte über verschobene Operationen.

"Wir haben in den Spitälern die Kollateralschäden der mangelnden Impfquote, die der Grund für die stark ansteigenden Zahlen von Covid-Intensivpatienten ist", warnte Walter Hasibeder, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI). Es brauche höhere Impfzahlen - wie, sei Aufgabe der Politik.

"Es gab in der ersten Welle immer wieder eine Diskussion, welche sogenannten Kollateralschäden gesundheitlicher Natur die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung verursachen könnten, u.a. durch verschobene Operationen. Jetzt haben wir eine ganz andere Debatte, was Kollateralschäden betrifft", betonte Hasibeder zur Vermeidbarkeit der Überlastung der Spitäler, wenn sich mehr Menschen impfen lassen würden.

Die Kollateralschäden bestehen laut dem Ärztlichen Leiter am Tiroler Krankenhaus St. Vinzenz in Zams auf verschiedenen Ebenen. "Zum Beispiel müssen Patienten mit schwerer Gelenksarthrose länger auf den Eingriff warten. Für Patienten, die aus anderen Gründen als Covid-19 intensivpflichtig werden, zum Beispiel nach einem Unfall, haben wir dann weniger Ressourcen; und wir sehen auch in den Intensivstationen Covid-Patienten mit beeinträchtigtem Immunsystem, zum Beispiel onkologische Patienten, die trotz Impfung angesteckt werden - auch sie sind Opfer einer zu geringen Impfquote in der Bevölkerung", kritisierte Hasibeder.

Überlastung in mehreren Bundesländern

Dass es diesbezüglich Berichte aus mehreren Bundesländern gibt, ist laut dem ÖGARI-Präsidenten nicht verwunderlich, zumal österreichweit aktuell rund 220 Covid-Intensivpatienten betreut werden und damit die Zehn-Prozent-Marke bei der Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Infizierten erreicht ist, "ab der bekanntlich der Normalbetrieb nicht mehr möglich ist". Eine Überschreitung der Marke ist derzeit laut AGES-Dashboard in Wien (17 Prozent), Ober- (zwölf Prozent) und Niederösterreich (elf Prozent) der Fall. Nicht-Covid-Patienten belegen demnach 50 Prozent aller rund 2.100 Intensivbetten in Österreich.

Diese Beeinträchtigung des Normalbetriebes ist ein "schleichender" Prozess, erklärte Hasibeder. "Je höher der Belegungsgrad durch Covid-Intensivpatienten im Bereich von zehn bis 50 Prozent der maximalen Belagskapazitäten, desto mehr und desto längerfristig müssen geplante Operationen verschoben, Personal aus anderen Bereichen, vor allem aus der Anästhesie, auf die Intensivstationen verlegt, OPs für den Routinebetrieb gesperrt und zusätzliche Dienste geleistet werden", berichtete er.

Nicht-planbare OPs nur erster Schritt

"Zunächst werden planbare, nicht lebensnotwendige Operationen wie orthopädische, sowie andere elektive Eingriffe verschoben. Dadurch werden anästhesiologisches Pflegefachpersonal, Fachärztinnen und- ärzte für Anästhesie und Intensivmedizin freigespielt, die dann Intensivpatientinnen und -patienten auf zusätzlich geschaffenen Intensivplätzen medizinisch versorgen", erklärte Hasibeder. Je nach Belagssituation der Intensivstationen müssten aber auch onkologische, herzchirurgische und neurochirurgische Planeingriffe verschoben werden.

"Natürlich haben lebensnotwendige Eingriffe Priorität, die Abwägung muss immer im Einzelfall unter Berücksichtigung individueller Faktoren wie Gesamtzustand, Krankheitsverlauf etc. getroffen werden. Aber generell gilt, dass kurzzeitige OP-Verschiebungen im Bereich der Onkologie zwar für die Patientinnen und Patienten sehr belastend sind, aber auf die Prognose der Erkrankung keinen Einfluss haben", versicherte Hasibeder in Richtung von Krebspatienten.

Der ÖGARI-Präsident warnte vor einer Zuspitzung der Lage. Das Prognosekonsortiums gehe von einem Anstieg des Intensiv-Belags auf 326 am 29. September aus.

Quelle: Agenturen