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Wieder massive russische Luftangriffe auf die Ukraine

Heute, 08:04 · Lesedauer 3 min

Während der laufenden Friedensverhandlungen sind die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie die Städte Charkiw und Tschernihiw in der Nacht auf Samstag erneut von massiven russischen Luftangriffen getroffen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von schwersten Angriffen seit Wochen. Es habe mindestens einen Toten und zahlreiche Verletzte sowie schwere Schäden an der Energieversorgung gegeben. Er bat um westliche Hilfe bei der Stärkung der Flugabwehr.

Die ukrainische Luftwaffe und das Nachrichtenportal "The Kyiv Independent" meldeten am Samstag nach Mitternacht, die Millionenstadt Kiew stehe schwer unter Beschuss. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb später von mindestens einem Todesopfer und vier Verletzten. In Kiew waren zudem fast 6.000 Gebäude von der Wärmeversorgung abgeschnitten.

88.000 Haushalte in Kiew waren laut Agentur Ukrinform vorübergehend ohne Strom. Der Energiekonzern DTEK arbeite ohne Unterlass, die Stromversorgung der Haushalte so schnell wie möglich wiederherzustellen. Behindert würden die Arbeiten durch das Wetter. Die Außentemperatur in Kiew lag am Samstagfrüh bei minus zwölf Grad.

Die Luftangriffe in der Nacht auf Samstag gehörten laut dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu den schwersten seit Wochen. "In der Nacht hat Russland unsere Regionen massiv attackiert - sie haben 370 Kampfdrohnen und 21 Raketen unterschiedlicher Typen abgefeuert", schrieb er auf Telegram. Als Reaktion bat er um schnelle westliche Hilfe bei der Stärkung der Flugabwehr.

Nach Angaben Selenskyjs wurden neben Kiew und dem Umland der Hauptstadt auch die nahe der Grenze zu Russland gelegenen Regionen Charkiw, Sumy und Tschernihiw stark beschossen. Es habe neben einem Toten und Dutzenden Verletzten erneut schwere Schäden an der Infrastruktur zur Energieversorgung gegeben. "Jeder dieser russischen Schläge gegen die Energieversorgung zeigt, dass wir mit den Flugabwehr-Lieferungen nicht zögern können". Er zähle auf eine Reaktion und die Hilfe der westlichen Partner, schrieb Selenskyj.

Angriffe auch in Charkiw und Tschernihiw

Nach Angaben des Bürgermeisters der ostukrainischen Stadt Charkiw, Ihor Terechow, wurden dort bei schweren nächtlichen Luftangriffen mindestens 19 Menschen verletzt. Mehrere Krankenhäuser und Wohngebäude seien beschädigt, manche Opfer unter Gebäudetrümmern eingeschlossen worden, schrieb Terechow bei Telegram. Nach Angaben von Gouverneur Oleh Synjehubob sind unter den Verletzten eine Schwangere und ein Kind.

Russland hat indes laut eigenen Angaben in der Region Charkiw das Dorf Staryzja eingenommen. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Am Samstagfrüh meldeten zudem die Behörden der nordukrainischen Stadt Tschernihiw einen schweren Angriff auf Energieanlagen. Fast in der gesamten Stadt sei der Strom ausgefallen, teilte der Pressedienst des Stadtparlaments mit. Die Umstellung auf Reservekapazitäten werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Russland beschießt systematisch Energieobjekte in der Ukraine. Für die Ukrainer ist in diesem strengen Winter damit die bisher schwerste humanitäre Krise seit Kriegsbeginn ausgebrochen.

Zusammenfassung
  • Russland griff in der Nacht auf Samstag Kiew, Charkiw und Tschernihiw mit 370 Kampfdrohnen und 21 Raketen an, was laut Präsident Selenskyj zu den schwersten Angriffen seit Wochen zählt.
  • In Kiew gab es mindestens ein Todesopfer und vier Verletzte, fast 6.000 Gebäude waren ohne Wärme und 88.000 Haushalte zeitweise ohne Strom bei minus zwölf Grad Außentemperatur.
  • Auch in Charkiw wurden mindestens 19 Menschen verletzt und in Tschernihiw fiel fast in der gesamten Stadt der Strom aus, während Selenskyj erneut westliche Hilfe für die Flugabwehr forderte.