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Warum holt Le Pen in den Umfragen auf?

24. Apr. 2022 · Lesedauer 3 min

Thomas Mayer, Journalist von "Der Standard", analysiert im Interview mit PULS 24 die möglichen Gründe, warum Marine Le Pen in den Umfragen um die Präsidenten-Stichwahl in Frankreich so gut zulegen und zu Amtsinhaber Emmanuel Macron aufschließen konnte.

Am Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl im Rennen um die Präsidentschaft statt. Amtsinhaber Emmanuel Macron von der liberalen Partei La République en Marche tritt gegen die Herausforderin Marine Le Pen des weit rechts stehenden Rassemblement National an. Bereits vor fünf Jahren ist es zu diesem Stichwahl-Duell gekommen. Während Macron 2017 die Wahl sehr deutlich gewonnen hatte, gehen aktuelle Umfragen von einem knapperen Ergebnis aus. 

PULS 24 hat sich in Paris umgehört, wie die Franzosen über die Wahl am Sontag denken und welche Themen für sie entscheidend waren.

Le Pen "nicht mehr so aggressiv" 

Für den Journalisten Thomas Mayer hängen die guten Umfragewerte von Marine Le Pen mit zwei grundlegenden Dingen zusammen. In den letzten Jahren ist das "klassische Parteiensystem in Frankreich" zusammengebrochen. Die einstigen Volksparteien der Sozialisten und Konservativen "spielen fast keine Rolle mehr", erklärt Mayer. Ihre Kandidatinnen haben in der ersten Wahlrunde nur niedrige einstellige Prozentergebnisse erzielt.

Außerdem habe Le Pen ihre "radikale, ausländerfeindliche, antieuropäische Partei abgemildert", so der Journalist. Im Wahlkampf hat man vor allem auf "soziale Themen gesetzt" und Le Pen hat ihre Formulierungen "nicht mehr so aggressiv wie vor ein paar Jahren" gestaltet.

Europa der Nationen

Mayer merkt dennoch an, dass man beim Rassemblement National trotzdem noch "frontal gegen die EU formuliert" hat. Le Pen steht für eine "stärkere Distanz" zu Deutschland und ein "Europa der Nationen", welches frei an den Ideen des ehemaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle angelehnt ist. "Die großen Nationen" – wie Frankreich, Deutschland, aber auch Russland – sollen auf dem Kontinent den "Ton angeben" und nicht die EU, erklärt der Journalist.

Für Mayer bleibt es auch abzuwarten, wie wichtig die französische Bevölkerung die Situation in der Ukraine und die Nähe von Marine Le Pen und ihrer Partei zu Russland und Wladimir Putin sieht. Im letzten Wahlduell zwischen Le Pen und Macron ging es auch um russische Banken, welche den Rassemblement National finanziell unterstützt haben. "Das ist zwar lange bekannt, jetzt hat sie das offiziell eingeräumt", so Mayer, der auch erklärt, dass Le Pen dies damit begründet hat, dass sie keine Investoren in Frankreich finden konnte.

Viel wichtiger als die Russland-Verbindungen sieht der Journalist eher in den "sozialen Fragen", welche momentan Frankreich beschäftigen. Hierbei geht es auch um die Teuerung, welche ganz Europa betreffen, aber auch um das Rentenalter. In diesen Belangen schneidet Macron in der öffentlichen Wahrnehmung "nicht gut ab", so Mayer.

Hier das gesamte Interview: 

Quelle: Redaktion / foj