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Ein Toter bei Raketenangriff auf Militärflughafen im Irak

03. März 2021 · Lesedauer 3 min

Kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus im Irak sind auf einer Luftwaffenbasis im Westen des Landes zehn Raketen eingeschlagen. Trotz der angespannten Sicherheitslage und der Corona-Pandemie hält das Oberhaupt der katholischen Kirche an der Reise in das Krisenland fest. Er habe sich lange gewünscht, die Menschen im Irak kennenzulernen, die so viel gelitten hätten, sagte der Papst am Mittwoch bei der Generalaudienz im Vatikan. Er wolle sie nicht enttäuschen.

Die Raketen trafen den Stützpunkt Ayn al-Assad, der von Truppen der internationalen Koalition genutzt wird, wie der Sprecher des Bündnisses, Wayne Marotto, twitterte. Die irakische Armee führe Ermittlungen. Das Einsatzführungskommando der deutscheb Bundeswehr erklärte über Twitter, alle deutschen Soldaten seien wohlauf. Auch die norwegische Armee teilte mit, unter ihren Soldaten habe es keine Verletzten gegeben.

In den vergangenen Monaten waren immer wieder Raketen auf Stützpunkte im Irak abgefeuert worden, die von der US-Armee genutzt werden. Bei einem Raketenangriff auf die nordirakische Stadt Erbil wurde im Februar ein ziviler Auftragnehmer der internationalen Militärkoalition getötet. Zudem gab es mehrere Verletzte.

Im Verdacht stehen Milizen, die eng mit dem Iran verbunden sind. Sie fordern den Abzug der US-Truppen aus dem Irak. Die US-Luftwaffe flog als Reaktion auf den Beschuss in Erbil Luftangriffe auf die Milizen im Osten Syriens. Die von den USA angeführte Koalition unterstützt Iraks Armee im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Papst Franziskus will am Freitag in den Irak reisen. Während des viertägigen Besuches ist unter anderem ein Treffen mit dem höchsten Geistlichen des Landes geplant, dem schiitischen Großayatollah Ali al-Sistani. Im Norden des Iraks will er die stark zerstörte frühere IS-Hochburg Mossul besuchen. Insgesamt stehen zudem zwei Messen auf dem Programm, eine davon im Stadion der nordirakischen Stadt Erbil.

"Das irakische Volk hat bereits auf Johannes Paul II. gewartet, dem die Reise verboten wurde. Man kann ein Volk nicht zum zweiten Mal enttäuschen", erläuterte der Papst. "Lasst uns beten, dass diese Reise gut umgesetzt werden kann."

Es ist die erste Auslandsreise des Papstes seit Beginn der Corona-Pandemie. Der Irak gehört zu den arabischen Ländern, die von dem Virus am schwersten getroffen werden. Am Mittwoch stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf einen Höchststand an. Das irakische Gesundheitsministerium meldete mehr als 5.100 neue Fälle. Vor zwei Wochen waren es noch rund 3.000 gewesen. Die Dunkelziffer in dem Land mit rund 40 Millionen Einwohnern dürfte aber höher liegen.

Auch die Sicherheitslage hatte sich zuletzt wieder verschlechtert. Im Jänner kam es in Bagdad zum schwersten Anschlag seit mehreren Jahren mit mehr als 30 Toten. Der IS reklamierte die Tat für sich.

Die Jihadisten hatten im Sommer 2014 große Teile des Landes überrannt und dort ein "Kalifat" ausgerufen. Mittlerweile sind sie militärisch besiegt, Zellen des IS aber weiter aktiv. Viele Teile des Iraks sind nach dem langen Kampf gegen die Terrormiliz noch immer zerstört. Das stark von den Einnahmen aus dem Ölexport abhängige Land leidet zudem unter einer schweren Wirtschaftskrise.

Quelle: Agenturen