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Orbán trug "alten Schal" - slowakischer Premier schenkt ihm neuen

24. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Der slowakischer Premier Eduard Heger hat seinem ungarischen Amtskollegen Viktor Orbán zum Auftakt des Visegrad-Treffens im slowakischen Kosice am Donnerstag einen Slowakei-Schal geschenkt. Orbán zeigte sich zuvor mit einem "Großungarn"-Schal, wozu auch Teile der Slowakei gehören.

"Mir ist aufgefallen, dass Viktor Orbán einen alten Schal hat, also habe ich ihm heute einen neuen geschenkt", schrieb Heger auf Twitter. Kürzlich hatte Orbán mit einem Fußball-Schal, der Großungarn in den Grenzen vor 1920 zeigte, für Empörung gesorgt.

Auch Orbán postete am Donnerstag auf Facebook ein gemeinsames Foto mit Heger, auf dem beide einen Slowakei-Schal trugen. "Ungarn und Slowaken sind zwei gute Freunde", schrieb er in Anspielung auf einen Spruch über die Völkerfreundschaft zwischen Ungarn und Polen. Die heutige Slowakei war unter dem Namen Oberungarn (Felvidék) Teil des Staatsgebietes des alten Königreichs Ungarn gewesen.

Der ungarische Premier hatte sich am Sonntag beim Fußballspiel Ungarn gegen Griechenland mit dem Großungarn-Schal gezeigt. Auf dem Schal waren die Grenzen des früheren Königreichs Ungarn zu sehen, das unter anderem Gebiete des heutigen Österreichs, der Slowakei, Rumäniens, Kroatiens, Sloweniens, Serbiens und der Ukraine umfasste. In mehreren Ländern sorgte der Auftritt daher für Kritik.

Österreichs Außenministerium kommentierte den Schal auf PULS 24-Anfrage zuletzt: "Eine eilig durchgeführte Recherche im Außenministerium hat ergeben, dass Transleithanien nur in Karten von vor rund 100 Jahren gefunden wurde. Wir werden unsere ungarischen Nachbarn bei nächster Gelegenheit über diese Entwicklung informieren".

Beratungen zu Ukraine-Krieg

Viele Ungarn haben sich immer noch nicht mit dem Zerfall der Donaumonarchie, in deren Zuge zwei Drittel des ungarischen Staatsgebietes verloren gingen, abgefunden. Durch die Abtrennung dieser Gebiete im Vertrag von Trianon 1920 wurden zahlreiche Ungarn zu Minderheitenangehörigen in den neuen Nachbarstaaten.

Die vier Regierungschefs der Visegrad-Gruppe (V4) - Ungarn, Slowakei, Polen, Tschechien - trafen sich in der ostslowakischen Regionalhauptstadt Kosice. Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen waren das Hauptthema. Mit Ausnahme Tschechiens, das derzeit den EU-Vorsitz führt, grenzen die Länder der V4-Gruppe an die von Russland angegriffene Ukraine. Im Unterschied zu Ungarn gehören die drei slawischen V4-Länder zu den entschlossensten politischen und militärischen Unterstützern der Ukraine.

Quelle: Agenturen / koa