APA - Austria Presse Agentur

Erster Cluster mit "infektiösester Variante, die wir kennen" in Österreich vermutet

22. Okt 2021 · Lesedauer 2 min

Die Unterart Delta Plus der sowieso schon ansteckenderen Delta-Corona-Variante dürfte nun endgültig in Österreich angekommen sein. Nach vereinzelten Fällen wird nun ein erster Cluster in Österreich vermutet.

AY.4.2 heißt die neue Linie der Delta-Mutation, besser bekannt wird sie gerade unter dem Namen "Delta Plus". Verwirrend ist hier, dass es bereits eine Delta-Unterart aus Indien bzw. Nepal gibt, die genauso heißt. Die Variante, die sich gerade beginnt, in Europa auszubreiten, wurde jedoch erstmals in Großbritannien nachgewiesen. Experten beobachten die Ausbreitung seit Juli.  

20.000 Fälle in GB, 30 in Österreich

Sie stellt sich zunehmend "als noch ansteckender als Delta" heraus, warnt Ulrich Elling, Gruppenleiter am IMBA (Institut für Molekulare Biotechnologie) der Akademie der Wissenschaften. Bei den Briten wurden bisher mehr als 20.000 Fälle nachgewiesen, in Kontinentaleuropa etwa 1.000 und in Österreich mit Stand Donnerstag "gut 30".

Dieser Wert könnte sprunghaft ansteigen, denn in einem Kitzbüheler Gasthof sind mehrere positive Coronavirus-Testergebnisse mit Mutationsverdacht auf die Delta-Variante aufgetreten. Die Gesundheitsbehörde startete einen PCR-Testaufruf für all jene, die von 13. bis 15 Oktober im Gasthof "Rosi's Sonnbergstuben" waren.

10 bis 15 Prozent ansteckender

"Diese Linie hat in den Spitzen des Spike-Proteins, mit dem wir uns impfen, zwei Mutationen mehr, als Delta ohnehin schon hat", erläuterte Elling. Noch sei unklar, wieso diese Unterart sich ausbreitet. "Aber die epidemiologischen Wachstumsraten zeigen einen klaren Trend, dass diese Line noch zehn bis 15 Prozent ansteckender ist als Delta. AY.4.2 bringt also eine gewisse Verschärfung der Situation mit sich." Von zehn Prozent mehr Ansteckungen geht auch Francois Balloux, Direktor des Genetics Institute am University College London aus. 

"Bislang infektiöseste Variante, die wir kennen"

Das hört sich nicht nach viel an, denn immerhin war die Alpha-Variante 50 Prozent ansteckender als die Originalvariante, Delta war 60 Prozent ansteckender als Alpha. Doch "damit wäre AY.4.2 trotzdem die bislang infektiöseste Variante, die wir kennen", sagt Virologe Andreas Bergthaler gegenüber "Zeit.de". Worin sich die Experten einig sind, ist, dass die Impfung auch gegen AY.4.2. schützt. 

Genetiker Balloux glaubt, dass AY.4.2 von der WHO demnächst als "Variant under Investigation" klassifiziert werden könnte, wie er der "Financial Times" sagte. Damit bekäme sie einen griechischen Buchstaben statt der komplizierten Buchstaben-/Zahlenkombination, genau wie Alpha oder Delta.  

Watzl: Hohe Impfrate und Delta-Variante sorgen für Impfdurchbrüche

Carsten Watzl, Immunologe am Leibnitz-Institut an der TU Dortmund, spricht im Interview mit PULS 24 Anchor Daniel Retschitzegger über Impfdurchbrüche und Drittimpfungen.

Marianne LamplQuelle: Agenturen / Redaktion / lam