APA - Austria Presse Agentur

30 Fälle von Delta-Unterart des Coronavirus in Österreich

21. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Eine neue Linie der Delta-Variante des Coronavirus, AY.4.2, stellt sich zunehmend "als noch ansteckender als Delta" heraus, warnt Ulrich Elling, Gruppenleiter am IMBA (Institut für Molekulare Biotechnologie) der Akademie der Wissenschaften. Bisher seien aus Großbritannien mehr als 20.000 Fälle berichtet worden, in Kontinentaleuropa etwa 1.000 und in Österreich "gut 30". Die einzige "faire und effektive Maßnahme" sei nun eine Impfpflicht, "zumindest ab einem gewissen Alter".

"Diese Linie hat in den Spitzen des Spike-Proteins, mit dem wir uns impfen, zwei Mutationen mehr, als Delta ohnehin schon hat", erläuterte Elling. Noch sei unklar, wieso diese Unterart sich ausbreitet. "Aber die epidemiologischen Wachstumsraten zeigen einen klaren Trend, dass diese Line noch zehn bis 15 Prozent ansteckender ist als Delta. AY.4.2 bringt also eine gewisse Verschärfung der Situation mit sich."

Zur Einordnung: Die Alpha-Variante war 50 Prozent ansteckender als die Originalvariante von SARS-CoV-2, Delta war 60 Prozent ansteckender als Alpha. "Der Schritt, der mit AY.4.2 kommt, ist also kleiner. Er ist auch kleiner als der Schritt, den der nahende Winter bringt, denn der wird auf 40 Prozent erhöhte Ansteckungsrate geschätzt", meinte der Experte. Der Winter-Effekt zeige sich bereits mit den deutlich steigenden Zahlen in Österreich und europaweit.

Die aktuelle Hoffnung sei, dass die Pandemie "in eine mehr oder weniger harmlose Endemie übergeht", also eine Situation, in der ein Erreger stabil in der Bevölkerung kursiert. Ob dadurch weiter bedrohliche Hospitalisierungszahlen und Todesraten drohen, hänge von der Immunität gegen Ansteckung versus Immunität gegen Erkrankung ab. "Wenn die Immunität gegen Ansteckung deutlich früher sinkt als die Immunität gegen Erkrankung, dann erreichen wir hoffentlich eine Situation in der wir uns regelmäßig anstecken, somit natürlich 'boosten', und nicht mehr erkranken", sagte Elling. Corona würde dann sozusagen "zu einem Schnupfen".

Covid-19 sei aber "noch nie ein Schnupfen" gewesen, sondern eine schwere Lungenentzündung, dazu komme noch Long-Covid. "Andere saisonale Coronaviren kursieren alle ein bis drei Jahre im Winter. Sollten wir uns also in einer endemischen Situation 'nur' jeden oder jeden zweiten Winter anstecken, so kann es gut sein, dass die natürliche Immunität bis dahin zu schwach ist, um ausreichend vor Erkrankung zu schützen", führte der Experte aus. Dann würde Covid-19 zu einer wiederkehrenden Überlastung des Gesundheitswesens führen.

Weil Österreich seine Impfziele verfehlt habe, geht die ECDC (European Center for Disease Control) davon aus, dass es eine Kontaktreduktion von mindestens 20 Prozent braucht, um die Hospitalisierungsrate des Vorjahres nicht zu übersteigen. "Inzwischen sinkt die Immunität der Geimpften wohl schneller, als neue Geimpfte dazu kommen", so Elling.

"Impfungen gegen respiratorische Infektionen erzeugen eben keine sterile Immunität. SARS-CoV-2 wird also durch die Impfung nicht ausgerottet, wie es für die Pocken gelungen ist", erläuterte der Forscher.

Quelle: Agenturen