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Vatikan leitet Ermittlungen gegen französischen Kardinal wegen Missbrauchs ein

11. Nov. 2022 · Lesedauer 2 min

Der Vatikan wird eine Untersuchung gegen den französischen Kardinal Jean-Pierre Ricard einleiten, der Anfang der Woche zugegeben hat, vor Jahrzehnten ein 14-jähriges Mädchen missbraucht zu haben.

Der Sprecher des Vatikans, Matteo Bruni, berichtete am Freitag, dass eine vorläufige Untersuchung eingeleitet werde, sobald die am besten geeignete Person mit der "notwendigen Autonomie, Unparteilichkeit und Erfahrung" gefunden sei, um sie durchzuführen.

Kardinal bezichtigte sich selbst

Der ehemalige Vorsitzende von Frankreichs katholischer Bischofskonferenz hat zugegeben, in den 1980er-Jahren das Mädchen missbraucht zu haben. Ein entsprechendes Schreiben hatte die französische Bischofskonferenz am Montag bei einer außerplanmäßigen Pressekonferenz öffentlich gemacht. Darin bezichtigte sich der 78-Jährige selbst, sich dem Mädchen gegenüber "auf verwerfliche Weise verhalten" zu haben.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hatten sich zunächst die Eltern des Kindes im Februar an die Kirche gewandt und unter Verweis auf die Jahrzehnte zurückliegende Tat des Kardinals dagegen protestiert, dass dieser zum Leiter einer Untersuchung von Kinderheimen bestimmt wird. Einem Prälaten der Kirche gegenüber habe der Kardinal eingeräumt, das Mädchen vor über 40 Jahren geküsst zu haben. Der Prälat leitete diese Information und das Schreiben der Eltern Ende Oktober an die Staatsanwaltschaft weiter.

Früherer Erzbischof von Bordeaux

Ricard war früher Erzbischof von Bordeaux. Die Bischofskonferenz leitete er von 2001 bis 2007. Als Kardinal ist er auch Berater von Papst Franziskus. Aufgrund der eingeräumten Taten habe er sich entschlossen, "eine Zeit des Rückzugs und des Gebets einzulegen", erklärte Ricard. Der heutige Vorsitzende der Konferenz, Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort, bezeichnete das Geständnis des Kardinals am Montag als "Schock". Insgesamt seien in Frankreich zehn zumeist ehemalige Bischöfe in Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen ins Visier der Justiz oder innerkirchlicher Ermittlungen geraten.

Eine im Oktober vergangenen Jahres vorgelegte Studie kam zu dem Schluss, dass in der katholischen Kirche in Frankreich seit den 1950er-Jahren hochgerechnet 216.000 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Unter Einbeziehung der von der Kirche betriebenen Einrichtungen wird von 330.000 Opfern ausgegangen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz