USA
ICE-Beamter erschießt Renee Good: Die Hintergründe zur Tat
Wir befinden uns im US-Bundesstaat Minnesota, in Minneapolis - nur wenige Häuserblocks von der Stelle entfernt, an der ein Polizist am 25. Mai 2020 den Schwarzen US-Amerikaner George Floyd tötete. Die Bilder gingen um die Welt.
Hunderte Menschen demonstrieren nicht nur hier gegen die großangelegten und gewaltsamen Abschiebungsaktionen der Regierung durch die Einwanderungsbehörde ICE.
Ihr Leiter, Todd Lyons, hatte zuvor von der "größten Immigrations-Operation aller Zeiten" gesprochen; die Einsätze sorgen landesweit für Empörung und Sorge. Unter den Demoteilnehmern befand sich auch Renee Nicole Good.
"Sie war liebevoll und warmherzig"
Renee Nicole Good war 37 Jahre alt und Mutter von drei Kindern, wie die CNN berichtet. Der Bedeutung ihres Nachnamens blieb Good laut ihrer Mutter, Donna Ganger, treu.
"Sie hat sich ihr ganzes Leben lang um andere Menschen gekümmert. Sie war liebevoll und warmherzig", beschreibt diese ihre Tochter in der lokalen Tageszeitung Minnesota Star Tribune.
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Erst vor etwa einem Jahr ist Good in die Stadt gezogen und verbrachte ihr restliches Leben nur unweit des Ortes, an dem ihr dieses schließlich genommen wurde.
Video zeigt Tat in Minneapolis
In einem millionenfach geteilten und bereits durch mehrere Instanzen verifizierten Video sieht man das Auto, in dem die 37-Jährige sitzt. Ihr Fahrzeug steht quer und blockiert damit teilweise die Fahrspur einer verschneiten Wohnstraße.
Good winkt herannahenden PKWs, damit sie passieren können. Ein Pickup mit Blaulicht nähert sich von links; zwei vermummte Bundesbeamte steigen aus und gehen auf den Wagen der Frau zu. Sie fordern sie auf, auszusteigen.
Einer der Beamten versucht schließlich, die Fahrertür zu öffnen und greift durch das geöffnete Fenster. Daraufhin reversiert Good das Fahrzeug zunächst, bevor sie schließlich wieder nach vorne rollt.
Ein dritter, unvermummter ICE-Agent, Jonathan Ross, geht um das Fahrzeug herum und positioniert sich links. Als sich Goods Auto leicht nach vorn bewegt, löst Ross zunächst einen Schuss ab, kurz darauf zwei weitere – einer davon trifft Good in den Kopf.
Ihr Auto beschleunigt anschließend und prallt gegen geparkte Fahrzeuge. Ross nähert sich dem Fahrzeug, entfernt sich schließlich wieder und gibt den anderen Beamten den Auftrag, den Notruf zu wählen.
In einem weiteren Zeugenvideo ist außerdem zu sehen, wie sich ein Passant den ICE-Beamten als Arzt vorstellt und anbietet, medizinische Hilfe zu leisten. Der Zugang zu Goods Auto wird ihm jedoch verwehrt. Wenig später wird die Frau in einem Krankenhaus für tot erklärt.
Falschbehauptungen der Regierung
Die US-Regierung verteidigt das Handeln und die Tötung des ICE-Beamten. Die Behauptung Trumps, Good hätte versucht, den Beamten Ross "absichtlich und bösartig" zu überfahren, ist falsch. Das ist in mehreren Analysen des Videos, etwa von der Rechercheplattform Bellingcat, der New York Times und der Washington Post klar ersichtlich.
Es ist zu beobachten, dass Good an den Beamten vorbei kurvt und Ross bis zum Ende unversehrt bleibt. Er kam durch die Situation nicht einmal zum Fall, trotz der verschneiten Straße. Die einzige Person, die durch den Vorfall verletzt wurde, ist Good.
"Das ist Bullshit"
Der Demokrat und Bürgermeister der Stadt Minneapolis, Jacob Frey, weist zudem das Argument der Trump-Regierung zurück, der Beamte hätte sich selbst verteidigen wollen.
"Ich habe das Video gesehen und will es ganz direkt sagen: Das ist Bullshit." Er forderte ICE auf, die Stadt zu verlassen. Nach dem Vorfall kam es zu Protesten, unter anderem am nahegelegenen Fort Snelling.
Zahlreiche Demonstrierende forderten Gerechtigkeit für Renee Nicole Good. Mit Pfefferkugel-Pistolen und Tränengas bewaffnete Sicherheitskräfte gingen dagegen vor.
Zusammenfassung
- Im US-Bundesstaat Minnesota erschießt ein ICE-Beamter die 37-jährige Renee Nicole Good.
- Trump rechtfertigt die Tat durch "Selbstverteidigung". Dafür gibt es jedoch keine Grundlage.
