Ukrainische Truppen erreichen russische Grenze

15. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Ukrainische Truppen haben nach offiziellen Angaben im Osten die Grenze zu Russland erreicht. Es seien Soldaten, die die Stadt Charkiw verteidigten, teilt der Gouverneur der gleichnamigen Region, Oleh Sinegubow, auf Telegram mit.

Es war zunächst nicht klar, um wie viele ukrainische Soldaten es sich handelt und wo genau sie an die Staatsgrenze gelangt sind. Die Frontlinie im Donbass verschob sich indes zugunsten von Russland, ging aus Angaben des ukrainischen Militärs hervor. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video mit Soldaten neben einem Grenzpfahl in den Nationalfarben Blau-Gelb. Sie sind zumindest an einer Stelle bis zur russischen Grenze vorgestoßen.

Offensive kann nicht gestoppt werden

Im Nordosten des Landes machten die ukrainischen Streitkräfte in den vergangenen Tagen Boden gut und drängten russische Einheiten im Raum Charkiw zurück. Charkiw ist nach der Hauptstadt Kiew die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Eine unabhängige Bestätigung der Äußerungen Sinegubows war nicht möglich. Die Kämpfe in der Nähe von Charkiw seien "unsere Gegenoffensive", sagt der Berater des Innenministeriums, Wadym Denysenko, im Fernsehen. "Sie kann nicht mehr gestoppt werden." Dank dieser Offensive könnten ukrainische Soldaten den russischen Truppen in den Rücken fallen.

Russischer Erfolg im Donbass

Im Donbass sind dagegen russische Kräfte an einigen Stellen vorgerückt. Es wird zudem erwartet, dass Russland in Izium im Süden des Landes Streitkräfte zusammenzieht. Im umkämpften Asovstal-Werk wurden katastrophale Zustände geschildert.

Katastrophale Umstände in Asovstal-Werk

Pro Person gebe es nur noch ein Glas Wasser am Tag, berichtete eine der Ehefrauen eines im Stahlwerk verbliebenen ukrainischen Kampfers in einem Interview, aus dem ukrainische Medien am Sonntag zitierten. Sie habe zuletzt vor einigen Stunden mit ihrem Mann telefonieren können, sagte die Frau. Sie und die anderen Ehefrauen forderten einmal mehr eine Evakuierung aller verschanzten Kämpfer - zuerst der Schwerverletzten unter ihnen. Deren Situation sei "schrecklich": Manchen fehlten Arme oder Beine, es gebe kaum noch Medikamente oder Betäubungsmittel.

Stimmung ist pessimistisch

In dem Stahlwerk, das seit Wochen von Russen und prorussischen Separatisten umzingelt und beschossen wird, haben sich nach ukrainischen Angaben rund 1.000 Verteidiger von Mariupol verschanzt. Rund 600 sollen verletzt sein, hieß es zuletzt. Die ukrainische Armee ist weit von Mariupol entfernt und hat derzeit keine Chance, die weitgehend von den Russen eingenommene Stadt zu befreien. "Die Stimmung ist pessimistisch, weil es fast keine Hoffnung auf Rettung gibt", sagte die Frau eines Kämpfers in dem Interview. "Sie bereiten sich auf den letzten Kampf vor, weil sie nicht an eine diplomatische Lösung glauben."

Einsatz von Phosphorbomben vorgeworfen

Der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko warf Russland am Sonntag vor, Asowstal mit Phosphorbomben beschossen haben. Der Kommandant der Donezker Separatistenbrigade "Wostok", Alexander Chodakowski, und russische Kriegskorrespondenten wiederum berichteten von Angriffen mit Brandraketen vom Typ МЗ-21.

Quelle: Agenturen