Karner über Asovstal-Werk: "Kämpfen bis zur letzten Patrone oder sich ergeben"

11. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

PULS 24 Militärexperte Gerald Karner analysiert die aktuelle militärische Situation in der Ukraine und den weiteren Verlauf des Krieges.

Russland verweigert weiterhin die Evakuierung der im Asovstal-Werk festsitzenden Soldaten. Auch etwa hundert Zivilisten sollen sich noch im Stahlwerk befinden nachdem die meisten evakuiert worden sind, sagt der PULS 24 Militärexperte Gerald Karner.

Russland habe mehrfach verkündet, einen Abzug der bis zu tausend ukrainischen Soldaten, die noch im Stahlwerk festsitzen, nicht zu erlauben. Laut Karner gibt es für die ukrainischen Streitkräfte daher nur zwei Möglichkeiten: "Kämpfen bis zur letzten Patrone oder sich ergeben."

Russische Streitkräfte aus Charkiw vertrieben

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs sei es den Streitkräften gelungen, die russischen Truppen über die Landesgrenze zurückzudrängen. Laut Karner sei das nicht nur "propagandistisch und motivatorisch eine wichtige Aktivität" für die Ukraine. Es sei viel mehr: Im Donbass befänden sich sehr wichtige Eisenbahnlinien, durch die die Versorgung der dort kämpfenden russischen Truppen erfolge. Sollten diese Linien in ukrainische Hände fallen, könnte der gesamte russische Vormarsch im Donbass erheblich gestört werden, sagt Karner. Da sich die russischen Truppen abseits der Grenze bereits auf einen Angriff vorbereiten sollen, rechnet Karner in dieser Region mit weiteren Kämpfen in den nächsten Tagen.

Russischer Erfolg bedeutet nicht Ende des Krieges

Ein eventueller russischer Erfolg im Donbass bedeute aber laut US-Geheimdienst nicht das Ende des Krieges. Karner stimmt dem zu: Die Ukraine werde es nicht zulassen, dass Russland den Donbass längerfristig einnimmt. Es werde daher immer wieder Bemühungen von ukrainischer Seite geben, den Donbass nach Möglichkeit vollständig zurückzugewinnen. Ähnliches erwartet Karner auch für die Südukraine, besonders im Raum Cherson, wo immer wieder erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe gemeldet würden.

China als Unterstützung bei Friedensverhandlungen

Einen Tag nach seinem Gespräch mit dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte Chinas Präsident Xi Jinping, die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine unterstützen zu wollen. China sei in den letzten Wochen etwas stärker von Russland abgerückt, meint Karner. Durch die Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das Völkerrecht in der Ukraine fürchte China um sein eigenes Image in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht.

Immer wieder sollen russische Streitkräfte nämlich Angriffe auf ukrainische Zivilisten verüben. Bei diesen Angriffen handle es sich klar um Kriegsverbrechen, sagt Karner. "In der Genfer Konvention ist genau festgelegt wer bekämpft werden darf und wer nicht. Zivilisten dürfen nicht bekämpft werden." 

"China hat Interesse an friedlichen Beziehungen sowohl zu Russland als auch zum Westen. Da diese Beziehungen durch den Krieg gefährdet sind, ist China sehr interessiert an Friedensverhandlungen", meint Karner.

Dijana DjordjevicQuelle: Redaktion / ddj