AFP

Ukraine bekennt sich zum Beschuss der Krim

07. Sept. 2022 · Lesedauer 4 min

Die Ukraine bekennt sich erstmals direkt zu Angriffen auf russische Stützpunkte auf der annektierten Halbinsel Krim.

Die Ukraine habe dort eine Reihe erfolgreicher Raketenangriffe ausgeführt, einschließlich auf die Basis Saki, erklärte der ukrainische Militärchef Walerij Saluschnji in einem von ihm mitverfassten Artikel für die Nachrichtenagentur Ukrinform am Mittwoch. Zehn Kampfjets seien zerstört worden. 

Bisher hat die Ukraine stets nur angedeutet, dass sie in die Angriffe im August involviert gewesen sein könnte.

Saluschnji schrieb außerdem, er habe allen Grund davon auszugehen, dass der Krieg in seinem Land dieses Jahr nicht enden werde. Er warnte auch, es bestehe ein "direktes Risiko", dass Russland unter gewissen Umständen taktische Atomwaffen einsetzen werde. Auch ein erneuter russischer Angriff auf die Hauptstadt Kiew sei nicht auszuschließen, ebenso wenig wie ein Angriff von Belarus aus.

Putin: "Wir werden nichts verlieren"

Russlands Präsident Wladimir Putin stellte das Vorgehen in der Ukraine als rein vorteilhaft für sein Land dar. "Wir haben nichts verloren, und wir werden nichts verlieren", sagte Putin auf dem Wirtschaftsforum im ostrussischen Wladiwostok. Der wichtigste Zugewinn für Russland sei eine Stärkung der eigenen Souveränität.

Dessen ungeachtet machen die ukrainischen Streitkräfte bei ihrer Gegenoffensive im Osten des Landes offenbar Fortschritte. Zwar hielt sich die Regierung in Kiew weiter bedeckt. Doch der gegnerische ranghohe Separatist Danijl Bessonow aus dem russisch besetzten Teil der Region Donezk äußerte sich ungewöhnlich offen.

Seinen Angaben zufolge begannen ukrainische Streitkräfte am Dienstag mit einem seit längeren vorbereiteten Angriff auf Balaklija. Die 27.000-Einwohner-Stadt liegt zwischen der umkämpften Großstadt Charkiw und dem russisch-besetzten Isjum, wo sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt für den russischen Nachschub befindet.

Großoffensive im Süden des Landes

Die eigentliche Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte läuft deren Angaben zufolge aber im Süden des Landes. Doch auch hierzu lassen sich die ohnehin spärlichen Informationen und Angaben unabhängig kaum überprüfen. Die Führung in Kiew lässt keine Journalisten an die Front und veröffentlicht nur eingeschränkte Lageberichte, um auch Russland im Unklaren zu lassen und das Momentum der Überraschung nicht aus der Hand zu geben.

Eine Militärsprecherin wurde in Medien mit den Worten zitiert, dass "bereits einige Gebiete befreit" wurden. Nach Einschätzung westlicher Militärexperten versucht die Ukraine im Süden anscheinend, Tausende russische Soldaten am Westufer des Dnjepr festzusetzen und deren Nachschublinien zu zerstören.

Kritik an IAEA

Nach dem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zum Zustand des Atomkraftwerks in Saporischschja äußerten sowohl Russland als auch die Ukraine Kritik. Russlands Außenminister Sergej Lawrow verlangte Erläuterungen zu Teilen des IAEA-Berichts.

Präsident Putin kritisierte zudem, dass die IAEA in dem Bericht die Ukraine nicht für den anhaltenden Beschuss der Anlage verantwortlich mache. Der Ukraine geht der IAEA-Bericht nicht weit genug. Es gebe keine klare Anleitung, was jetzt zu tun sei, sagte Präsidentenberater Mychailo Podoljak der Nachrichtenagentur Reuters. Er vermisse auch die Forderung, dass die russischen Truppen das AKW verlassen müssten.

Referendum über Annexion im November

Die Partei des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat für Anfang November ein Referendum in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine über deren Annexion vorgeschlagen. "Es wäre richtig und symbolträchtig", ein solches Referendum am 4. November abzuhalten, dem Tag der Nationalen Einheit in Russland, erklärte Andrej Turtschak, Generalsekretär der Partei Geeinetes Russland, am Mittwoch.

Nach der Abstimmung würden "Donezk, Lugansk und viele weitere russische Städte endlich in ihren Heimathafen zurückkehren". Die "russische Welt", die derzeit "formell durch Grenzen getrennt" sei, würde so "ihre Einheit zurückerlangen", fügte Turtschak hinzu.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp