"Keine Gewalt", aber Drohungen
Trump fordert "sofortige Verhandlungen" zur Übernahme Grönlands
Seine Rede begann Trump damit, dass es großartig sei, "vor so vielen Freunden, ein paar Feinden und all diesen hochrangigen Gästen zu sprechen".
Trump: Anspruch auf Grönland wegen Zweitem Weltkrieg
Nachdem der US-Präsident zunächst tief in das Thema Energieproduktion eintauchte, kam er zu dem Thema, das von vielen erwartet wurde. "Wollt ihr etwas zu Grönland von mir hören?", fragte er grinsend.
Grönland liege an einem strategisch wichtigen Ort und sei unverteidigt, bekräftigte Trump. Die USA hätten Dänemark im Zweiten Weltkrieg gerettet, nun zeige sich das Land undankbar. Dabei erzählt Trump seine Version der Geschichte: Nachdem Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg Dänemark erobert hatte, hätten die USA "Dänemark zuliebe" Soldaten nach Grönland geschickt.
Dabei zögerte Trump auch nicht, den Anwesenden zu erklären, sie würden heute "alle Deutsch oder Japanisch sprechen", hätten die USA "den Krieg nicht gewonnen". Die USA seien "dumm gewesen", Grönland nach Kriegsende an Dänemark "zurückzugeben".
Faktencheck
Nazi-Deutschland wurde nicht von einem einzigen Land, sondern von den Alliierten befreit. Also konkret: Sowjetunion, USA, Frankreich und Großbritannien.
Die USA übernahmen während des Zweiten Weltkrieges zeitweise den Schutz Grönlands, weil Dänemark von Deutschland besetzt war. Grönland hat jedoch niemals den USA gehört - deshalb hatten die USA niemals eine Wahl, ob sie die Insel "zurückgeben" oder nicht. Grönland gehört seit Jahrhunderten zu Dänemark. 1946 boten die USA an, das Territorium zu kaufen - Dänemark lehnte ab.
Trump will "keine Gewalt" - droht aber trotzdem
Zurück in die Gegenwart: Ein Kauf Grönlands durch die USA würde die Sicherheit der NATO erhöhen und sei keine Bedrohung für das Bündnis, sagte Trump. Ihm gehe es im Grönland-Streit nicht wie vielfach behauptet um den Abbau von Rohstoffen wie Seltene Erden, die hunderte Meter unter dem Eis lägen, betont Trump.
Mit wem verhandelt werde, sagte Trump nicht - Dänemark und weitere europäische Staaten hatten stets bekräftigt, dass die Insel nicht zum Verkauf steht.
Das scheint Trump nicht zu kümmern, er fordert "unmittelbare Verhandlungen" zu seinem geplanten Grönland-Kauf und meint: "Ihr könnt 'Ja' sagen und wir werden sehr zuvorkommend sein. Ihr könnt 'Nein' sagen und wir werden uns daran erinnern." Während seiner Rede äußert Trump mehrere solcher Drohungen in Richtung Grönland.
"Wir werden Grönland nicht bekommen, es sei denn, ich entscheide mich für übermäßige Gewalt, mit der wir, ehrlich gesagt, unaufhaltsam wären", droht der US-Präsident. Im nächsten Satz meint er aber: "Das werde ich nicht tun. Ich werde keine Gewalt anwenden."
Seitenhiebe gegen Kanada, Macron und Biden
Auf der Arktis-Insel wolle er ein Schutzschild zur Verteidigung Nordamerikas errichten. Man werde dort den größten "Golden Dome" errichten, den es je gegeben habe, sagte Trump. Ein "Golden Dome" beschreibt im militärischen Sinne ein Verteidigungssystem. Allein durch dessen Existenz werde man auch Kanada verteidigen. Kanada erhalte viele kostenlose Leistungen von den USA, ergänzte Trump. Dafür sollte das Land dankbar sein, sei es aber nicht.
"Kanada lebt nur, weil es die Vereinigten Staaten gibt", sagt Trump ihn Richtung von Kanadas Premierminister Mark Carney. Auch über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und "Sleepy Joe Biden" spottet Trump. Nach über einer Stunde ist Trumps Rede schließlich vorbei.
Video: Stimmen aus Nuuk: Grönländer "absolut gegen" Trump-Pläne
Zusammenfassung
- US-Präsident Donald Trump hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos sofortige Verhandlungen über den Erwerb Grönlands gefordert.
- Seinen Anspruch auf Grönland erklärte Trump in seiner Rede mehrmals mit dem Sieg der USA im Zweiten Weltkrieg.
- Während seiner Rede äußert Trump mehrere Drohungen in Richtung Grönland. Gewalt anwenden wolle er aber keine.
- Dänemark und weitere europäische Staaten hatten stets bekräftigt, dass Grönland nicht zum Verkauf steht.
