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Grönland: Trump kündigt Zölle gegen mehrere NATO-Staaten an

Heute, 16:33 · Lesedauer 4 min

US-Präsident Donald Trump will unter Verweis auf den Grönland-Konflikt neue Zölle gegen acht europäische NATO-Länder verhängen. Die gestaffelten Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social am Samstag. Ab dem 1. Februar sollen Strafzölle in Höhe von 10 Prozent gelten, ab dem 1. Juni Zölle in Höhe von 25 Prozent - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden.

Der US-Präsident wiederholte seine Einschätzung, dass die USA Grönland zur Sicherheit der Arktis besitzen müssen. Er sagt, dass sonst Russland oder China die Insel übernehmen würden. Die Vereinigten Staaten seien ab sofort offen für Verhandlungen mit Dänemark und weiteren Nationen.

Die Entsendung von Soldatinnen und Soldaten aus mehreren europäischen NATO-Staaten kritisierte Trump heftig. "Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland sind nach Grönland gereist, für unbekannte Zwecke", schrieb Trump. Dies sei eine "sehr gefährliche Situation" für die Sicherheit, den Schutz und das Überleben des Planeten. Die Zölle würden für alle genannten Länder gelten.

Zuletzt hatte sich der Streit um Grönland verschärft. Trump drohte am Freitag mit Zöllen gegen Staaten, "die bei Grönland nicht mitziehen". Zuvor hatte ein Treffen des dänischen Außenministers Lars Lokke Rasmussen und der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt mit US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance am Mittwoch im Weißen Haus keine Einigung gebracht. Rasmussen wies danach eine Behauptung des US-Präsidialamts als falsch zurück, dass eine gemeinsame Kommission zum Erwerb von Grönland eingesetzt worden sei.

In Europa stießen Trumps Grönland-Pläne auf breite Ablehnung. Die nun von Trump mit Zöllen bedrohten europäischen Staaten entsandten diese Woche auf Bitten Dänemarks Soldaten nach Grönland. Sie sollen Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheitslage der Insel zwischen Nordatlantik und Polarmeer prüfen.

Tausende demonstrieren gegen Trumps Grönland-Pläne

In Dänemark demonstrierten am Samstag landesweit Tausende Menschen gegen die Übernahmepläne Trumps für Grönland. Die Proteste hatten vor Trumps Erklärung begonnen. Allein in Kopenhagen schätzten die Organisatoren die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 20.000. Mit Rufen wie "Grönland steht nicht zum Verkauf" zogen sie vom Rathausplatz zur US-Botschaft. Einige trugen Transparente mit Aufschriften wie "Nein heißt Nein" und "Hände weg von Grönland". Andere trugen rote Baseballkappen, die an die "Make America Great Again"-Kappen von Trump-Anhängern erinnerten, jedoch mit dem Slogan "Make America Go Away". Die Demonstranten forderten, Grönland selbst über seine Zukunft entscheiden zu lassen. Auch auf Grönland kam es zu Protesten. In der Hauptstadt Nuuk zogen Tausende Demonstranten unter Führung von Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen zum US-Konsulat.

Die Demonstrationen richteten sich gegen die wiederholten Forderungen von Trump, die riesige Insel an die USA abzutreten. Trump zufolge ist Grönland wegen seiner strategischen Lage und seiner großen Mineralienvorkommen für die Sicherheit der USA von entscheidender Bedeutung. "Grönland und die Grönländer sind unfreiwillig zur Front im Kampf für Demokratie und Menschenrechte geworden", sagte Julie Rademacher, die Vorsitzende der Organisation Uagut für Grönländer in Dänemark. Sie sei sehr dankbar für die große Unterstützung. "Wir senden auch eine Botschaft an die Welt, dass sie aufwachen muss."

Grönland mit seinen 57.000 Einwohnern ist seit Jahrhunderten von Kopenhagen aus regiert worden und verfügt seit 1979 über eine weitreichende Autonomie. Es ist aber weiterhin Teil des Königreichs Dänemark, das für die Verteidigungs- und Außenpolitik zuständig ist und einen Großteil der Verwaltung finanziert. Alle fünf im grönländischen Parlament vertretenen Parteien befürworten zwar eine Unabhängigkeit, würden aber einen Verbleib bei Dänemark einem Anschluss an die USA vorziehen.

In den USA selbst stoßen Trumps Pläne auf wenig Gegenliebe. Einer Umfrage zufolge befürworten 17 Prozent der US-Bürger die Bemühungen Trumps, Grönland zu erwerben. Eine große Mehrheit sowohl der Demokraten als auch der Republikaner lehnt demnach den Einsatz militärischer Gewalt zur Annexion der Insel ab. Trump bezeichnete die Umfrage als "fake".

Zusammenfassung
  • US-Präsident Donald Trump kündigt ab 1. Februar gestaffelte Strafzölle von zunächst 10 Prozent und ab 1. Juni 25 Prozent auf alle Waren aus acht europäischen NATO-Staaten an, solange kein Abkommen über den Kauf Grönlands erzielt wird.
  • In Dänemark demonstrierten am Samstag landesweit Tausende Menschen gegen die Übernahmepläne Trumps für Grönland, allein in Kopenhagen nahmen mehr als 20.000 Personen teil und forderten das Selbstbestimmungsrecht der Insel.
  • Laut einer Umfrage unterstützen nur 17 Prozent der US-Bürger Trumps Bemühungen um einen Erwerb Grönlands, während die große Mehrheit sowohl militärische Gewalt als auch die Übernahme ablehnt.