APA - Austria Presse Agentur

Tausende protestieren mit Menschenketten in Weißrussland

13. Aug 2020 · Lesedauer 4 min

Die Protestbewegung in Weißrussland gegen Staatschef Alexander Lukaschenko bekommt weiter Zulauf. In der Hauptstadt Minsk protestierten die weiß gekleideten Demonstranten am Donnerstag in Menschenketten gegen den Sieg Lukaschenkos bei der Präsidentenwahl sowie das gewaltsame Vorgehen der Polizei. Unterdessen sollen mehr als 1.000 der bei Protesten Verhafteten wieder freigelassen worden sein.

Die Protestbewegung in Weißrussland gegen Staatschef Alexander Lukaschenko bekommt weiter Zulauf. In der Hauptstadt Minsk protestierten die weiß gekleideten Demonstranten am Donnerstag in Menschenketten gegen den Sieg Lukaschenkos bei der Präsidentenwahl sowie das gewaltsame Vorgehen der Polizei. Unterdessen sollen mehr als 1.000 der bei Protesten Verhafteten wieder freigelassen worden sein.

Bis Donnerstagabend seien "mehr als tausend Menschen freigelassen worden", sagte Parlamentschefin Natalya Kotschanowa im Staatsfernsehen. Präsident Alexander Lukaschenko habe zudem eine Untersuchung angeordnet, um "allen Fällen von Inhaftierung auf den Grund zu gehen". Die Demonstranten seien unter der Auflage freigelassen worden, dass sie nicht mehr an "nicht genehmigten Demonstrationen teilnehmen" dürften, sagte Kotschanowa weiter. Innenminister Juri Karajew entschuldigte sich zudem für die Polizeigewalt gegen "Passanten", die nicht an den Protestaktionen beteiligt waren.

Insgesamt waren mindestens 6.700 Demonstranten festgenommen worden. Zwei Demonstranten wurden getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja, die den Wahlsieg für sich reklamiert, floh aus Angst vor Repressalien ins Exil nach Litauen.

Tausende Frauen bildeten am Donnerstag auf Straßen Menschenketten, wie Medien berichteten. Viele waren in Weiß gekleidet - der Farbe der Opposition - und hatten Blumen dabei. Auf Plakaten war etwa "Blumen statt Gewehrkugeln" zu lesen. Anders als bei den abendlichen Demonstrationen ging die Polizei zunächst nicht gegen die Demonstranten vor. Die Demonstranten forderten Lukaschenko zum Rücktritt auf.

Am Mittwoch hatten die Behörden den Tod eines 25-Jährigen nach seiner Festnahme in der Stadt Gomel vermeldet. Die Todesursache ist demnach unklar. Am Montag war bereits ein Demonstrant in Minsk zu Tode gekommen - nach Angaben der Regierung, weil ein Sprengsatz in seinen Händen explodierte. Ein Informant der APA aus Minsk, sprach indes allein von mindestens vier Toten am Sonntag und zwei Toten am Montag. Bestätigt werden konnten diese Informationen allerdings nicht.

Der Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten sei unglaublich brutal, erzählt der Mittdreißiger. So habe die Polizei die Menschen nicht einmal dazu aufgefordert nach Hause zu gehen, bevor sie Gewalt angewandt hätten. Am Montag sei direkt neben ihm eine Granate explodiert, erzählt der Mann. Von Medizinern sei ihm berichtet worden, dass die Rettungsdienste von den Sicherheitskräften daran gehindert worden seien, Notrufe von Zivilisten entgegenzunehmen. Stattdessen würden Sicherheitskräfte die Anrufe selbst annehmen, um anschließend auszurücken und die Verletzten erneut zu verprügeln.

Nach den Demonstrationen Festgenommene berichten indes von klaren Verstößen gegen die Europäische Menschenrechtskonvention während ihrer Inhaftierung. So erzählt Maria von der Menschenrechtsorganisation Viasna (Wjasna) dem TV-Sender ARTE: "Ein junger Mann hat uns erzählt, dass in einer Zelle mehr als 30 Menschen sitzen. Er war Wahlbeobachter und wurde dabei verhaftet. Bevor er rauskam, wurde er heftig zusammengeschlagen. Er hatte einen blauen Rücken und einen blauen Fuß. Man hat ihn auf die Knie gestellt und ihn gezwungen, die Staatshymne von Belarus zu singen und sich beim Präsidenten zu entschuldigen."

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte am Donnerstag die weißrussischen Behörden auf, die Angriffe auf Journalisten einzustellen. "Es ist erschreckend zu sehen, was die Regierung gewillt ist zu tun, um Informationen über die brutale Niederschlagung der Proteste zu unterdrücken - Reporter mit Schlagstöcken und Gummigeschoßen anzugreifen, ihre Ausrüstung zu zerstören und Dutzende ins Gefängnis zu werfen", sagte Marie Struthers, Direktorin für Osteuropa und Zentralasien bei Amnesty International.

Da das Internet von den Behörden immer wieder abgeschaltet wird, um die Kommunikation der Demonstranten zu behindern, organisieren diese sich etwa über den Instant-Messenger-Dienst Telegram. So erreichte der Telegram-Kanal Nexta live, wo Bilder und Videos von den Demonstrationen hochgeladen werden, in kürzester Zeit 1,7 Millionen Abonnenten.

Doch auch das Mobilfunknetz wurde von den Behörden zeitweise stillgelegt. Dies bestätigte die A1 Telekom Austria, die in Weißrussland mit A1 Belarus und fünf Millionen Abonnenten die Nummer zwei am Mobilfunkmarkt ist, gegenüber dem ORF. So sei das Mobilfunknetz am vergangenen Sonntag von den Behörden stillgelegt worden. Am Mittwoch sei der Zugriff von den staatlichen Behörden dann wieder hergestellt worden.

Quelle: Agenturen