Strack-Zimmermann: Trump hat vor nichts Respekt
Seit US-Präsident Trump mit einer Annexion der strategisch wichtigen Insel durch die USA gedroht hatte, spielt Grönland eine wichtige Rolle in der derzeit schwierigen Beziehung zwischen den USA und Europa. Grönland gehöre zu Dänemark, und dieses sei EU-Mitglied: Im Verteidigungsausschusses des EU-Parlaments "beschäftigen wir uns sehr damit", betont die Vorsitzende. Sie bekräftigt die "große Mehrheit im EU-Parlament, dass Grönland nicht zur Disposition steht" und begrüßt die im Herbst verabschiedete EU Resolution als "exzellent und präzise".
Die diese Woche verabschiedete gemeinsame Erklärung von sieben EU-Staaten - darunter Deutschland und Dänemark - zur Solidarität mit Grönland ist für die deutsche Sicherheit- und Außenpolitikerin "wichtig", auch wenn es "zu lange gedauert" habe: Damit "wurde klargemacht, dass wir an der Seite Grönlands stehen". Denn: "Wir können nicht mehr ausweichen vor der Tatsache, dass wir in den USA keinen verlässlichen Verbündeten mehr haben", fordert sie eine "robuste EU-Verteidigungspolitik": "Wir haben 27 Staaten und Armeen, aber keine Verteidigungsunion."
Europa habe keine gemeinsame Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik, kritisiert Strack-Zimmermann. Es gebe mit Kaja Kallas zwar eine EU-Außenbeauftragte, aber es gelte immer noch nationales Recht, und die geografische Lage jedes EU-Landes spiele eine große Rolle bei seinen außenpolitischen Entscheidungen. Sie ist aber davon überzeugt, dass Europa "eine Menge tun kann und das auch tun wird", weil "uns durch den Druck aus den USA nichts anderes übrig bleibt". Vielleicht "schauen wir in Jahren zurück und sehen, es war ein erratischer US-Präsident, der uns in Bewegung gesetzt hat". In der EU lebten 450 Millionen Menschen: "Wir haben eine riesige Chance, besonders was die wirtschaftliche Kraft betrifft. Die Kommission müsse diese sich nur endlich sich entfalten lassen. Trump verstehe sich als "Dealmaker": "Er weiß genau, wer stark ist."
"Was ist mit der Opposition?"
Laut Strack-Zimmermann brauchen die USA die NATO: "Ein Angriff auf Grönland würde die NATO derart beschädigen, dass sie deutlich geschwächt wäre- das ist auch in den USA angekommen." Auf die Frage, warum Trump in den USA nicht auf mehr Widerstand mit seinen Plänen stoße, sagt die Deutsche: "Die Frage stelle ich mir schon lange". Was ist mit der Opposition?" Der Druck sei "so stark, dass sie sich nicht traut" oder "auf einen Schlüsselmoment" warte, meint die Liberale. Sie pflege weiterhin den Austausch mit den USA und wolle das "nicht kappen".
Auch mit Grönland steht sie in Kontakt: Die Vorsitzende der FDP-Delegation im Europäischen Parlament war zuletzt im Herbst auf der Insel, und erwartet kommende Woche eine Delegation aus dem Land. Sie bezeichnet das Verhältnis als "sehr gut", aber die Frage, "was macht ihr, wenn die USA nach uns greifen, konnten wir nicht beantworten". Für Strack-Zimmermann ist es "an der Zeit, dass alle 27 EU-Staaten die US-Botschafter einbestellen: Stellen Sie sich vor, alle 27 würden das machen und die US Vertreter zur Rede stellen."
(Das Gespräch führte Franziska Annerl/APA)
Zusammenfassung
- Marie-Agnes Strack-Zimmermann kritisiert US-Präsident Trump scharf und erklärt, er habe vor nichts Respekt, insbesondere im Umgang mit Grönland, das er abwertend behandelt und auf das er Besitzansprüche stellt.
- Sie hebt hervor, dass sieben EU-Staaten, darunter Deutschland und Dänemark, eine Solidaritätserklärung für Grönland abgegeben haben, während die große Mehrheit im EU-Parlament klarstellt, dass Grönland nicht zur Disposition steht.
- Strack-Zimmermann fordert eine robuste EU-Verteidigungspolitik, da die EU aus 27 Staaten mit 450 Millionen Menschen besteht, aber bislang keine Verteidigungsunion und keine gemeinsame Außenpolitik hat.
